BMW Aktie: 350-Millionen-Vergleich mit Aumovio

BMW verzeichnet deutlichen Gewinnrückgang im zweiten Quartal, bestätigt gesenkte Prognose und leitet Stellenabbau ein.

Andreas Sommer ·
BMW Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Operativer Gewinn sinkt um 39 Prozent
  • Jahresprognose nach Juni-Senkung bestätigt
  • Weltweiter Stellenabbau von 8.000 Stellen
  • Rückruf von über 744.000 Fahrzeugen

BMW hat am Donnerstag Zahlen vorgelegt, die den Ernst der Lage im Kernmarkt China offenlegen. Das operative Ergebnis des Konzerns brach im zweiten Quartal 2026 um 39 Prozent auf 1,63 Milliarden Euro ein. Der Umsatz sank um knapp 8 Prozent auf 31,3 Milliarden Euro, der Überschuss fiel um mehr als ein Drittel auf 1,2 Milliarden Euro. Die EBIT-Marge in der Autosparte rutschte auf 2,3 Prozent ab – ein deutliches Zeichen dafür, wie stark der verschärfte Wettbewerb und die Absatzschwäche in China auf die Profitabilität drücken.

Prognosesenkung ohne neue Überraschungen

Für Milan Nedeljkovic, seit Mitte Mai Vorstandsvorsitzender von BMW, war es der erste harte Praxistest im neuen Amt. Trotz der schwachen Zahlen bestätigte er die bereits im Juni gesenkte Jahresprognose 2026 – ein Signal, dass der Konzern die Talsohle intern bereits eingepreist sieht. Genau diese Vorwegnahme dürfte auch erklären, warum die Aktie auf die Zahlen nicht mit einem weiteren Kurseinbruch reagierte, sondern sich stabil zeigte.

Parallel zu den Quartalszahlen wurde am Mittwoch bekannt, dass BMW im Rahmen eines harten Sparkurses weltweit rund 8.000 Stellen abbauen will. In Deutschland soll dafür ein Abfindungsprogramm anlaufen. Der Schritt unterstreicht, dass der Konzern die Kostenbasis grundlegend anpassen will, statt allein auf eine Erholung der Nachfrage zu setzen.

Rückruf und Rechtsstreit-Vergleich

Zusätzliche Schlagzeilen lieferte am Dienstag ein weltweiter Rückruf von 744.234 Fahrzeugen, davon 42.300 in Deutschland. Das Kraftfahrt-Bundesamt und die US-Behörde NHTSA hatten ein fehlerhaftes Starter-Relais als Brandgefahr identifiziert. Betroffen sind Baureihen vom 2er bis zum 7er sowie X3 bis X7 aus den Baujahren 2020 bis 2026 – ein breites Spektrum, das praktisch die gesamte aktuelle Modellpalette erfasst.

Eine positive Nachricht gab es dagegen beim Zulieferer Aumovio: BMW erzielte mit dem Unternehmen einen Vergleich zur Beilegung eines langjährigen Rechtsstreits um Bremssysteme. Aumovio zahlt BMW 350 Millionen Euro in zwei Raten im zweiten Halbjahr 2026 – ein Betrag, der die operative Schwäche des Quartals zumindest bilanziell etwas abfedert.

Analysten uneins über Bewertung

Bernstein Research beließ die Einstufung für BMW nach den Zahlen auf „Outperform“ mit einem Kursziel von 85 Euro und begründete dies damit, dass die Ergebnisse nach der Prognosesenkung im Juni keine negativen Überraschungen mehr enthalten hätten. Jefferies-Analyst Philippe Houchois bestätigte dagegen die Einstufung „Hold“ mit einem Kursziel von 70 Euro, hob aber den über den Erwartungen liegenden freien Cashflow im Autogeschäft positiv hervor. Zuvor hatten bereits HSBC und die Deutsche Bank ihre Sicht aktualisiert: HSBC stufte die Aktie hoch und sah die China-Risiken sowie die Margenschwäche nach den Kursverlusten seit Jahresbeginn als eingepreist an, während die Deutsche Bank an ihrer Kaufempfehlung festhielt, zugleich aber vor anhaltend schwachen Absatzzahlen warnte. Die Kursziele der vier Häuser liegen damit zwischen 70 und 90 Euro – deutlich über dem aktuellen Kursniveau.

BMW schloss am Donnerstag bei 60,68 Euro, ein Plus von 0,43 Prozent. Damit notiert die Aktie 7,59 Prozent über ihrem 52-Wochen-Tief von 56,40 Euro, das erst am 24. Juli markiert wurde. Die jüngste Stabilisierung deutet darauf hin, dass der Markt die schlechten Nachrichten größtenteils verarbeitet hat, auch wenn der Titel von seinem Jahreshoch aus dem Dezember weiterhin weit entfernt bleibt.

Blick nach vorn

Für Anleger dürfte der nächste wichtige Termin bereits feststehen: Am 29. und 30. September lädt BMW zu einer Investorenveranstaltung, auf der Details zur langfristigen Strategie und zur „Neuen Klasse“ erwartet werden. Nach der Handelsregister-Eintragung der Umwandlung aller Vorzugsaktien in Stammaktien Ende Juni und dem Ende des Vorzugsaktienhandels bündelt sich die Aktionärsbasis nun ohnehin auf eine einzige Gattung – die Herbstveranstaltung könnte zeigen, ob der eingeschlagene Sparkurs tatsächlich die Wende einleitet.

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