BMW kämpft mit Rückrufen, Tesla und VW mit Gewinneinbrüchen

BMW ruft erneut Fahrzeuge zurück, Tesla und VW verzeichnen Gewinneinbrüche. CATL überzeugt mit starkem Wachstum.

Dr. Robert Sasse ·
BMW Aktie

Kurz zusammengefasst

  • BMW: Dritter Rückruf wegen Brandgefahr
  • Tesla: Gewinnrückgang trotz Rekordauslieferungen
  • Volkswagen senkt Umsatzprognose und plant Stellenabbau
  • CATL: Gewinnsprung und Natrium-Ionen-Offensive

Ein Rückruf, ein Gewinnschock und eine überraschende Kehrtwende — der Automobilsektor lieferte in dieser Woche gleich mehrfachen Gesprächsstoff. Während Tesla nach seinen Zahlen abstürzte und Volkswagen die eigene Prognose kassierte, meldete CATL einen kräftigen Gewinnsprung und ausgerechnet Porsche eine positive Überraschung bei der Marge. BMW kämpft derweil mit einem ungeliebten Wiederholungstäter: einem weiteren Rückruf wegen Brandgefahr.

BMW: Dritter Rückruf binnen Jahresfrist überschattet Zahlen

Die jüngste Rückrufaktion umfasst 744.234 Fahrzeuge weltweit, davon 42.300 allein in Deutschland. Ursache ist ein verschlissenes Bauteil im Anlasser, das im ungünstigsten Fall zu einem Brand während oder kurz nach dem Startvorgang führen kann. Für BMW ist es bereits die dritte Rückrufwelle binnen weniger Monate, nach vorangegangenen Kampagnen im September, Januar und Februar.

Verletzte oder Unfälle sind nach Angaben des Autobauers bislang nicht bekannt, geparkte Fahrzeuge sind von dem Defekt ohnehin nicht betroffen. Die Anschreiben an die Halter sollen erst ab dem 28. August verschickt werden — kurz nachdem BMW am 30. Juli seine Halbjahreszahlen vorlegt.

An der Börse ist die Aktie längst im Krisenmodus. Am Freitag schloss das Papier bei 56,86 Euro, ein Minus von 0,42 Prozent, und liegt damit nur noch hauchdünn über dem 52-Wochen-Tief von 56,40 Euro. Seit Jahresbeginn hat die Aktie fast 40 Prozent eingebüßt.

Trotz der Rückrufserie bleibt das Analystenlager mehrheitlich zuversichtlich. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 73,82 Euro, deutlich über dem aktuellen Niveau, bei einer Mehrheit von Kaufempfehlungen. RBC Capital bestätigte Anfang Juli eine neutrale Einstufung.

Tesla: Rekordauslieferungen, Rekordmargenverfall

Tesla lieferte im zweiten Quartal so viele Fahrzeuge aus wie nie zuvor — 480.126 Stück, ein Plus von 25 Prozent und weit über den von Analysten erwarteten rund 406.600 Einheiten. Der Umsatz kletterte um 26 Prozent auf 28,24 Milliarden Dollar. Und trotzdem reagierten Anleger mit massiven Verkäufen, denn die Profitabilität brach ein.

Die Bruttomarge sackte deutlich unter die Erwartungen ab, während das operative Ergebnis um mehr als die Hälfte einbrach und die operative Marge auf nur noch 1,4 Prozent schrumpfte. Zum ersten Mal seit zwei Jahren rutschte Tesla zudem beim freien Cashflow in die roten Zahlen: Nach einem Überschuss im Vorquartal stand nun ein Minus von 1,09 Milliarden Dollar zu Buche, verursacht durch massiv gestiegene Investitionen in neue Kapazitäten.

Der Ausverkauf zog sich durch die ganze Woche. An ihrem schwärzesten Handelstag seit Monaten verlor die Aktie in den USA 14,5 Prozent — das schlimmste Tagesminus seit langem. Am Freitag schloss das Papier in Frankfurt bei 275,35 Euro, nach einem Wochenverlust von 17,31 Prozent. Mit einem RSI von 27,9 gilt die Aktie inzwischen als deutlich überverkauft.

Die Reaktionen der Analysten fielen unterschiedlich aus, in der Tendenz aber vorsichtiger. Goldman Sachs senkte das Kursziel von 405 auf 375 Dollar und beließ es bei einer neutralen Einstufung, Morgan Stanley kappte auf 400 Dollar. Optimistischere Häuser wie Cantor Fitzgerald oder Baird justierten ihre Ziele zwar ebenfalls leicht nach unten, hielten aber an bullischen Einstufungen fest. Die Bandbreite der Kursziele reicht inzwischen von 130 bis 600 Dollar — ein Indiz dafür, wie uneins Wall Street ist, ob Tesla als Autobauer oder als KI-Unternehmen bewertet werden sollte.

CATL: Gewinnsprung von 42 Prozent, Natrium-Ionen-Offensive in Europa

CATL lieferte in dieser Woche die mit Abstand besten Zahlen im gesamten Sektor. Der weltgrößte Batteriehersteller steigerte seinen Nettogewinn im ersten Halbjahr um 41,98 Prozent auf 43,28 Milliarden Yuan, umgerechnet rund 6,37 Milliarden Dollar.

Der Umsatz wuchs sogar noch schneller: Mit einem Plus von 54,80 Prozent auf 276,92 Milliarden Yuan zeigt sich, wie sehr das Geschäft inzwischen von der Energiespeicher-Sparte getragen wird. Während das klassische Batteriegeschäft für Elektrofahrzeuge um rund 46 Prozent zulegte, wuchs die Energiespeichersparte mit einem Plus von knapp 88 Prozent noch deutlich schneller und liefert inzwischen auch die höhere Bruttomarge.

Passend zu den starken Zahlen kündigte der Vorstand ein milliardenschweres Rückkaufprogramm von bis zu 40 Milliarden Yuan an. Auf der Technologieseite treibt CATL zudem die Expansion von Natrium-Ionen-Speichern nach Europa voran. Mit dem osteuropäischen Energieversorger Solarpro wurde eine Kooperation über Speichersysteme mit einer Kapazität von 2 Gigawattstunden vereinbart — der Auftakt für das erste großskalige Natrium-Ionen-Projekt in Mittel- und Osteuropa. Die Technologie ist auf extreme Kälte ausgelegt und behält selbst bei minus 20 Grad noch 92 Prozent ihrer Kapazität.

An der Börse in Shenzhen honorierten Anleger die Zahlen: Die Aktie legte am Freitag um 3,69 Prozent auf 385,99 Yuan zu und hat allein in dieser Woche gut 7 Prozent gewonnen. Analysten sehen noch deutlich mehr Potenzial. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 559,71 Yuan — ein Aufschlag von rund 45 Prozent gegenüber dem aktuellen Niveau.

Volkswagen: Gewinneinbruch, gekappte Prognose, drohender Stellenabbau

Europas größter Autobauer legte einen schwachen Zwischenbericht vor. Das operative Ergebnis sank im zweiten Quartal auf 3,5 Milliarden Euro, fast 10 Prozent weniger als im Vorjahr und deutlich unter der erwarteten Marke von 4,3 Milliarden Euro.

Zugleich kassierte der Konzern seine Umsatzprognose: Statt eines Wachstums von bis zu 3 Prozent rechnet Volkswagen nun mit einem Rückgang um bis zu 3 Prozent. Grund sind die Belastungen durch US-Zölle sowie der zunehmende Wettbewerbsdruck aus China. Um gegenzusteuern, plant der Konzern den Abbau von bis zu 100.000 Stellen.

Für das gesamte erste Halbjahr fiel der Gewinn nach Steuern um 31 Prozent auf 3,1 Milliarden Euro, während die Auslieferungen um 6,3 Prozent auf rund 4,1 Millionen Fahrzeuge zurückgingen. CFO Arno Antlitz sprach von einem Weckruf: Eine Marge von rund 4 Prozent mache eine zweite Restrukturierungsrunde unumgänglich. Konzernchef Oliver Blume wurde gegenüber der Belegschaft noch deutlicher und bezifferte die Kostennachteile gegenüber vergleichbaren Herstellern auf etwa 20 Prozent.

Ausgerechnet die eigene Tochter Porsche lieferte im selben Bericht einen Lichtblick: Trotz sinkender Verkaufszahlen kletterte das operative Ergebnis der Automobilsparte um 45 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro, eine Marge von 8 Prozent.

Die Aktie reagierte verhalten. Am Freitag schloss das Papier bei 71,48 Euro, ein Minus von 1,43 Prozent. Seit Jahresbeginn hat die Volkswagen-Aktie damit mehr als 31 Prozent verloren.

Bernstein beließ es bei einer neutralen Einstufung und wertete es als positives Signal, dass der Konzern trotz der gesenkten Umsatzprognose an seiner operativen Margen-Zielspanne von 4,0 bis 5,5 Prozent für das laufende Jahr festhielt. Zugleich bemängelten die Analysten den Balanceakt des Managements, das Anleger beruhigen wolle und gleichzeitig der Belegschaft die Dringlichkeit der Lage vor Augen führe.

Porsche AG: Auslieferungen sinken weiter, Gewinn überrascht positiv

Bei den nackten Stückzahlen bleibt Porsche unter Druck: Im ersten Halbjahr wurden weltweit gut 122.000 Fahrzeuge ausgeliefert, ein Rückgang von 16 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Besonders hart traf es China, wo die Auslieferungen um fast 32 Prozent einbrachen. Vertriebsvorstand Matthias Becker bezeichnete die Entwicklung als erwartungsgemäß und verwies auf die bewusste Zurückhaltung bei margenschwachen Verkäufen.

Der eigentliche Paukenschlag steckte in den Zahlen des Mutterkonzerns Volkswagen: Das operative Ergebnis der Automobilsparte legte um 45 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro zu, die Marge stieg auf 8 Prozent. Das ist eine bemerkenswerte Kehrtwende. Vor einem Jahr war die Rendite auf gerade einmal 0,3 Prozent eingebrochen, nachdem sie 2024 noch bei 14,5 Prozent gelegen hatte.

Zu verdanken ist die Erholung vor allem dem Modellmix: Der 911 legte trotz des insgesamt schwachen Absatzumfelds um 19 Prozent zu und bleibt damit die verlässlichste Ertragsquelle der Marke.

An der Börse kam der positive Ausblick auf den Gewinn nicht sofort an. Die Aktie fiel am Freitag um 3,46 Prozent auf 43,76 Euro und damit fast exakt auf ihren 200-Tage-Durchschnitt. Porsche legt die eigenen Halbjahreszahlen am 29. Juli vor.

Sektordynamik: Zulieferer vs. Autobauer

Die Nachrichtenlage dieser Woche offenbart eine wachsende Kluft zwischen Batterieherstellern und Fahrzeugbauern. Während CATL prächtig verdient, kämpfen Tesla, BMW und Volkswagen mit schrumpfenden Margen — und ausgerechnet CATL zählt alle drei zu seinen Kunden. Ein gutes Stück der Wertschöpfung in der E-Mobilität wandert damit derzeit von den Autobauern zu ihrem Batteriezulieferer.

  • BMW: Rückrufserie belastet das Image, Zahlen am 30. Juli als erster Test
  • Tesla: Rekordabsatz trifft auf teure KI- und Robotik-Wetten
  • CATL: Energiespeicher-Boom treibt Gewinn, Rückkauf signalisiert Stärke
  • Volkswagen: Zollkosten und chinesische Konkurrenz erzwingen harten Sparkurs
  • Porsche: Absatzschwäche bei gleichzeitiger Ergebnisverbesserung

Bei den etablierten Autobauern ziehen sich Zölle und chinesischer Wettbewerb wie ein roter Faden durch die Berichte. Volkswagen nennt explizit die Zollbelastung sowie das rasante Wachstum chinesischer Hersteller als Bremsklötze, während Porsches Absatzeinbruch in China sogar noch deutlicher ausfiel als im Konzerndurchschnitt. BMW kämpft an einer anderen Front: Die Rückrufserie belastet das Image, während der Autobauer auf den Erfolg der kommenden Neue-Klasse-Modelle wartet. Tesla wiederum steht strukturell abseits der deutschen Konkurrenz — hier ist nicht die Nachfrage das Problem, sondern die Kosten der parallelen Wette auf künstliche Intelligenz, Robotik und autonomes Fahren.

Autobranche vor entscheidenden Wochen

Die kommenden zwei Wochen bringen gleich mehrere Belastungsproben. BMW legt am 30. Juli Halbjahreszahlen vor und muss zeigen, ob Rückrufserie und chinesischer Wettbewerbsdruck bereits auf die Marge durchschlagen. Porsche folgt einen Tag zuvor mit eigenen Zahlen, die klären dürften, ob der auf Konzernebene gemeldete Margensprung auch markenintern trägt.

Bei Volkswagen rückt der geplante Abbau von bis zu 100.000 Stellen samt möglicher Werksschließungen in Hannover, Zwickau, Emden und im Audi-Werk Neckarsulm in den Fokus der Tarifverhandlungen — ein Konflikt mit Gewerkschaften und dem Land Niedersachsen zeichnet sich ab. Bei Tesla wird sich zeigen, ob die KI- und Robotik-Erzählung eine Margenstruktur ausgleichen kann, die inzwischen mehrere Quartale in Folge geschrumpft ist. CATLs Expansion bei Natrium-Ionen-Speichern nach Ost- und Westeuropa deutet derweil an, wo die nächste Wachstumsphase der Batteriebranche entstehen könnte.

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