BP räumt in der Bilanz auf – und trifft damit einen wunden Punkt der Energiewende-Strategie. Hohe Wertberichtigungen im Bereich Gas und erneuerbare Energien überlagern Fortschritte beim Schuldenabbau und ein laufendes Aktienrückkaufprogramm. Entscheidend ist nun, wie der Konzern diese Korrektur einordnet und welchen Kurs er für die nächsten Jahre vorgibt.
Milliardenabschreibungen auf Energiewende-Assets
Mit einem Handelsupdate vom 14. Januar hat BP für das vierte Quartal 2025 nach Steuern Abschreibungen von 4 bis 5 Milliarden US‑Dollar angekündigt. Betroffen ist vor allem das Segment „Gas & Low Carbon Energy“. Hier passt der Konzern die Bewertung seiner Energie-Übergangsprojekte an – ein deutliches Signal, dass frühere Erwartungen an Renditen und Wachstum teilweise zu optimistisch waren.
Zusätzlich warnt BP vor einer „schwachen“ Performance im Ölhandelsgeschäft im gleichen Zeitraum. Dieser Bereich gilt traditionell als wichtiger Ergebnistreiber, insbesondere in volatilen Märkten. Ein nachlassender Beitrag von dort verstärkt den Druck, den die hohen Wertberichtigungen ohnehin schon auf die Gewinnrechnung ausüben.
Die Folge: Die Aktie geriet nach Veröffentlichung der Zahlenvorabinformation unter Druck. Im deutschen Handel spiegelt sich das in einem Kurs von 5,05 Euro per Donnerstagsschluss wider. Auf Sicht von zwölf Monaten liegt der Titel leicht im Minus, bleibt aber mit rund 29 % Abstand über dem 52‑Wochen-Tief deutlich von einer echten Krisenbewertung entfernt.
Schuldenabbau als Gegengewicht
Trotz der hohen Abschreibungen setzt BP ein klares positives Signal bei der Bilanzqualität. Die Nettofinanzverschuldung soll zum Quartalsende auf 22 bis 23 Milliarden US‑Dollar sinken. Das wäre ein spürbarer Rückgang gegenüber 26,1 Milliarden US‑Dollar zum Ende des dritten Quartals 2025.
Möglich wurde dieser Schritt vor allem durch Desinvestitionen. Im vierten Quartal flossen rund 3,5 Milliarden US‑Dollar aus Vermögensverkäufen zu, im Gesamtjahr summierten sich die Erlöse auf etwa 5,3 Milliarden US‑Dollar. BP nutzt diese Mittel gezielt, um die Bilanz zu straffen und Spielraum für künftige Ausschüttungen und Investitionen zu sichern.
Auch operativ erwartet der Konzern für das vierte Quartal stabile Verhältnisse: Die Produktion im Upstream-Geschäft soll gegenüber dem Vorquartal in etwa unverändert bleiben. Belastend wirkt hingegen ein höherer Steuersatz. Für das Gesamtjahr 2025 rechnet BP nun mit einer zugrunde liegenden effektiven Steuerquote von rund 42 %, höher als zuvor angekündigt – ein Faktor, der den Nettogewinn zusätzlich drückt.
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Parallel dazu hält der Konzern an seinem Aktienrückkaufprogramm fest. Am 15. Januar meldete BP den Rückerwerb von mehr als 3 Millionen eigenen Aktien. Das unterstreicht, dass das Management trotz der aktuellen Wertberichtigungen grundsätzlich Vertrauen in die eigene Bewertung signalisiert.
Marktstimmung und Analystensicht
Die Abschreibungen im Bereich der Energiewende-Investitionen machen deutlich, wie schwierig die Balance für große Öl- und Gaskonzerne ist. Einerseits sollen fossile Cash-Cows stabile Erträge liefern, andererseits verlangt der Markt glaubwürdige, wirtschaftlich tragfähige Klimastrategien. Die aktuelle Korrektur wird von Beobachtern auch als „Bilanzbereinigung“ vor dem anstehenden Jahresbericht gewertet.
Auf der Analystenseite zeigt sich ein gemischtes Bild. Barclays-Analystin Lydia Rainforth bestätigte am 14. Januar ihre Kaufempfehlung mit einem unveränderten Kursziel von 5,90 Pfund. Trotz Gegenwind sieht sie damit weiter Potenzial nach oben. Zacks Investment Research stufte die Aktie am 15. Januar hingegen mit „Hold“ ein und verwies auf angepasste Gewinnerwartungen.
Spannend ist zudem ein Blick auf die Positionierung mancher Marktteilnehmer: Ende Dezember 2025 war das Short Interest – also die Wetten auf fallende Kurse – laut Marktdaten um 71,7 % auf über 11,3 Millionen Aktien gestiegen. Das deutet darauf hin, dass ein Teil des Marktes bereits im Vorfeld mit negativen Nachrichten oder einer Neubewertung gerechnet hat.
Ausblick auf die Zahlen im Februar
Der nächste zentrale Termin steht bereits fest: Am 10. Februar 2026 legt BP die vollständigen Zahlen für das vierte Quartal und das Gesamtjahr 2025 vor. Dann dürfte sich der Blick von den nun offengelegten Abschreibungen auf die Perspektiven richten. Im Fokus stehen insbesondere:
- die konkrete Ausgestaltung der Investitions- und Kapitalallokationspläne,
- Maßnahmen zur Verbesserung der Profitabilität im Ölhandelsgeschäft,
- und die künftige Rolle sowie Renditeerwartung der Low‑Carbon‑Aktivitäten.
Der aktuelle Mix aus bilanzieller Bereinigung, Schuldenabbau und anhaltenden Rückkäufen bildet damit den Rahmen, vor dem die Februar-Zahlen und die neue Prognose eingeordnet werden müssen.
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