Bitcoin: Starkes Quartal, offene Fragen

Der Kursgewinn trifft auf umstrittene Onchain-Kennzahlen und neue Vorbereitungen für den Schutz vor Quantencomputern.

Dr. Robert Sasse ·

Kurz zusammengefasst

  • Bitcoin seit Juli rund 43,5 Prozent höher
  • Saylor fordert niedrigere Banken-Risikogewichtung
  • Onchain-Werte weichen bis zum Sechsfachen ab
  • Neue Konzepte sollen Bitcoin quantensicher machen

Bitcoin steuert auf eines der besten dritten Quartale seiner Geschichte zu. Die Kryptowährung hält sich über 84.000 Dollar und hat seit Anfang Juli rund 43,5 Prozent zugelegt — nur 2017 fiel ein Q3 noch stärker aus. Doch während die Kursbilanz Anleger freut, mehren sich Debatten über die Grundlagen, auf denen Bewertungen und Sicherheitsversprechen des Netzwerks eigentlich stehen.

Institutionelle Nachfrage trifft auf Vorstoß von Saylor

Der Kursverlauf profitiert von robuster Spot-Aktivität und institutionellem Interesse. Das jüngste große Options-Verfallsdatum am Freitag verlief ohne größere Verwerfungen, Gewinnmitnahmen blieben verhalten.

Strategy-Chairman Michael Saylor nutzte die Gunst der Stunde, um US-Banken zu einem stärkeren Engagement in Bitcoin aufzurufen — konkret fordert er eine Überprüfung der 1.250-prozentigen Risikogewichtung, die internationale Bankenstandards derzeit auf die riskanteste Kategorie von Krypto-Beständen anwenden. Banken sollten Custody- und kreditgestützte Dienstleistungen rund um Bitcoin ausbauen können, so seine Argumentation.

Sicherheitsfragen bleiben trotz der positiven Kursdynamik präsent. Der Hack der Kryptobörse Bitget mit einem Schaden von 387,5 Millionen Dollar erinnerte daran, wie verwundbar Infrastruktur rund um Kryptowährungen bleibt — auch wenn Bitcoin selbst nicht betroffen war. Bitget kündigte an, die Verluste über einen Schutzfonds abzudecken, Kundengelder sollen unangetastet bleiben.

Zweifel an den Messgrundlagen

Parallel zur Kursrally sorgt eine Studie der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich für Diskussionsstoff. Die Forscher zeigen, dass gängige Onchain-Kennzahlen wie Transfervolumen oder Marktkapitalisierung je nach Berechnungsmethode um bis zu das Sechsfache voneinander abweichen können. Grund ist die UTXO-Struktur von Bitcoin, bei der Wechselgeld-Transaktionen fälschlich als zusätzliches Transfervolumen gezählt werden.

Auch die Marktkapitalisierung gerät ins Wanken: Rechnet man rund 1,8 Millionen wahrscheinlich verlorene Bitcoin heraus — mehr als eine Million davon vermutlich Satoshi Nakamoto zuzurechnen — fällt die tatsächlich verfügbare Marktkapitalisierung spürbar niedriger aus als in Standardberechnungen. Die Autoren empfehlen Bandbreiten statt einzelner Punktwerte für künftige Analysen.

Ein drittes Thema betrifft die langfristige Sicherheit des Netzwerks selbst. Diese Woche kamen gleich drei Entwicklungen zum Schutz vor künftigen Quantencomputern zusammen: StarkWare senkte die Kosten für quantensichere Transaktionen von rund 320 auf etwa 67 Dollar, Coinbase stellte ein postquanten-taugliches Custody-Design für sein rund 250 Milliarden Dollar schweres verwahrtes Vermögen vor, und Forscher veröffentlichten ein neues Design für private Bitcoin-Transfers.

Ein Quantencomputer, der Bitcoins Verschlüsselung tatsächlich knacken könnte, existiert bislang nicht — die Branche arbeitet aber bereits an Absicherungen für den Fall der Fälle.

Die kommenden Tage dürften zeigen, ob Bitcoin die Marke von 84.000 Dollar bis zum Quartalsende halten kann. Bitget hat für den 28. September die Wiederaufnahme der Bitcoin-Auszahlungen angekündigt, gefolgt von Ether am 29. und USDT am 30. September — ein Termin, der zumindest kurzfristig Aufschluss über die Stabilität der betroffenen Börse geben wird.

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