BRANICKS Aktie: 400-Millionen-Anleihe wird fällig

Branicks sichert sich mit Gläubiger-Lock-up 95 Millionen Euro neue Liquidität und verlängert Laufzeiten. Die Aktie fällt dennoch.

Andreas Sommer ·

Kurz zusammengefasst

  • Lock-up-Vereinbarungen mit Gläubigern wirksam
  • 95 Millionen Euro neues Kapital gesichert
  • Anleihegläubiger stimmen mehrheitlich zu
  • Quartalszahlen verzögern sich bis Jahresende

Die Branicks Group AG hat einen zentralen Meilenstein ihrer Sanierung erreicht. Am Freitag wurden die Lock-Up-Vereinbarungen mit wesentlichen Gläubigergruppen wirksam, die eine umfassende Rekapitalisierung der Finanzverbindlichkeiten von Branicks und der Tochter VIB Vermögen AG vorsehen. Betroffen sind die 400 Millionen Euro schwere Unternehmensanleihe sowie Schuldscheindarlehen und Namensschuldverschreibungen über 179,5 Millionen Euro. Nach Unternehmensangaben stehen 60,4 Prozent der Anleihegläubiger und mehr als 90 Prozent der Schuldscheingläubiger hinter dem Plan.

Der Kapitalmarkt reagierte verhalten. Die Aktie schloss am Freitag bei 0,9160 Euro, ein Rückgang von 1,72 Prozent auf Tagesbasis. Auf Wochensicht steht ein Minus von 8,03 Prozent zu Buche, das Papier notiert damit auch unter seinem 50-Tage-Durchschnitt von 1,01 Euro. Trotz der formalen Einigung bleibt die Verunsicherung der Anleger über die konkreten Belastungen der Restrukturierung für Alteigentümer offenbar hoch.

Frisches Kapital zu hohen Zinsen

Kern der Vereinbarung ist frisches Geld: Ein Backstop-Mechanismus sichert insgesamt 95 Millionen Euro neue Liquidität, aufgeteilt in 35 Millionen Euro für Branicks und 60 Millionen Euro für VIB Vermögen. Für dieses „New Money“ wurde ein Zinssatz von 10 Prozent pro Jahr festgelegt. Die bestehenden Verbindlichkeiten werden in neue Instrumente mit deutlich verlängerten Laufzeiten überführt: Senior Secured Principal Instruments laufen bis zum 30. September 2030 und werden mit 7,5 Prozent pro Jahr verzinst, nachrangige Subordinated Principal Instruments laufen bis zum 30. September 2038 bei einem Zinssatz von 15 Prozent jährlich. Die Konditionen zeigen, wie teuer sich das Unternehmen die Fortführung seiner Finanzierung erkaufen musste.

Mit der Restrukturierung geht auch ein personeller Umbau einher. Josef Schultheis wurde zum Chief Restructuring Officer ernannt, um den Sanierungsprozess operativ zu begleiten. Die Amtszeit von Vorstandschefin Sonja Wärntges wurde bis spätestens 31. Dezember 2026 befristet, zudem kündigte das Unternehmen Neubesetzungen im Aufsichtsrat an. Diese Schritte signalisieren, dass die Gläubigerseite auch auf personeller Ebene stärkeren Einfluss auf die Geschicke von Branicks nimmt.

Verzögerte Bilanzen, wichtige Termine voraus

Die Kehrseite der komplexen Verhandlungen zeigt sich im Berichtswesen. Der Quartalsfinanzbericht zum ersten Quartal 2026 wird erst zum 31. Dezember 2026 veröffentlicht. Auch der geprüfte Jahres- und Konzernabschluss 2025, ursprünglich für den 27. Juli angekündigt, verzögert sich, weil der Abschlussprüfer die Finalisierung ausdrücklich von einer verbindlichen Gläubigereinigung abhängig gemacht hatte. Eine zuvor bis zum 27. Juli verlängerte Stillhaltevereinbarung mit Gläubigern von Schuldscheindarlehen über 87 Millionen Euro dürfte mit der nun wirksamen Lock-Up-Lösung obsolet geworden sein.

Für Anleger rücken damit neue Fixpunkte in den Blick. Am 26. August sollen die Ergebnisse zum zweiten Quartal 2026 vorgelegt werden. Am 22. September wird die bestehende 400-Millionen-Euro-Anleihe fällig – genau der Termin, an dem die Restrukturierung greifen soll. Eine Woche später, am 29. September, folgt die ordentliche Hauptversammlung für das Geschäftsjahr 2025. Bis dahin bleibt die Aktie mit einer annualisierten Volatilität von 123,47 Prozent ein außergewöhnlich schwankungsanfälliges Papier, dessen Kurs seit Jahresbeginn um 46,99 Prozent nachgegeben hat. Meldungen zu den Beteiligungsverhältnissen, etwa Stimmrechtsmitteilungen der Provinzial Holding AG und von Prof. Dr. Gerhard Schmidt, deuten darauf hin, dass institutionelle wie private Großaktionäre die Entwicklung weiterhin genau verfolgen.

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BRANICKS Aktie

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