Bitcoin: Widerstandsfähig trotz Anleiherendite
Nach kräftigen Quartalsgewinnen belasten im Oktober Abflüsse aus Krypto-Produkten den Bitcoin-Markt.

Kurz zusammengefasst
- Bitcoin gewinnt im dritten Quartal über 40 Prozent
- US-Anleiherendite steigt auf 5,20 Prozent
- US-Spot-Produkte verzeichnen Oktoberabflüsse
- Weltweite Krypto-ETPs verlieren 1,27 Milliarden Dollar
Die Zinsen steigen, die Regulierung stockt, und dennoch hält sich Bitcoin über der Marke von 80.000 Dollar. Nach einem starken dritten Quartal konsolidiert die größte Kryptowährung, doch die Geldflüsse in Krypto-Produkte drehen im Oktober ins Minus.
Zwei Belastungsproben im September
Bitcoin legte im dritten Quartal um mehr als 40 Prozent zu und war Ende September zeitweise über 87.000 Dollar wert. Aktuell notiert er bei rund 81.300 Dollar. Es war das stärkste Quartal seit 2024.
Im September musste der Markt zwei Rückschläge verkraften: die erste Zinserhöhung der US-Notenbank seit 2023 und das Scheitern des Clarity Acts im US-Senat. Das Gesetz sollte einen klaren Rahmen für den Kryptomarkt schaffen. Beide Ereignisse drückten die Kurse, die Erholung folgte jedoch zügig. Zugleich erlaubt die US-Börsenaufsicht SEC seit Mitte September unter Auflagen den Handel mit tokenisierten Aktien.
Belastend wirkt der Anleihemarkt. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen ist seit Ende Februar von 3,95 auf 5,20 Prozent geklettert. Das macht festverzinsliche Anlagen attraktiver.
Dollar als Schlüsselgröße
Bitwise-Experte André Dragosch verweist auf den US-Dollar. Bitcoin und Greenback bewegen sich häufig gegenläufig, die 90-Tage-Korrelation liegt bei minus 0,40. Ein schwächerer Dollar und eine wachsende Geldmenge könnten Bitcoin stützen. Schocks beim Euro, bei britischen Staatsanleihen, im Iran oder von der US-Notenbank könnten dagegen eine Flucht in den Dollar auslösen.
Bitwise-Investmentchef Matt Hougan geht noch weiter. Für ihn gewinnt Bitcoin langfristig in jedem Szenario: bei einem KI-Boom, bei einem Platzen der KI-Blase samt staatlicher Rettung oder bei moderatem Wachstum. Kurzfristig schließt er heftige Rückschläge nicht aus. Quantencomputer, ein koordiniertes Vorgehen von Regierungen oder eine Rückkehr zur Haushaltsdisziplin hält er für unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich.
Abflüsse trüben das Bild
Im September flossen fast 3 Milliarden Dollar in US-Bitcoin-ETPs. Im Oktober kehrt sich das um: Aus US-Spot-Produkten zogen Anleger seit Monatsbeginn rund 400 Millionen Dollar ab. In der jüngsten Berichtswoche verließen weltweit etwa 1,27 Milliarden Dollar die Krypto-ETPs, davon 656 Millionen aus Bitcoin-Produkten.
Max Michielsen von 21Shares nennt den Rücksetzer normal. Die Zone zwischen 81.000 und 82.000 Dollar habe sich von Widerstand zu Unterstützung gewandelt. Nach oben zählt zunächst der Bereich um 86.500 bis 87.000 Dollar.
Ein Monatsschluss über 88.000 Dollar würde aus seiner Sicht die Trendwende bestätigen und einen Anstieg auf 100.000 Dollar bis Jahresende möglich machen, sofern Renditen und Zuflüsse mitspielen. Fällt Bitcoin unter 81.000 Dollar, droht ein Test der September-Tiefs bei etwa 75.000 Dollar.
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