Bitcoin: Kapital kehrt zurück
Nach acht Wochen Abflüssen verzeichnen Krypto-Fonds wieder Nettozuflüsse. Der Bitcoin-Kurs zeigt sich davon unbeeindruckt und notiert um 63.900 Dollar.

Kurz zusammengefasst
- Wöchentliche Zuflüsse von 287 Millionen Dollar
- Morgan Stanley startet Bitcoin-Handel auf E*Trade
- Strategy verkauft 3.588 Bitcoin für Dollar-Reserve
- Nächster Kurstreiber: FOMC-Treffen Ende Juli
Acht Wochen am Stück flossen Milliarden aus Krypto-Fonds ab. Jetzt kehrt sich der Trend um – auch wenn Bitcoin selbst davon kaum beeindruckt scheint. Der Kurs pendelt zum Wochenausklang bei rund 63.900 Dollar, nahezu unverändert gegenüber dem Vortag. Zwischen der Erleichterung über die zurückkehrenden Zuflüsse und einem Angst-Index, der weiter tief im roten Bereich steht, liegt derzeit nur ein schmaler Grat.
Fondsflüsse drehen, Deckel bleibt drauf
Nach einer Abflusswelle von rund 8 Milliarden Dollar sammelten die weltweiten Krypto-Fonds in der vergangenen Woche 287 Millionen Dollar ein. US-Spot-ETFs auf Bitcoin kamen zwischen Dienstag und Donnerstag im Schnitt auf 368 Millionen Dollar Zuflüsse pro Tag. Ausgelöst wurde die Wende von schwächer als erwarteten US-Inflationsdaten für Juni.
Der Spielraum nach oben bleibt trotzdem begrenzt. CoinShares-Forschungsleiter James Butterfill hält einen Ausbruch über 80.000 Dollar ohne eine deutliche Verschiebung der Zinserwartungen für unwahrscheinlich. Im Optionsmarkt ist das Verhältnis von Verkaufs- zu Kaufoptionen derweil auf den tiefsten Stand seit sechs Monaten gefallen – ein Zeichen, dass Händler Absicherungen abbauen und wieder auf steigende Kurse setzen.
Institutionen zwischen Ausbau und Teilverkauf
Morgan Stanley hat am 16. Juli den direkten Kryptohandel auf seiner E*Trade-Plattform freigeschaltet – für über 8,6 Millionen Haushalte, die zusammen rund 1,56 Billionen Dollar verwalten. Eine der größten Retail-Plattformen Amerikas bietet Bitcoin damit erstmals direkt neben Aktien an.
Auf der anderen Seite trennte sich Strategy unter Michael Saylor in der ersten Juliwoche von 3.588 Bitcoin – ein Erlös von rund 216 Millionen Dollar. Das Geld fließt in die Dollar-Reserve des Unternehmens, die inzwischen auf 3 Milliarden Dollar angewachsen ist.
Am Gesamtbestand ändert das wenig: Mit 843.775 Bitcoin und einem durchschnittlichen Einstandspreis von 75.476 Dollar bleibt Strategy der größte Unternehmenshalter weltweit. Standard Chartered hält trotz des Verkaufs an seinem Jahresendziel von 100.000 Dollar fest und wertet die Transaktion als vorübergehendes Marktrauschen.
Parallel dazu häuften Wale rund 270.000 Bitcoin im Wert von 16,7 Milliarden Dollar nahe der 59.000-Dollar-Marke an – ein Muster, das schon nach dem Corona-Crash und dem FTX-Zusammenbruch zu beobachten war.
Charttechnik und der nächste Termin
Auf dem Tageschart bleibt die Lage angespannt. Bitcoin notiert unterhalb aller drei wichtigen gleitenden Durchschnitte:
- 50-Tage-Linie bei 65.007 Dollar
- 100-Tage-Linie bei 68.323 Dollar
- 200-Tage-Linie bei 74.367 Dollar
- Nächste Unterstützung bei 61.106 Dollar
Der RSI liegt bei 47 und damit knapp unter der neutralen Mitte. Zusätzlichen Druck brachte diese Woche die Eskalation zwischen den USA und Iran: Nach Luftschlägen auf iranische Ziele fiel Bitcoin am Freitag zeitweise auf 62.924 Dollar, während der Ölpreis in Richtung 80 Dollar pro Barrel kletterte. Bereits am Donnerstag, vor einem Treffen zum sogenannten Clarity Act im Weißen Haus, hatte der Kurs um 1,1 Prozent auf 64.034 Dollar nachgegeben.
In Washington ringen Präsident Trump und eine Gruppe von Senatoren um eine Ethikklausel für Krypto-Transaktionen hochrangiger Regierungsmitglieder – ein Streitpunkt, der über die Verabschiedung des Gesetzes noch vor der Sommerpause des Senats entscheiden könnte. Als nächster großer Katalysator gilt jedoch das FOMC-Treffen am 28. und 29. Juli, das über die weitere Zinserwartung und damit über den von CoinShares genannten Widerstand bei 80.000 Dollar entscheiden dürfte.
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