BMW Aktie: Jobabbau vor Zahlen

BMW baut weltweit rund 8.000 Stellen ab, größtenteils über Abfindungen und Fluktuation. Der Schritt erfolgt vor der Vorlage der Halbjahreszahlen und folgt auf eine Gewinnwarnung.

Felix Baarz ·
BMW Aktie

Kurz zusammengefasst

  • 8.000 Stellenstreichungen weltweit geplant
  • Abfindungsprogramm startet im Oktober
  • Produktionsnahe Bereiche bleiben ausgenommen
  • Halbjahreszahlen am Donnerstag erwartet

Acht Jahre lang blieb BMW der einzige der großen deutschen Autohersteller ohne größeres Sparprogramm. Diese Ausnahme ist jetzt vorbei. Aus Unternehmenskreisen wurde bekannt, dass der Konzern weltweit rund 8.000 Stellen abbaut — und ausgerechnet einen Tag vor der Vorlage der Halbjahreszahlen.

Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Vor dem Bericht zum ersten Halbjahr will Konzernchef Milan Nedeljkovic offenbar Klarheit über die Personalpläne schaffen, bevor am Donnerstag die Geschäftszahlen im Mittelpunkt stehen. Der Rückgriff auf ein Abfindungsprogramm folgt auf eine Gewinnwarnung, die Nedeljkovic bereits kurz nach seinem Amtsantritt im Juni aussprechen musste.

Freiwillig, aber breit angelegt

Der Stellenabbau soll größtenteils über natürliche Fluktuation erfolgen, ergänzt durch ein freiwilliges Abfindungsprogramm in Deutschland. Es startet im Oktober und läuft bis Ende 2027. Betroffen sind alle Mitarbeiter außerhalb der direkten Produktion — von der Produktionsplanung bis zur Forschung und Entwicklung. Da mehr als die Hälfte der knapp 154.000 BMW-Beschäftigten in Deutschland arbeitet, dürfte auch der Großteil der gestrichenen Stellen hierzulande anfallen.

Wie teuer das Programm wird, ist noch offen. Finanzchef Walter Mertl hatte bereits im Juni von Einmalbelastungen in Höhe von rund einer Milliarde Euro im Zuge der Restrukturierung gesprochen — ob diese Summe komplett auf den Personalabbau entfällt, blieb unklar. Zur Höhe der angestrebten Einsparungen gab es zunächst keine Angaben.

BMW zieht nach

Volkswagen, Mercedes-Benz, Audi und Porsche haben ihre Sparprogramme bereits im vergangenen Jahr aufgelegt, teils in deutlich größerem Umfang. Erst in dieser Woche kündigte Porsche den Wegfall von 5.000 weiteren Stellen an, während im VW-Konzern bereits über eine zweite Streichungsrunde verhandelt wird. Der Druck kommt von mehreren Seiten zugleich: einbrechende Absätze in China, US-Zölle und wachsende Konkurrenz auf dem Weltmarkt.

BMW selbst verweist intern auch auf die hohen Entwicklungskosten für die „Neue Klasse“ — die neue Modellgeneration, mit der der Konzern einen technologischen Sprung schaffen wollte. Dass diese Kosten wieder sinken sollen, hatte das Unternehmen bereits 2025 angekündigt. Ein Rückgang der Belegschaft war ohnehin schon im Gang: Zwischen Mitte 2025 und Mitte 2026 sank die Mitarbeiterzahl um rund 2.000, auch die Jahresprognose für 2026 hatte bereits einen leichten Rückgang vorgesehen.

Einen Vergleichsfall gibt es bereits in der Unternehmensgeschichte: Anfang 2008 hatte der damalige Konzernchef Norbert Reithofer einen ähnlich großen Abbau eingeleitet, der die Belegschaft bis Ende 2010 auf 95.000 schrumpfen ließ. Danach wuchs die Mannschaft wieder deutlich — ein Szenario, das angesichts der aktuellen Lage der deutschen Autoindustrie derzeit unwahrscheinlich wirkt.

Am Donnerstag folgt der nächste Test: BMW legt seine Halbjahreszahlen vor, die ersten unter der Führung von Nedeljkovic. Nach der Gewinnwarnung im Juni und den zuletzt schwächeren Absatzzahlen dürfte der Markt genau darauf achten, wie tief die Bremsspuren in der Bilanz tatsächlich sind.

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