Bitcoin: Short-Seller zahlen die Zeche

Bitcoin steigt in zwei Tagen um 24 Prozent auf über 79.000 Dollar. Short-Positionen von 2,75 Milliarden Dollar werden liquidiert, während politische und geldpolitische Faktoren die Rally befeuern.

Dr. Robert Sasse ·
Ein fokussierter Trader an einem modernen Schreibtisch in einer Finanzumgebung während einer Marktphase. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Stärkster Kursanstieg seit Jahren
  • 2,75 Mrd. Dollar Short-Liquidationen
  • ETF-Zuflüsse von 2,07 Mrd. Dollar
  • Strategy mit Milliarden-Gewinn

Innerhalb von nur zwei Handelstagen hat Bitcoin rund 24 Prozent zugelegt und damit die stärkste Kursbewegung seit Jahren hingelegt. Am Freitag stieg die Kryptowährung zeitweise über 79.000 Dollar — das höchste Niveau seit Mitte Mai. Wer auf fallende Kurse gewettet hatte, zahlt gerade einen hohen Preis.

Ein Dreiklang aus Politik, Zinsen und Zwangsverkäufen

Den Ausschlag gab eine Ankündigung des US-Finanzministeriums: Ab dem 9. September sollen Rückkäufe langlaufender Staatsanleihen deutlich ausgeweitet werden. Die Renditen am Anleihemarkt gaben daraufhin nach, was Bitcoin als zinsloses Investment wieder attraktiver machte.

Parallel dazu traf sich Präsident Trump mit Kryptobranchen-Vertretern im Weißen Haus und drängte den Kongress zur Verabschiedung des CLARITY Act, über den im September im Senat abgestimmt werden soll.

Die Kombination aus geldpolitischem Rückenwind und regulatorischer Hoffnung reichte, um eine Kettenreaktion auszulösen. Wer auf fallende Kurse gesetzt hatte, musste seine Positionen eindecken — allein bei Bitcoin wurden Short-Positionen im Wert von mehr als 2,75 Milliarden Dollar zwangsliquidiert. Hinzu kommen Nettozuflüsse in Bitcoin-ETFs von rund 2,07 Milliarden Dollar im laufenden Monat.

Überkauft, aber mit neuen Haltemarken

Technisch hat der Kurs den 200-Tage-Durchschnitt bei 71.549 Dollar zurückerobert und die bisherige Widerstandsmarke von 74.450 Dollar überwunden. Beide Niveaus gelten nun als Unterstützungen. Der RSI-Indikator liegt mit über 83 Punkten deutlich im überkauften Bereich — ein Warnsignal für eine kurzfristige Verschnaufpause, auch wenn das nächste Kursziel bei rund 82.850 Dollar liegt.

Der stärkste Nutznießer der Rally ist Strategy, der weltweit größte börsennotierte Bitcoin-Halter. Mit 840.447 Bitcoin im Bestand, erworben zu einem Durchschnittspreis von 75.385 Dollar, sitzt das Unternehmen beim aktuellen Kursniveau wieder auf einem nicht realisierten Gewinn von 2,17 Milliarden Dollar.

Noch im Juli, als Bitcoin unter 59.000 Dollar gefallen war, stand ein Buchverlust von 13 Milliarden Dollar zu Buche. Die Strategy-Aktie reagierte entsprechend heftig und legte vorbörslich zweistellig zu.

Ob die Rally trägt, dürfte sich an zwei Terminen entscheiden: der Senatsabstimmung zum CLARITY Act im September und der Entwicklung der ETF-Zuflüsse in den kommenden Wochen. Fällt der Kurs unter die Marke von 74.450 Dollar zurück, wäre das erste Warnsignal für ein Abflachen der Dynamik.

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