Bitcoin: Knappheit gegen die Aktienflut

Paul Tudor Jones warnt vor einem schwierigen Aktienjahr 2027; Bitcoins Rolle als knapper Gegenpol hängt von seiner Marktreaktion ab.

Dr. Robert Sasse ·
Eine physische Bitcoin-Münze auf einem Schreibtisch vor unscharfen Stapeln von Papiergeld und Finanzmarkt-Symbolen. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Jones erwartet 2027 ein schwieriges Börsenjahr
  • KI-Börsengänge könnten das Aktienangebot erhöhen
  • Bitcoin-Menge bleibt auf 21 Millionen begrenzt
  • US-Spotfonds verzeichneten Abflüsse von gut 770 Millionen Dollar

Paul Tudor Jones erwartet für 2027 ein extrem hartes Börsenjahr. Der Hedgefonds-Gründer sieht eine Welle neuer Aktien auf den Markt rollen. Für Bitcoin stellt sich damit die Frage, ob die Kryptowährung als knapper Gegenpol taugt oder mit den Techwerten fällt.

Jones sieht ein Überangebot an Aktien

Jones sagte Mitte Oktober im US-Fernsehen, 2027 werde für den Aktienmarkt „wirklich, wirklich herausfordernd“. Die Kapitalflüsse seien vermutlich so negativ wie seit 2002 nicht mehr. Bisher stützten Aktienrückkäufe und Übernahmen die Kurse, weil sie das Angebot verknappten. Dieses Bild kippe nun.

Große Börsengänge aus dem KI-Sektor stehen an, etwa von Anthropic und OpenAI. Hinzu kommen Kapitalerhöhungen von Firmen, die ihren KI-Ausbau finanzieren müssen. Jones zieht Parallelen zu 1999, kurz vor dem Platzen der Dotcom-Blase. Er selbst will 2027 durchgehend auf fallende Kurse setzen.

Als weitere Risiken nennt er das US-Haushaltsdefizit und steigende Ölpreise. Zugleich zieht die Inflation an: Die Verbraucherpreise legten im September um 3,7 Prozent zu, nach 3,4 Prozent im August. Die US-Notenbank hob die Leitzinsen bereits im September an.

Knappheit trifft auf Marktstruktur

Das Argument für Bitcoin liegt auf der Hand. Die Menge ist auf 21 Millionen Einheiten begrenzt, während neue Aktien den Markt fluten könnten. Jones selbst nannte Bitcoin im April die eindeutig beste Absicherung gegen Inflation. Gold erhöhe sein Angebot jährlich, Bitcoin habe den größten Knappheitswert. Schwächen räumte er ebenfalls ein: Cyberangriffe und langfristig Quantencomputer.

Gegen die Lesart vom sicheren Hafen spricht die Marktstruktur. Die 30-Tage-Korrelation zur NASDAQ lag zuletzt bei erhöhten 0,6. Zwar hielt sich Bitcoin in der Woche des KI-Ausverkaufs besser als der NASDAQ 100 und Gold. Allerdings zogen Anleger am 22. und 23. Oktober gut 770 Millionen Dollar aus den US-Spotfonds ab.

Fed-Entscheidung als erster Test

Solange große Investoren Bitcoin als Teil ihres Risikobudgets behandeln, dürfte eine breite Aktienkorrektur die Kryptowährung zunächst mittreffen. Erst eine sichtbare Entkopplung würde das Knappheitsargument stützen.

Den ersten Härtetest liefert die US-Notenbank, die heute Abend über die Zinsen entscheidet. Schlägt sich Bitcoin bei einem restriktiven Signal besser als Technologieaktien, gewinnt die These vom knappen Gegenpol an Gewicht. Fällt die Kryptowährung im Gleichschritt mit der NASDAQ, bleibt sie vorerst ein Risikoasset.

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