Bloom Energy Aktie: Scandium-Klage belastet Rekordquartal

Bloom Energy meldet Rekordumsatz und erstmals Gewinn, sieht sich aber Sammelklagen wegen verschleierter Scandium-Lieferkette aus China ausgesetzt. Analysten bleiben gespalten.

Redaktion Stock-World ·
Moderne Wasserstoff-Brennstoffzellenanlage in einer industriellen Umgebung bei Sonnenuntergang. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Umsatzsprung auf 1,065 Milliarden Dollar
  • Erstmals Nettogewinn von 196,3 Millionen
  • Sammelklagen wegen China-Abhängigkeit eingereicht
  • KI-Partnerschaft mit MiTAC erweitert

Wer in diesen Monaten auf die Stromlücke der Rechenzentren setzt, kauft sich zwangsläufig auch fremde Abhängigkeiten mit ein. Bloom Energy liefert dafür gerade ein Lehrstück. Der Brennstoffzellen-Hersteller aus Kalifornien meldete Ende Juli das stärkste Quartal seiner Geschichte – und steckt zugleich in einer Klagewelle wegen seiner Lieferkette nach China. Beides gehört zusammen, und beides bewegt den Kurs seit Wochen in entgegengesetzte Richtungen.

Am Freitag schloss die Aktie bei 189,60 Euro, ein Tagesverlust von 4,63 Prozent. Zum 52-Wochen-Hoch von 308,50 Euro, erreicht Ende Juni, fehlen inzwischen 38,54 Prozent. Wer erst seit dem Frühsommer eingestiegen ist, sitzt auf einem schmerzhaften Rückgang. Wer die Aktie schon länger hält, blickt auf ein ganz anderes Bild: Der Trend der vergangenen zwölf Monate bleibt außergewöhnlich, und die aktuelle Schwäche wirkt eher wie eine Verdauungspause nach einem steilen Anstieg als wie ein Strukturbruch.

Der Rekord und sein Preis

Die Zahlen, die Bloom Energy am 28. Juli vorlegte, waren tatsächlich außergewöhnlich. Der Quartalsumsatz kletterte auf 1,065 Milliarden Dollar, erstmals über die Marke von einer Milliarde, ein Plus von 166 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das Produktgeschäft allein wuchs um 215 Prozent. Unter dem Strich stand erstmals ein Gewinn: 196,3 Millionen Dollar Nettoergebnis, nachdem im Vorjahr noch ein Verlust zu Buche stand. Das Unternehmen hob die Umsatzprognose für das Gesamtjahr auf 3,9 bis 4,2 Milliarden Dollar an, das entspräche in der Mitte einer Verdopplung gegenüber dem Vorjahr. Für die operative Marge stellte Bloom ein Non-GAAP-Betriebsergebnis von 800 bis 900 Millionen Dollar in Aussicht.

Das Geschäft mit der künstlichen Intelligenz treibt diese Entwicklung sichtbar an. Am 6. August erweiterte Bloom Energy seine Partnerschaft mit MiTAC Computing Technology, einer Tochter der taiwanischen MiTAC Holdings. Auf dem KI-Servercampus des Unternehmens in Fremont, Kalifornien, soll Bloom künftig ein inselfähiges Mikronetz aus Brennstoffzellen betreiben – ein Ausbau der bestehenden Anlage in San Jose. Die KI-Infrastruktursparte von Bloom umfasst inzwischen knapp zwei Dutzend Kunden mit einer vertraglich gebundenen Leistung von rund 250 Megawatt. Genau dieser Deal veranlasste Evercore-ISI-Analyst Nicholas Amicucci am Freitag, seine Kaufempfehlung für die Aktie zu bekräftigen, obwohl der Kurs an diesem Tag weiter fiel.

Scandium als Achillesferse

Und dann ist da die andere Geschichte, die parallel läuft. Mehrere US-Kanzleien – darunter Kaplan Fox & Kilsheimer, Rosen Law Firm und Bernstein Liebhard – haben Sammelklagen gegen Bloom Energy eingereicht. Der Vorwurf: Das Unternehmen habe Anleger über seine Abhängigkeit von China bei der Beschaffung von Scandium getäuscht, einem Seltenerdmetall, das in den Brennstoffzellen verarbeitet wird. Die Klagen decken den Zeitraum vom 27. Februar 2025 bis zum 8. Juli 2026 ab, jenem Tag, an dem der Analysedienst Hunterbrook Media einen Bericht veröffentlichte, der Bloom vorwarf, seine China-Abhängigkeit durch Umleitung von Lieferungen über Drittländer verschleiert zu haben. Bloomberg Law berichtete Anfang August über die Klage, die sich explizit auf diesen Bericht stützt. Wer als Anleger zwischen Februar 2025 und Juli 2026 eingestiegen ist, kann sich bis zum 28. September 2026 als federführender Kläger melden, wie Kaplan Fox in einer Erinnerung am Freitag mitteilte.

Es ist eine Ironie der KI-Ära: Ausgerechnet die Unternehmen, die den Strom für Rechenzentren liefern sollen, geraten selbst in die Zwickmühle globaler Rohstoffketten. Scandium mag ein Nischenmetall sein, aber es steht sinnbildlich für ein größeres Problem der gesamten Branche – die Frage, wie unabhängig westliche Energie-Infrastruktur von chinesischen Vorprodukten tatsächlich ist.

Wall Street bleibt gespalten

Die Reaktion der Analysten auf das Rekordquartal fiel uneinheitlich aus. Ende Juli stufte Mizuho-Analyst Maheep Mandloi die Aktie auf Buy hoch und nannte ein Kursziel von 242 Dollar, gesenkt von zuvor 285 Dollar – begründet mit der starken Umsatz- und Auslieferungsentwicklung. Die Aktie sprang damals um 27 Prozent. Gleichzeitig kürzten mehrere andere Häuser ihre Kursziele deutlich, blieben aber überwiegend bei neutralen bis positiven Einstufungen, mit Zielmarken zwischen 176 und 314 Dollar. Diese Streuung zeigt, wie schwer sich der Markt tut, Wachstumstempo und Rechtsrisiko in eine gemeinsame Bewertung zu bringen.

Für Anleger bleibt die Gleichung kompliziert: Ein Unternehmen mit explosivem Umsatzwachstum und wachsendem KI-Auftragsbuch, das sich zugleich gegen den Vorwurf verteidigen muss, seine Lieferkette verschleiert zu haben. Beide Geschichten sind real, beide laufen parallel – und keine der beiden wird die andere in den kommenden Wochen einfach verdrängen.

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Bloom Energy Aktie

288,70 USD

+ 22,05 USD +8,27 %
KGV 346,30
KUV 26,56
Sektor Industrieunternehmen
Div.-Rendite —
Marktkapitalisierung 93,35 Mrd. USD
Ø Kursziel 280,24 USD
ISIN: US0937121079 WKN: A2JQTG

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