BMW Aktie: Citigroup setzt auf Wendepunkt bis September
BMW gewinnt 5,0 Prozent, während Citigroup auf mögliche Impulse bis zum 30. September verweist. Die China-Belastungen bleiben bestehen.

Kurz zusammengefasst
- BMW-Aktie legt 5,0 Prozent zu
- Citigroup sieht mögliche positive Impulse
- Jahresziele wegen China nach unten angepasst
- Halbjahresumsatz und Vorsteuergewinn gestiegen
BMW-Aktien sind am Freitag um 5,0 Prozent gestiegen und haben damit einen der stärksten Tagesgewinne der jüngeren Zeit verbucht. Auslöser war eine Einstufung von Citigroup-Analyst Harald Hendrikse, der BMW auf die „Positive Catalyst Watch“ gesetzt hat – mit einem Zeithorizont von 90 Tagen bis zum 30. September. Das eigentliche Rating bleibt bei „Neutral“, doch die Bank signalisiert damit, dass sie in den kommenden Wochen positive Nachrichten für möglich hält und rechnet zudem mit Short-Covering, also dem Eindecken von Investoren, die zuvor auf fallende Kurse gesetzt hatten.
Bewertung am historischen Tief zu Mercedes-Benz
Hendrikse begründet seine Einschätzung mit zwei Argumenten. Zum einen seien die Gewinnerwartungen für das China-Geschäft bereits so stark nach unten korrigiert worden, dass der negative Trend dort sein Extrem wohl überschritten habe. Zum anderen notiere BMW im Vergleich zu Mercedes-Benz auf einem historischen Bewertungstief.
Als möglichen Auslöser für eine Neubewertung nennt der Analyst den Kapitalmarkttag am 30. September, der erstmals unter neuer Führung stattfindet und aus Sicht von Citigroup positive Impulse liefern könnte.
Der Termin fällt in eine Phase, in der BMW ohnehin unter verschärfter Beobachtung steht. Der Konzern hatte die Jahresprognose Ende Juni deutlich gesenkt: Statt eines stabilen Absatzniveaus rechnet das Management nun mit einem leichten Rückgang der Automobil-Auslieferungen, die EBIT-Marge im Autogeschäft wurde von 4 bis 6 Prozent auf lediglich 1 bis 3 Prozent zurückgenommen.
Als Gründe nannte BMW die Schwäche im China-Geschäft, den Iran-Konflikt sowie zusätzliche Kosten aus Struktur- und Effizienzmaßnahmen, die in der zweiten Jahreshälfte anfallen. An der Dividendenpolitik mit einer Ausschüttungsquote von 30 bis 40 Prozent und am laufenden Aktienrückkaufprogramm hält der Konzern jedoch fest.
Charttechnik stützt kurzfristig, Belastungen bleiben
Charttechnisch hat die Aktie zuletzt an Boden gewonnen: Nach dem Kreuzen der 20-Tage-Linie ist am Donnerstag auch die 50-Tage-Linie nach oben durchbrochen worden – ein kurzfristig positives Signal, auch wenn der Titel seit dem 3. März in einem übergeordneten Abwärtstrend verharrt.
Mit einem Schlusskurs von 62,70 Euro am Freitag liegt die Aktie rund 6 Prozent über ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 59,11 Euro, bleibt aber weiterhin 36 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 97,90 Euro vom Dezember entfernt – ein Maß dafür, wie tief der Kurs seit dem Höchststand gefallen ist.
Operativ zeigen die Halbjahreszahlen ein gemischtes Bild. Der Umsatz stieg im ersten Halbjahr um 8,0 Prozent auf 62.266 Millionen Euro, das Konzern-Ergebnis vor Steuern legte sogar um 29,4 Prozent auf 4.045 Millionen Euro zu.
Die Automotive-Marge lag im ersten Halbjahr bei 3,6 Prozent, im zweiten Quartal allein aber nur noch bei 2,3 Prozent – ein Hinweis darauf, dass sich das China-Geschäft im Jahresverlauf zunehmend belastend auswirkte. Der freie Cashflow im Autogeschäft schrumpfte im gleichen Zeitraum auf 1.290 Millionen Euro, nach 3.200 Millionen Euro zum Jahresende 2025.
Auch operativ bewegt sich BMW: Der Konzern hat inzwischen die Marke von zwei Millionen verkauften batterieelektrischen Fahrzeugen seit November 2013 überschritten, zusammen mit Plug-in-Hybriden kommt der Hersteller auf rund 3,5 Millionen elektrifizierte Fahrzeuge in Kundenhand. Im ersten Halbjahr war mehr als jedes vierte verkaufte Fahrzeug elektrifiziert.
Für Anleger bleibt der 30. September der entscheidende Termin: Erst dort dürfte sich zeigen, ob Citigroups Wette auf einen nahenden Wendepunkt aufgeht oder ob die strukturellen Probleme in China und im margenschwachen Autogeschäft schwerer wiegen als die aktuelle Kurserholung vermuten lässt.
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