Bitcoin: Zweiter Schlag, volle Wucht
Neue US-Militärschläge gegen den Iran und massive Kapitalabflüsse aus Bitcoin-ETFs drücken den Kurs auf den tiefsten Stand seit April.

Kurz zusammengefasst
- Kursrutsch auf 72.782 Dollar
- Zweite US-Angriffswelle gegen Iran
- ETF-Abflüsse von 733 Millionen Dollar
- Gesamtmarkt verliert 80 Milliarden Dollar
Der Kryptomarkt hat sich am Donnerstag einem doppelten Druck gebeugt. Erneute US-Militärschläge gegen den Iran und anhaltende Abflüsse aus Bitcoin-ETFs haben den Kurs auf den tiefsten Stand seit Mitte April gedrückt.
Geopolitik als Verkaufssignal
Bitcoin fiel am Donnerstagmorgen um rund vier Prozent auf 72.782 Dollar. Ethereum verlor fünf Prozent und rutschte unter die 2.000-Dollar-Marke. Auslöser war eine zweite Angriffswelle der USA gegen iranische Raketenstellungen, die noch in der Nacht zum Donnerstag stattfand.
Damit zerstob die Hoffnung auf eine diplomatische Lösung. Einen Tag zuvor hatten Berichte über einen möglichen Rahmenvertrag zur Wiedereröffnung der Straße von Hormus kurzzeitig für Erleichterung gesorgt. US-Präsident Trump wies die entsprechenden Meldungen jedoch zurück. Der Ölpreis stieg daraufhin zurück über 97 Dollar je Barrel — und risikoreichere Assets wie Krypto gerieten unter Druck.
Innerhalb von 24 Stunden verdampften rund 80 Milliarden Dollar an Marktkapitalisierung. Der Gesamtmarkt verlor mehr als drei Prozent und fiel auf eine Kapitalisierung von 2,45 Billionen Dollar.
ETF-Abflüsse verstärken den Druck
Geopolitik allein erklärt den Rückgang nicht vollständig. Parallel dazu zogen institutionelle Investoren weiter Kapital aus Bitcoin-ETFs ab. Allein am 27. Mai summierten sich die Nettoabflüsse aus US-amerikanischen Spot-Bitcoin-ETFs auf 733 Millionen Dollar — einer der größten Tagesabflüsse der vergangenen Wochen.
Über die vergangenen zwei Wochen belaufen sich die Nettomittelabflüsse aus Krypto-ETFs auf mehr als 2,5 Milliarden Dollar. Für 2026 insgesamt schrumpft die Bilanz auf nur noch knapp über 500 Millionen Dollar im Plus — ein magerer Wert verglichen mit den rund 25 Milliarden Dollar, die BlackRocks IBIT allein 2025 anzog.
Bemerkenswert: Während Bitcoin und Ethereum Kapital verlieren, verbuchen ETFs auf XRP und Solana selektive Zuflüsse. Das institutionelle Geld verlässt den Kryptomarkt nicht, es verteilt sich um.
Bitcoin fern von früheren Hochs
Der aktuelle Kurs liegt deutlich unter dem Monatshoch von über 82.000 Dollar. Hinzu kommt, dass die US-Inflationsdaten für April mit 3,8 Prozent — dem höchsten Stand seit Herbst 2023 — die Erwartungen an baldige Zinssenkungen weiter gedämpft haben. Höhere Zinsen über längere Zeit bedeuten weniger Risikoappetit, und Bitcoin bekommt das direkt zu spüren.
Ob die Lage im Nahen Osten eskaliert oder sich doch noch ein Verhandlungsfenster öffnet, dürfte den nächsten Richtungsimpuls liefern. Ein neuer Verhandlungsanlauf könnte den Druck auf den Ölpreis mindern — und Risikowerte wie Bitcoin kurzfristig entlasten.
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