Bitcoin: Weißhüte mit Bedingungen

Beim Liquid-Hack bleibt die Rückgabe der rund 4.000 Bitcoin offen, während der Coldcard-Angreifer weitere 97 Bitcoin über CoinJoin bewegt.

Felix Baarz ·
Eine einzelne physische Bitcoin-Münze auf einer dunklen Schieferplatte bei natürlichem, weichem Licht. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Liquid-Auszahlungen bleiben vorerst ausgesetzt
  • Angreifer knüpft Rückgabe an Software-Patch
  • Rund 97 Bitcoin werden verschleiert
  • Coldcard-Bug betrifft möglicherweise 1.800 Bitcoin

Zwei Hacks binnen weniger Wochen, zwei völlig unterschiedliche Verläufe. Während bei den Coldcard-Wallets ein unbekannter Angreifer weiter unbeirrt Beute verschiebt, verhandelt bei Blockstreams Liquid-Netzwerk offenbar jemand, der sein Vorgehen als Gefälligkeit verkauft — gegen Bedingungen.

Liquid-Hack: Rückgabe nur nach Patch

Rund 4.000 Bitcoin, zeitweise etwa 320 Millionen Dollar wert, verließen am Wochenende die Federation-Wallet der Liquid-Sidechain. Der Abfluss lief über den Peg-out-Autorisierungsschlüssel des Handelsdienstes SideSwap — dieser selbst blieb laut Betreiber unkompromittiert. Ursache war offenbar ein Fehler in der zugrunde liegenden Elements-Software, durch den L-BTC ohne echte Bitcoin-Deckung entstand und anschließend regulär ausgezahlt wurde.

Der Angreifer meldete sich per Onchain-Nachricht als „White Hat“ und kommunizierte seitdem über PGP-signierte Bitcoin-Transaktionen mit Blockstream. Die Bedingung für eine Rückzahlung: Erst müsse der Bug behoben und jeder Node gepatcht sein.

Blockstream bestätigte per signierter Nachricht, die Bridge-Nodes seien gepatcht und die Rückgabe sicher — zum Zeitpunkt der letzten Prüfung lagen die Mittel jedoch weiterhin in der Wallet des Angreifers.

Kritiker aus der Branche, darunter Ledger-CTO Charles Guillemet, zweifeln am echten White-Hat-Charakter des Vorgehens und verweisen auf frühere Bridge-Hacks mit ähnlichem Muster. Liquid hat den Netzwerkbetrieb pausiert, Ein- und Auszahlungen von L-BTC bleiben bei Börsen ausgesetzt.

Coldcard-Angreifer bewegt weiter Beute

Parallel dazu setzt der Angreifer hinter der dritten Diebstahlswelle bei Coldcard-Hardware-Wallets seine Bewegungen fort. Rund 97 Bitcoin, etwa 7,7 Millionen Dollar, wurden zuletzt über CoinJoin-Runden verschleiert — eine Technik, die Transaktionsspuren zwischen mehreren Nutzern vermischt.

Der Fehler geht auf einen 2021 eingeführten Firmware-Bug zurück, der die Zufallsgenerierung von Seeds schwächte und Angreifern das Rekonstruieren privater Schlüssel ermöglichte. Über alle Wellen hinweg könnten inzwischen rund 1.800 Bitcoin betroffen sein, ein Großteil davon liegt laut Analysen weiterhin unangetastet in den ursprünglichen Adressen.

Beide Fälle zeigen, wie unterschiedlich sich Sicherheitsvorfälle im Bitcoin-Ökosystem entwickeln können — der eine mit Verhandlungscharakter und Rückgabeversprechen, der andere mit stetigem, unauffälligem Kapitalabfluss über Wochen hinweg. Ob Blockstream die versprochenen Mittel tatsächlich zurückerhält, dürfte sich in den kommenden Tagen an den Onchain-Bewegungen der Angreifer-Wallet ablesen lassen.

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