BMW Aktie: Goldman sieht Anti-KI-Rückenwind
Goldman Sachs prognostiziert BMW Vorteile durch den HALO-Trend, der kapitalintensive Unternehmen gegenüber Softwarefirmen bevorzugt.

Kurz zusammengefasst
- HALO-Konzept bevorzugt Sachwerte
- BMW als einer der genannten Profiteure
- Operative Schwächen bleiben bestehen
- Satelliten-Konnektivität im iX3 getestet
Während der Markt seit Monaten auf Chipdesigner und Softwarekonzerne starrt, hat Goldman Sachs eine Gegenthese aufgestellt — und BMW taucht darin prominent auf. Die Bank zählt den Münchner Autobauer zu den Profiteuren eines Trends, der komplett gegen den KI-Hype läuft: Unternehmen mit viel physischem Kapital sollen künftig die eigentlichen Gewinner sein.
Schwere Bilanzen als Vorteil
Das Konzept nennt sich HALO — „Heavy Assets, Low Obsolescence“. Gemeint sind Firmen mit hohem Sachanlagevermögen und langer wirtschaftlicher Haltbarkeit, die sich durch Software oder Algorithmen kaum verdrängen lassen. Fabriken, Maschinenparks und Lieferketten zählen dazu, klassische Stärken der europäischen Industrie.
Ein Korb aus mehr als 130 kapitalintensiven europäischen Unternehmen lag laut Goldman Sachs seit Anfang 2025 um 35 Prozent vor vergleichbaren kapitalarmen Werten. BMW gehörte neben Rio Tinto, Equinor und Rheinmetall zu den genannten Outperformern, während Softwarewerte wie SAP unter Druck standen. Inzwischen hat die Bank das Modell auch auf Schwellenländer übertragen — dort legte der entsprechende Korb seit Ende 2025 um 115 Prozent zu, gegenüber nur 7 Prozent bei asset-armen Vergleichswerten.
Die Indexgewichtung liefert eine Erklärung: Europäische Börsen bestehen laut Marktbeobachtern zu rund 38 Prozent aus sachwertintensiven Unternehmen, in den USA sind es nur 18 Prozent. Wer auf den europäischen Markt setzt, kauft damit automatisch mehr Fabriken und weniger Software — ein struktureller Vorteil, den Goldman Sachs nun als eigenständige Anlagethese verkauft.
Operatives Bild bleibt angespannt
Der HALO-Rückenwind ändert nichts an den operativen Problemen, mit denen BMW derzeit kämpft. Die Marge steht unter Druck, das Unternehmen navigiert durch US-Zollkosten und schwächere China-Nachfrage. Auf technischer Seite zeigte BMW parallel dazu während des 5G Automotive Association Meetings in München eine Machbarkeitsstudie für satellitengestützte Sprachverbindungen im iX3 — gemeinsam mit Viasat und Qualcomm entwickelt, um Konnektivität auch außerhalb des Mobilfunknetzes zu ermöglichen.
Für Anleger ergibt sich damit ein zweigeteiltes Bild: Die fundamentalen Zahlen bleiben schwach, während die Aktie von einem übergeordneten Sektortrend getragen werden könnte, der wenig mit dem operativen Geschäft zu tun hat. Ob dieser strukturelle Rückenwind ausreicht, um die margenseitigen Belastungen zu kompensieren, dürfte sich erst in den kommenden Quartalsberichten zeigen.
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