Bitcoin: Wallet-Hack treibt Adressen nach oben

Sicherheitslücke bei Coinkite-Wallets führt zu massiven Abflüssen und Rekordzahlen bei neuen Bitcoin-Adressen. Institutionelle Verkäufe und ETF-Zuflüsse prägen den Markt.

Felix Baarz ·
Bitcoin Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Wallet-Hack verursacht Adressanstieg
  • Coinkite-Firmwarefehler seit 2021
  • Strategy verkauft weitere Bitcoin
  • ETF-Zuflüsse stabilisieren Markt

Ein Sicherheitsvorfall bei einem beliebten Hardware-Wallet-Hersteller sorgt derzeit für ungewöhnliche Bewegung im Netzwerk. Die Zahl neu erstellter Bitcoin-Adressen sprang binnen einer Woche von rund 260.000 auf mehr als 330.000 — eine deutliche Umkehr des Abwärtstrends, der den Großteil des Jahres geprägt hatte. Der Grund: Nutzer flüchten in großer Zahl aus kompromittierten Wallets.

Coldcard-Lücke kostet Nutzer über 100 Millionen Dollar

Auslöser ist ein Fehler in der Firmware des Hardware-Wallet-Anbieters Coinkite, der bis auf das Jahr 2021 zurückgeht. Ein schwacher Zufallszahlengenerator in der Software statt der eigentlichen Hardware-Entropiequelle machte private Schlüssel angreifbar. In vier Diebstahlwellen seit dem 30. Juli haben Betroffene mindestens 1.816 Bitcoin verloren, umgerechnet rund 116 Millionen Dollar. Coinkite rät allen Nutzern, die zwischen März 2021 und dem Sicherheitspatch Wallets erstellt haben, ihre Bestände auf neue Adressen zu übertragen — genau das erklärt den Adress-Anstieg.

Der Vorfall wirft ein Licht auf ein Risiko, das bei der Selbstverwahrung oft unterschätzt wird. Wer eigene Schlüssel verwaltet, entgeht zwar dem Gegenparteirisiko von Börsen — Implementierungsfehler in der Hardware bleiben davon aber unberührt. Nach einer Serie ähnlicher Vorfälle in diesem Jahr dürfte die Debatte zwischen Selbstverwahrung und custodialen Lösungen wie ETFs neu befeuert werden.

Strategy verkauft weiter, Twenty One rutscht tief in die Verlustzone

Während private Nutzer ihre Bestände aus Sicherheitsgründen umschichten, bewegen sich auch die großen institutionellen Halter. Strategy, mit mehr als 840.000 Bitcoin der größte börsennotierte Halter, verkaufte in der vergangenen Woche weitere 1.690 Bitcoin für rund 108,6 Millionen Dollar. Seit Mai hat das Unternehmen damit insgesamt 6.948 Bitcoin für etwa 432,5 Millionen Dollar abgegeben — Erlöse, die größtenteils in Dividendenzahlungen auf Vorzugsaktien und Rückkäufe der STRC-Aktie fließen. Firmenchef Phong Le hatte bereits im Mai angekündigt, Bitcoin zu verkaufen, wenn dies den Wert je Aktie steigert; Vorstandschef Michael Saylor betonte zugleich, das Unternehmen wolle „niemals Nettoverkäufer“ werden, nicht „niemals verkaufen“.

Bei der kleineren Bitcoin-Schatzgesellschaft Twenty One Capital fällt die Bilanz deutlicher aus: Das Unternehmen verbuchte im zweiten Quartal einen Nettoverlust von 413,5 Millionen Dollar, fast vollständig durch die Wertminderung seiner rund 43.500 Bitcoin verursacht. Der neue Vorstandschef Raphael Zagury, der vor wenigen Wochen Gründer Jack Mallers ablöste, kündigte an, das Unternehmen über die reine Bitcoin-Haltung hinaus zu einem operativen Geschäft mit eigenen Erträgen auszubauen — als Vorbild nannte er Berkshire Hathaway. Die Aktie handelt derzeit mit einem deutlichen Abschlag zum Wert der gehaltenen Bitcoin-Bestände.

ETF-Zuflüsse geben Hoffnung, Inflationsdaten entscheiden

Auf der Nachfrageseite gibt es derweil Anzeichen einer Stabilisierung. US-Spot-ETFs auf Bitcoin verzeichneten in der ersten Augustwoche Netto-Zuflüsse von 853,5 Millionen Dollar — die stärkste Woche seit Mitte April. BlackRocks IBIT allein zog über 690 Millionen Dollar an. Seit Jahresbeginn stehen die Fonds trotzdem noch mit rund 4,5 Milliarden Dollar im Minus.

Bitcoin selbst bewegte sich am Dienstagmittag bei rund 64.170 Dollar und drehte damit nach einem frühen Minus von etwa zwei Prozent ins Plus. Zum Allzeithoch von 126.080 Dollar fehlen weiterhin knapp die Hälfte. Der nächste Belastungstest folgt bereits an diesem Mittwoch: Um 14:30 Uhr werden die US-Verbraucherpreise für Juli veröffentlicht, der Konsens erwartet einen Rückgang der Gesamtinflation von 3,5 auf 3,4 Prozent. Fällt der Wert darunter, könnte das die Marke von 66.000 Dollar in Reichweite bringen — liegt er darüber, rückt die Unterstützung bei 62.500 Dollar wieder in den Fokus.

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