Bitcoin: Shorts unter Wasser
Bitcoin erreicht mit 72.000 Dollar den höchsten Stand seit Juni und löst Milliarden-Liquidationen bei Leerverkäufern aus. Politische Signale und ETF-Zuflüsse beflügeln die Erholung.

Kurz zusammengefasst
- Kursprung auf 72.000 Dollar
- Drei Milliarden Short-Liquidationen in 24 Stunden
- US-Regierung plant verdoppelte Anleiherückkäufe
- ETF-Zuflüsse erreichen Höchststand seit Mai
Wer in dieser Woche auf fallende Kurse gewettet hat, zahlt gerade einen hohen Preis. Bitcoin ist am Donnerstag über 72.000 Dollar geklettert – der höchste Stand seit Anfang Juni – und hat damit binnen zwei Handelstagen fast 15 Prozent zugelegt. Für Leerverkäufer wurde die Rally zur Falle: Allein in den vergangenen 24 Stunden wurden Short-Positionen im Volumen von rund 3 Milliarden Dollar zwangsliquidiert.
Der Mechanismus dahinter ist bekannt, aber selten so wirkungsvoll wie diese Woche. Steigt der Kurs, müssen Trader mit Wetten auf fallende Preise ihre Positionen zwangsweise eindecken – jeder Rückkauf treibt den Preis weiter nach oben und zwingt die nächste Schicht von Leerverkäufern zum Ausstieg. Diese Kettenreaktion, ein sogenannter Short-Squeeze, erklärt einen guten Teil der Wucht hinter der Bewegung.
Politik und Notenbank-Trick als Treiber
Zwei Entwicklungen fallen zeitlich zusammen. Das US-Finanzministerium kündigte an, seine Rückkäufe langlaufender Staatsanleihen zu verdoppeln – von 2 auf 4 Milliarden Dollar je Operation, ab dem 9. September. Der Schritt drückte die Anleiherenditen und schwächte den Dollar, was Marktbeobachter bereits als „QE Lite“ bezeichnen, in Anlehnung an frühere Anleihekaufprogramme der Notenbank.
Kurz darauf traf sich Präsident Trump im Weißen Haus mit Krypto-Führungskräften von Coinbase, Ripple, Kraken, Robinhood und ChainLink. Sein Appell: Der Congress solle noch dieses Jahr eine „faire Version“ des Clarity Act verabschieden, jenes Gesetzes zur Marktstruktur für Kryptowährungen, das seit Monaten zwischen Republikanern und Demokraten feststeckt.
Der nächste kritische Termin ist der 15. September, wenn im Senat eine erste Verfahrensabstimmung ansteht – scheitert sie, gilt das Gesetz für dieses Jahr weitgehend als erledigt.
Die Stimmung drehte parallel dazu. Auf Prognosemärkten lag die Wahrscheinlichkeit für einen Absturz auf 55.000 Dollar noch am Vortag bei 70 Prozent, mittlerweile steht sie bei rund 50 Prozent. Der Krypto-Angst-und-Gier-Index sprang von neutralen 55 auf einen Wert von 60 und damit in die Gier-Zone.
Der Test des Death Cross
Charttechnisch ist die Bewegung mehr als nur ein Kurssprung. Seit November 2025 verläuft der 50-Tage-Durchschnitt unter dem 200-Tage-Durchschnitt – ein sogenannter Death Cross, der seither als Warnsignal für den langfristigen Trend galt. Bitcoin hat die Marke am Donnerstag zwar angetestet, aber noch nicht nachhaltig über beide Linien geschlossen.
Spot-Bitcoin-ETFs in den USA verzeichneten am Mittwoch Netto-Zuflüsse von 517 Millionen Dollar, den größten Tageszufluss seit Mai. Krypto-nahe Aktien wie Strategy und Coinbase legten im Wochenverlauf zweistellig zu.
Bitcoin bleibt trotz der Rally rund 43 Prozent unter seinem Rekordhoch von Oktober 2025 bei etwa 126.000 Dollar entfernt. Ob die aktuelle Bewegung den Death Cross tatsächlich auflöst, entscheidet sich an den kommenden Handelstagen – ein klarer Schlusskurs über beiden gleitenden Durchschnitten wäre das entscheidende technische Signal.
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