Bloom Energy Aktie: 2,6 Milliarden Dollar Finanzierung

Bloom Energy verzeichnet Rekordumsatz und KI-Wachstum, steht aber wegen Short-Angriffen und Sammelklagen unter Druck. Analysten bleiben trotz gesenkter Kursziele optimistisch.

Dr. Robert Sasse ·
Bloom Energy Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Rekordumsatz durch KI-Nachfrage
  • Short-Report und Sammelklagen
  • Kursziele gesenkt, Ratings bestätigt
  • Aktie 33% unter Rekordhoch

Ein Papier, das binnen zwölf Monate um 553,69 Prozent zulegt und trotzdem mit Sammelklagen und Short-Seller-Vorwürfen zu kämpfen hat – das gibt es selten. Bloom Energy ist genau dieser Fall. Am heutigen Freitag steigt die Aktie um 3,87 Prozent auf 206,50 Euro, nachdem sie gestern noch bei 198,80 Euro schloss. Die Rallye zeigt, wie sehr der Markt gerade zwischen zwei Erzählungen hin- und herschwankt: Ist Bloom Energy der Stromlieferant, den die KI-Revolution braucht, oder nur ihr jüngster Hype-Titel mit Rissen im Fundament?

Die AI-Wette wird konkreter

Der Fall für die Bullen ist an diesem Punkt ziemlich handfest. Bloom Energy hat gestern die Partnerschaft mit MiTAC Computing Technology erweitert und will nun auch am Campus für KI-Server-Fertigung in Fremont, Kalifornien, ein Brennstoffzellen-Microgrid installieren. Damit summiert sich die auf KI-Anwendungen entfallende Vertragskapazität des Unternehmens auf rund 250 Megawatt, verteilt auf knapp zwei Dutzend Kunden. Nach eigenen Angaben haben mittlerweile alle großen US-Hyperscaler und mehr als zwölf sogenannte KI-Neoclouds und -Labore die Bloom-Lösungen validiert und freigegeben. Parallel dazu haben Industrial Development Funding, Oaktree, MUFG Bank und Morgan Stanley Ende Juli eine Finanzierung über insgesamt 2,6 Milliarden Dollar für Bloom-Projekte zugesagt. Wer Zweifel an der Nachfrageseite hatte, bekommt hier eine Antwort: Das Geld für den Ausbau steht bereit, und die Kunden validieren die Technik in großem Stil.

Untermauert wird das Bild von den Zahlen selbst. Am 28. Juli meldete Bloom Energy für das zweite Quartal einen Rekordumsatz von 1,065 Milliarden Dollar, ein Plus von 165,5 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Der bereinigte Gewinn je Aktie lag bei 0,78 Dollar und damit deutlich über der Konsensschätzung von 0,40 Dollar. Die bereinigte Bruttomarge kletterte auf 34,3 Prozent von 28,2 Prozent im Vorjahresquartal, getrieben von einem Sprung der Produktumsätze um 215 Prozent. Das Unternehmen hob daraufhin seine Jahresprognose an: Der Umsatz soll 2026 nun zwischen 3,9 und 4,2 Milliarden Dollar liegen, der bereinigte Gewinn je Aktie zwischen 2,55 und 2,85 Dollar.

Skepsis von zwei Seiten

Doch genau in diesem Moment des Erfolgs kippt die Stimmung an anderer Stelle. Gestern veröffentlichte die Investmentplattform Hunterbrook einen Short-Report, der behauptet, Bloom-Brennstoffzellensysteme würden schneller degradieren als beworben. Konkret sollen 37 gemessene Anlagen die versprochenen Effizienzwerte im Median bereits nach 20 Monaten unterschritten haben. Sollte sich das erhärten, wäre das ein Angriff auf das technische Kernversprechen des Unternehmens – nicht nur auf die Bewertung.

Rechtlich zieht sich die Sache ebenfalls zu. Die Kanzlei Rosen Law Firm reichte am Mittwoch eine Sammelklage gegen Bloom Energy ein, die dem Unternehmen vorwirft, Anleger zwischen Anfang 2025 und Mitte 2026 irreführend informiert zu haben. Die Kanzlei Robbins Geller Rudman & Dowd verfolgt einen ähnlichen Vorwurf: Bloom Energy habe seine Abhängigkeit von aus China bezogenem Scandium zwischen dem 27. Februar 2025 und dem 8. Juli 2026 falsch dargestellt. Anleger, die als Musterkläger auftreten wollen, haben dafür bis zum 28. September Zeit.

Dazu passt eine Randnotiz, die misstrauisch macht: Direktor John T. Chambers verkaufte am 28. Mai im Rahmen eines geplanten Handelsprogramms 55.000 Aktien zu einem Preis von 297,69 Dollar, insgesamt rund 16,37 Millionen Dollar. Solche planmäßigen Verkäufe sind rechtlich unproblematisch, doch in einem Umfeld aus Sammelklagen und Short-Attacken lesen Anleger jede Insider-Transaktion genauer.

Analysten bleiben trotz Kürzungen bullish

Nach den Quartalszahlen justierten mehrere Häuser ihre Kursziele nach unten, ohne die grundsätzliche Richtung zu ändern. Mizuho stufte die Aktie am 30. Juli von Neutral auf Outperform hoch, senkte das Kursziel aber von 285 auf 242 Dollar. JP Morgan bestätigte am 29. Juli sein Overweight-Rating, kappte das Ziel jedoch von 346 auf 314 Dollar – nach wie vor die höchste Zielmarke unter den genannten Häusern. Die Botschaft zwischen den Zeilen: Das operative Geschäft überzeugt, die Bewertung nach der Kursexplosion bereitet manchen Analysten Kopfzerbrechen.

Am 52-Wochen-Hoch von 308,50 Euro, erreicht erst kürzlich, liegt die Aktie derzeit rund 33 Prozent zurück. Diese Spanne zeigt, wie viel Bewegung in diesem Titel steckt – nach oben wie nach unten. Wer in Bloom Energy investiert, kauft nicht nur Brennstoffzellen für Rechenzentren, sondern auch die Volatilität einer Branche, die gerade erst lernt, mit dem Strombedarf der künstlichen Intelligenz umzugehen.

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Bloom Energy Aktie

228,96 USD

– 5,37 USD -2,29 %
KGV 292,91
Sektor Industrieunternehmen
Div.-Rendite 0,00 %
Marktkapitalisierung 69,02 Mrd. USD
ISIN: US0937121079 WKN: A2JQTG

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