Bitcoin: Zwischen Zinsschritt und Reserve-Plan
Bitcoin zeigt trotz höherer US-Zinsen kaum Bewegung. Ein Gesetzentwurf zur Staatsreserve und neue Kursziele prägen die weitere Debatte.
Kurz zusammengefasst
- Fed hebt Leitzins auf 3,75 bis 4,00 Prozent
- Bitcoin notiert leicht über 76.500 Dollar
- Reserve-Gesetzentwurf erreicht Ausschussphase
- Bitwise sieht 1,3 Millionen Dollar 2035
Bitcoin zuckt kaum, obwohl die US-Notenbank gerade zum ersten Mal seit Juli 2025 wieder an der Zinsschraube gedreht hat. Die Kryptowährung notiert bei rund 76.500 Dollar und damit leicht im Plus. Dass die Reaktion so verhalten ausfällt, sagt mehr über die Markterwartungen als über Bitcoin selbst.
Fed liefert erwartete Kost
Das Federal Open Market Committee hob den Leitzins einstimmig um 25 Basispunkte auf eine Spanne von 3,75 bis 4,00 Prozent an. Prognosemärkte hatten diesen Schritt vorab mit einer Wahrscheinlichkeit von über 87 Prozent eingepreist – entsprechend gering war der Überraschungseffekt. Fed-Chef Kevin Warsh blieb in seiner Rede hawkish und betonte, die Inflation sei noch nicht besiegt.
16 von 18 Fed-Mitgliedern rechnen laut den aktuellen Projektionen mit mindestens einer weiteren Zinserhöhung in diesem Jahr. Goldman Sachs hat seine Prognose bereits angepasst und erwartet nun einen weiteren Zinsschritt im Oktober, nachdem die Bank zuvor von einer Pause ausgegangen war. An den CME-Futures wird ein solcher Schritt derzeit mit rund 50 Prozent Wahrscheinlichkeit gehandelt.
Höhere Zinsen gelten grundsätzlich als Belastung für Bitcoin, weil sie die Opportunitätskosten für nicht verzinste, spekulative Anlagen erhöhen und Staatsanleihen attraktiver machen. Dass der Kurs trotzdem zulegt, dürfte vor allem daran liegen, dass der Schritt breit erwartet wurde und die Fed bislang keinen aggressiven Straffungszyklus signalisiert.
Politik als zweiter Faktor
Parallel zur Zinsdebatte bewegt sich etwas auf der regulatorischen Bühne. Der Finanzdienstleistungsausschuss des US-Repräsentantenhauses hat einen Gesetzentwurf vorangebracht, der Donald Trumps Plan für eine strategische Bitcoin-Reserve der USA verankern soll.
Der als „American Reserve Modernization Act“ bekannte Entwurf würde das Finanzministerium anweisen, eine dauerhafte Bitcoin-Lagerstätte zu unterhalten und über mehrere Jahre zusätzliche Bestände über haushaltsneutrale Strategien aufzubauen.
Der Vorstoß ist damit noch keine beschlossene Sache – er hat lediglich die Ausschussphase erreicht und muss weitere parlamentarische Stationen durchlaufen. Kritiker wie der demokratische Abgeordnete Bill Foster bezweifeln zudem grundsätzlich, dass Bitcoin für die US-Wirtschaft von zentraler Bedeutung sei, und verweisen auf die hohe Volatilität der Anlageklasse.
Für zusätzliche Fantasie sorgt derweil Bitwise-CIO Matt Hougan, der ein Kursziel von 1,3 Millionen Dollar bis 2035 für erreichbar hält und schon für dieses Jahr eine Rückkehr über die Marke von 100.000 Dollar für möglich hält.
Seine These stützt sich auf die Annahme, dass Bitcoin künftig verstärkt von institutionellen Adressen wie Pensionskassen und Staatsfonds als Wertaufbewahrungsmittel genutzt wird – eine Verschiebung, die bislang vor allem von Unternehmenskäufern getragen wurde.
Ob sich diese langfristige These bewahrheitet, hängt aus Hougans Sicht auch an einem kurzfristigen Signal: Nähert sich der Kurs noch in diesem Jahr wieder der 100.000-Dollar-Marke, wäre das für ihn ein erster Beleg dafür, dass die Rechnung aufgeht.
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