Broadcom Aktie: 273,7 Millionen Insider-Verkäufe in drei Monaten

Broadcom erholt sich nach Kurseinbruch dank Kapitalrotation von IBM. Analysten bleiben trotz KI-Prognoseverfehlung optimistisch.

Dr. Robert Sasse ·
Broadcom Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Kurserholung nach deutlichem Rücksetzer
  • Insiderverkäufe und ein Zukauf
  • Quartalszahlen übertreffen Erwartungen
  • Apple-Deal und TPU-Geschäft als Stützen

Nachdem die Aktie am 13. Juli 2026 an der Wall Street um mehr als vier Prozent unter die Marke von 400 US-Dollar gerutscht war, drehte der Kurs am Folgetag wieder ins Plus. Auslöser der Erholung war ausgerechnet die Schwäche eines anderen Technologiekonzerns: IBM hatte vorläufige Quartalszahlen vorgelegt, die deutlich unter den Erwartungen lagen, und damit eine Kapitalrotation weg von Softwarewerten hin zu Hardware- und Chiptiteln ausgelöst. Broadcom gehörte zu den Nutznießern dieser Bewegung und legte am 14. Juli um 1,3 bis 1,4 Prozent zu.

Auf Eurobasis schloss die Broadcom-Aktie am Dienstag bei 340,50 Euro. Über sieben Tage blieb der Kurs damit nahezu unverändert (-0,03 Prozent), auf Monatssicht steht ein moderates Plus von 0,09 Prozent zu Buche. Seit Jahresbeginn hat der Titel dennoch knapp 14,78 Prozent gewonnen, auf Zwölfmonatssicht sogar 40,59 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 429,60 Euro, erreicht am 3. Juni 2026, ist die Aktie derzeit rund 20,7 Prozent entfernt, während der Abstand zum 52-Wochen-Tief von 237,05 Euro aus dem Juli 2025 bei über 43 Prozent liegt. Mit einem RSI von 50,7 zeigt sich der Titel technisch neutral, notiert aber knapp 2,7 Prozent unter seinem 50-Tage-Durchschnitt und gut 8,7 Prozent über der 200-Tage-Linie. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von knapp 62 Prozent unterstreicht die Nervosität rund um den Halbleiterwert.

Insiderverkäufe treffen auf einen Käufer

Für zusätzlichen Gesprächsstoff sorgten Insidergeschäfte. Der Chief Legal & Corporate Affairs Officer Mark Brazeal verkaufte am 10. Juli 25.000 Aktien zu einem gewichteten Durchschnittspreis von 401,33 US-Dollar, insgesamt rund 10,03 Millionen US-Dollar. Die Transaktion wurde am 14. Juli per Form 4 bei der US-Börsenaufsicht eingereicht; nach dem Verkauf hält Brazeal noch 194.989 Aktien, darunter 123.750 RSUs. Auch Gayla Delly veräußerte einen kleineren Anteil ihrer Position. Insgesamt sollen Insider in den vergangenen drei Monaten Aktien im Wert von 273,7 Millionen US-Dollar abgestoßen haben. Ein Gegengewicht setzte Direktor Harry L. You, der 1.000 Aktien zu 373,57 US-Dollar zukaufte – ein Signal, das manche Beobachter als Vertrauensbeweis werten.

Analysten bleiben trotz Guidance-Miss optimistisch

Im zweiten Quartal übertraf Broadcom die Erwartungen: Der Gewinn je Aktie lag bei 2,44 US-Dollar gegenüber prognostizierten 2,40 US-Dollar, der Umsatz stieg um 47,9 Prozent auf 22,19 Milliarden US-Dollar und damit ebenfalls über dem Konsens von 22,13 Milliarden US-Dollar. Für Unruhe sorgte dagegen die Prognose für das dritte Quartal: Die KI-Umsatzguidance von rund 16 Milliarden US-Dollar blieb hinter den erwarteten 17,3 Milliarden US-Dollar zurück, während die Bruttomarge im Zuge des Guidance-Ausblicks auf 74 Prozent sinken soll, nach zuvor 77,1 Prozent. Der Gesamtumsatzausblick von 29,4 Milliarden US-Dollar für das dritte Quartal übertraf hingegen die Konsensschätzung von 28,54 Milliarden US-Dollar.

Trotz der gemischten Signale halten führende Häuser an ihrem positiven Bild fest. Morgan-Stanley-Analyst Joseph Moore bekräftigte seine Overweight-Einstufung und sieht in MediaTeks Einstieg als zweitem Google-TPU-Lieferanten keine ernsthafte Bedrohung für Broadcoms Geschäft. Die Kursziele der Analystenhäuser reichen von 490 US-Dollar bei Susquehanna über 502 US-Dollar bei Morgan Stanley bis zu 545 beziehungsweise 550 US-Dollar bei Benchmark und Jefferies; JPMorgan nennt 580 US-Dollar. Der Analystenkonsens liegt bei „Moderate Buy“ mit einem Kursziel von durchschnittlich 493,24 US-Dollar. JPMorgan-Stratege Mislav Matejka empfahl zudem branchenweit den jüngsten Halbleiter-Ausverkauf zum Einstieg zu nutzen, da der Wachstumszyklus noch nicht seinen Höhepunkt erreicht habe und neue Kapazitäten erst 2028 verfügbar würden.

Apple-Deal und TPU-Geschäft als Stützpfeiler

Strategisch bekräftigt wird Broadcoms Position durch die Partnerschaft mit Apple. Der bestehende Custom-Chip-Deal wurde bis 2031 verlängert, ergänzt um eine fünfjährige Vereinbarung über 30 Milliarden US-Dollar für drahtlose Chipkomponenten sowie eine Investition von 1,5 Milliarden US-Dollar zum Ausbau von Broadcoms Werk in Fort Collins, Colorado, für FBAR-Filter. Beim Wachstumsmotor Google-TPU-Geschäft geht Morgan Stanley trotz MediaTeks Einstieg als Zweitlieferant davon aus, dass Broadcom rund 80 Prozent des TPU-Umsatzanteils verteidigen kann, während auf MediaTek 15 bis 20 Prozent entfallen dürften. Für das Geschäftsjahr 2027 rechnet das Analystenhaus mit einem KI-Umsatz von 120 Milliarden US-Dollar bei Broadcom. Als Risiken bleiben die Abhängigkeit von wenigen KI-Großkunden, Handelsspannungen zwischen den USA und China sowie eine mögliche Kundenabwanderung im VMware-Geschäft bestehen.

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Broadcom Aktie

341,50 EUR

– 2,20 EUR -0,64 %
KGV 64,01
Sektor Technologie
Div.-Rendite 0,64 %
Marktkapitalisierung 1,83 Bio. EUR
ISIN: US11135F1012 WKN: A2JG9Z

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