BMW Aktie: Marge auf 1–3 Prozent gekürzt
BMW senkt die Margenprognose drastisch und verzeichnet massive Einbußen in China. Der Aktienkurs fällt auf ein Sechsjahrestief.

Kurz zusammengefasst
- Prognose für operative Marge gesenkt
- China-Absatz bricht um 22 Prozent ein
- Milliardenbelastung durch Effizienzmaßnahmen
- Goldman Sachs hält Kursreaktion für übertrieben
Sechs Jahre musste man zurückgehen, um diesen Kurs zuletzt zu sehen. BMW notiert bei 60,00 Euro — und der Absturz hat handfeste Gründe. Eine massive Prognosesenkung, ein China-Geschäft im freien Fall und ein neuer Konzernchef, der sofort in die Krise geworfen wird.
China bricht weg, Marge auch
Im Mai brachen BMW-Autoverkäufe in China um 22 Prozent ein. Über die ersten fünf Monate summiert sich das Minus auf 20 Prozent. Verbrenner trifft es besonders hart — über 60 Prozent der dort verkauften Fahrzeuge haben inzwischen neue Antriebsformen.
Die Folge: BMW senkt die Margenprognose für das Automobilsegment drastisch. Statt 4 bis 6 Prozent operativer Gewinnmarge plant der Konzern nur noch mit 1 bis 3 Prozent. Beim freien Barmittelzufluss im Autogeschäft erwartet BMW jetzt mehr als 2,5 Milliarden Euro — zuvor waren es mehr als 4,5 Milliarden Euro. Neben der China-Schwäche macht der Konzern auch die Folgen des Iran-Krieges auf Preise und Konsumstimmung verantwortlich.
Milliarden-Einmalbelastung im zweiten Halbjahr
Hinter der Gewinnwarnung steckt mehr als eine Margenkorrektur. BMW kündigt an, Kostensenkungen durch weitere Struktur- und Effizienzmaßnahmen zu beschleunigen. Laut Teilnehmerkreisen eines Kapitalmarkt-Calls sollen die Einmalbelastungen dabei rund eine Milliarde Euro betragen — fällig im zweiten Halbjahr 2026.
Offiziell bestätigt BMW keinen Stellenabbau. Auf Nachfrage heißt es, weitere Maßnahmen würden zunächst intern sowie mit Arbeitnehmervertretern besprochen. Der Betriebsrat fordert von Konzernchef Milan Nedeljkovic umgehend Klarheit. Nedeljkovic übernahm den Posten erst im Mai 2026. Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer kommentiert das Timing scharf: So kurz nach dem Amtsantritt eine solche Gewinnwarnung zeige, dass man vorher „viel verpasst hat“.
Goldman kauft, andere stutzen Kursziele
Goldman Sachs senkte das Kursziel von 107 auf 84 Euro, behielt aber die Kaufempfehlung. Analyst Christian Frenes hält die Kursreaktion für übertrieben — und verweist auf eine Netto-Cash-Position im Industriegeschäft, die inzwischen die gesamte Marktkapitalisierung übersteigt. Die Deutsche Bank ging von 100 auf 90 Euro herunter. Jefferies und Deutsche Bank betonen beide, dass die Prognosesenkung deutlich drastischer ausfiel als erwartet.
BMW kauft parallel weiter eigene Aktien zurück. Allein in der Woche vom 8. bis 14. Juni erwarb der Konzern rund 423.000 Stammaktien. Das laufende Programm hat ein Volumen von bis zu 2 Milliarden Euro und läuft bis April 2027. Goldman Sachs sieht sogar Spielraum, das jährliche Rückkaufvolumen in den Jahren 2026 bis 2028 auf jeweils 2 Milliarden Euro zu erhöhen.
Mit einem RSI von 18 und einem Abstand von fast 39 Prozent zum 52-Wochen-Hoch signalisieren die Kursdaten eine extreme Überverkauf-Situation — fundamental rechtfertigt die aktuelle Lage allerdings wenig Optimismus. Am 30. Juli 2026 legt BMW den Halbjahresbericht vor. Dann zeigt sich, wie tief das zweite Quartal tatsächlich ins Minus gerutscht ist.
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