BMW Aktie: Rückruf für 744.234 Fahrzeuge

BMW ruft weltweit über 744.000 Fahrzeuge wegen Brandrisiko zurück. HSBC stuft Aktie trotz China-Sorgen auf Kauf hoch.

Eduard Altmann ·
BMW Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Rückruf von 744.234 Autos
  • Brandgefahr durch Starterrelais
  • HSBC stuft Aktie auf Kauf
  • Neuzulassungen in Deutschland steigen

BMW steht vor einem der größten Rückrufe der jüngeren Unternehmensgeschichte. Weltweit müssen 744.234 Fahrzeuge in die Werkstätten, davon 42.300 in Deutschland. Grund sind Ablagerungen im Starterrelais, die eine erhöhte Brandgefahr verursachen können. Betroffen sind 13 Modellreihen aus den Produktionsjahren 2020 bis 2026, darunter der 3er, der 5er, der X5, der Z4 und auch das Elektromodell i3. Der Umfang der Aktion zeigt, wie tief das technische Problem in verschiedene Baureihen und Antriebsarten hineinreicht.

Die Nachricht trifft die Aktie in einer ohnehin angespannten Phase. Der Kurs notiert bei 57,80 Euro und liegt damit nur noch 1,90 Prozent über dem erst am 15. Juli markierten 52-Wochen-Tief von 56,72 Euro. Zum 200-Tage-Durchschnitt beträgt der Abstand 28,78 Prozent nach unten – ein Zeichen dafür, dass der mittelfristige Abwärtstrend intakt bleibt.

HSBC sieht China-Risiken eingepreist

Zeitgleich mit der Rückrufmeldung hat HSBC die BMW-Aktie am 22. Juli von „Hold“ auf „Buy“ hochgestuft und das Kursziel auf 71,00 Euro gesetzt. Analyst Mike Tyndall begründet den Schritt damit, dass die im Juni erfolgte Senkung der Jahresprognose die Risiken im China-Geschäft nun realistisch widerspiegele und der Markt diese Belastungen bereits eingepreist habe. Bereits am 14. Juli hatte die Deutsche Bank ihre „Buy“-Einstufung mit Kursziel 90,00 Euro bestätigt. Analyst Tim Rokossa rechnete dabei allerdings mit erheblichen negativen Effekten aus geringen Absatzvolumina und Preisdruck für die kommenden Quartalszahlen.

Diese Erwartung geht auf den Kurswechsel vom 16. Juni zurück: Damals hatte der Vorstand die Prognose für 2026 deutlich zurückgenommen und die EBIT-Marge im Segment Automobile von zuvor 4 bis 6 Prozent auf nur noch 1 bis 3 Prozent gesenkt. Als Grund nannte das Unternehmen einen erwarteten leichten Rückgang der Auslieferungen infolge der Marktschwäche in China.

Politischer Gegenwind aus Washington

Zu den operativen Belastungen gesellt sich eine regulatorische Front in den USA. Der Handelsausschuss des US-Senats hat den Gesetzentwurf S.4429 gebilligt, der die Regeln gegen ausländische Beteiligungen an Automobilherstellern verschärfen soll. BMW wird darin neben Mercedes-Benz und Volkswagen als einer der Konzerne genannt, die von potenziellen Beteiligungsrisiken durch chinesische Investoren betroffen sein könnten. Wie sich das Gesetzesvorhaben konkret auf das operative Geschäft auswirken würde, ist bislang offen.

Nicht alle Nachrichten der vergangenen Tage sind negativ. In Deutschland meldete BMW für Juni 26.119 Neuzulassungen, ein Plus von 18,6 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Im ersten Halbjahr 2026 kam der Konzern damit auf 126.766 Einheiten und übernahm die Marktführerschaft im deutschen Premium-Segment vor Mercedes-Benz und Audi. Auch beim Ladeinfrastruktur-Ausbau kommt BMW voran: Das „BMW Group Charging“-Netzwerk wurde auf 1,1 Millionen Ladepunkte in Europa erweitert, ergänzt um neue App-Funktionen für mehr Kostentransparenz. Zudem startete der Konzern gemeinsam mit Bosch, Toyota und Repsol ein sechsmonatiges Pilotprojekt zum Praxistest von vollständig regenerativem Benzin unter dem Namen „Nexa 95“.

Personalie und Aktienstruktur

Auf der Führungsebene hat der Aufsichtsrat Dorothea von Boxberg neu in den Vorstand berufen. Zudem ist zum 30. Juni die Umwandlung sämtlicher Vorzugsaktien in Stammaktien vollzogen worden, nachdem die entsprechende Satzungsänderung ins Handelsregister eingetragen wurde – die Vorzugsaktien wurden mit diesem Tag vom Börsenhandel eingestellt.

Der nächste wichtige Termin für Anleger ist der 30. Juli, wenn BMW den Halbjahresbericht zum 30. Juni 2026 veröffentlicht und im Rahmen einer Analysten- und Investorenkonferenz weitere Details zur Geschäftsentwicklung liefert. Angesichts der laufenden Rückrufaktion, der politischen Risiken in den USA und der bereits gesenkten Jahresprognose dürfte der Fokus dabei besonders auf der Entwicklung der Margen und des China-Geschäfts liegen.

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