Broadcom Aktie: Engpässe trüben Rekordbilanz

Broadcom verzeichnet ein Umsatzplus von 29 Prozent und eine Verdopplung des KI-Geschäfts, kämpft jedoch mit massiven Halbleiter-Engpässen und Kartellvorwürfen in Europa.

Dieter Jaworski ·
Broadcom Aktie

Kurz zusammengefasst

  • KI-Umsatz mehr als verdoppelt
  • Massive Engpässe in der Lieferkette
  • Kartellbeschwerde in Europa
  • Starke Kaufempfehlungen von Großbanken

Broadcom liefert im KI-Sektor weiterhin beeindruckende Wachstumszahlen ab. Der Umsatz mit Künstlicher Intelligenz hat sich im ersten Quartal mehr als verdoppelt. Gleichzeitig schlagen die eigenen Führungskräfte nun Alarm: Massive Engpässe in der Halbleiter-Lieferkette drohen zu einem ernsthaften Problem für den weiteren Ausbau der Infrastruktur zu werden.

Flaschenhals bei der Produktion

Der Chipentwickler spürt die Grenzen des aktuellen Booms. Fertigungspartner TSMC stößt laut Broadcom-Management an seine Kapazitätsgrenzen. Zwar will der taiwanesische Auftragsfertiger seine Produktion bis 2027 ausbauen, für das Jahr 2026 ist die Lieferkette jedoch stark angespannt.

Das Problem beschränkt sich nicht nur auf reine Silizium-Chips. Auch bei Laserbauteilen und Leiterplatten für optische Transceiver stauen sich die Aufträge. Die Lieferzeiten haben sich hier teilweise von sechs Wochen auf ein halbes Jahr verlängert. Branchenschätzungen zufolge übersteigt die Nachfrage nach fortschrittlichen Chips das Angebot derzeit um das Dreifache. Hardware-Kunden reagieren darauf bereits mit dem Abschluss von Drei- bis Vierjahresverträgen, um sich Produktionskapazitäten zu sichern.

Rekordumsätze verpuffen am Markt

Diese operativen Hürden überschatten eine ansonsten makellose Bilanz. Im ersten Quartal kletterte der Gesamtumsatz um 29 Prozent auf 19,31 Milliarden US-Dollar. Das KI-Geschäft sprang getrieben durch die hohe Nachfrage nach maßgeschneiderten Beschleunigern um 106 Prozent auf 8,4 Milliarden US-Dollar nach oben.

Trotz dieser starken operativen Entwicklung reagieren Anleger zurückhaltend. Die Aktie gab heute leicht um 1,85 Prozent auf 270,55 Euro nach. Offenbar preist der Markt die logistischen Risiken zunehmend ein, während die Fundamentaldaten erst langsam zu den ambitionierten Bewertungen der vergangenen Monate aufschließen.

Gegenwind in Europa

Abseits der Hardware-Sparte braut sich ein weiterer Konflikt zusammen. Die Umstrukturierung des VMware-Partnernetzwerks hat in Europa zu einer offiziellen Kartellbeschwerde geführt. Die Branchengruppe CISPE wirft Broadcom vor, seine Marktmacht nach der 69 Milliarden US-Dollar schweren Übernahme zu missbrauchen.

Die Vorwürfe wiegen schwer: Preise sollen sich verzehnfacht haben, zudem zwinge das Unternehmen Kunden zu Vorabzahlungen und unerwünschten Produktbündelungen. Broadcom weist die Anschuldigungen entschieden zurück und bezeichnet die Gruppe als von großen Cloud-Anbietern finanziert, welche die Marktrealität verzerrt darstellten.

Ungeachtet der regulatorischen und logistischen Herausforderungen bleibt die Wall Street äußerst optimistisch. Der Konsens lautet weiterhin auf „Strong Buy“. Mehrere Großbanken haben ihre Kaufempfehlungen kürzlich mit konkreten Kurszielen bekräftigt:

  • JPMorgan: 475 US-Dollar
  • Morgan Stanley: 470 US-Dollar
  • Bank of America: 450 US-Dollar

Aktionäre profitieren derweil von massiven Kapitalrückführungen. Der Vorstand hat eine Quartalsdividende von 0,65 US-Dollar pro Aktie beschlossen, die am 31. März 2026 ausgezahlt wird. Zusammen mit umfangreichen Aktienrückkäufen ließ das Unternehmen seinen Anteilseignern allein im abgelaufenen Quartal 10,9 Milliarden US-Dollar zukommen.

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Broadcom Aktie

323,90 EUR

– 10,95 EUR -3,27 %
KGV 63,68
Sektor Technologie
Div.-Rendite 0,66 %
Marktkapitalisierung 1,80 Bio. EUR
ISIN: US11135F1012 WKN: A2JG9Z

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