BT Aktie: Übernimmt TalkTalk aus Insolvenzverwaltung
Der Kauf sichert 2,5 Millionen Anschlüsse; BT rechnet im Geschäftsjahr bis März 2027 mit 400 Millionen Pfund Liquiditätsbelastung.
Kurz zusammengefasst
- TalkTalk und PlatformX schuldenfrei übernommen
- Betrieb für 2,5 Millionen Anschlüsse gesichert
- Virgin Media kritisiert den Zukauf
- CMA-Bericht bis zum 19. Oktober fällig
Mit einem Notkauf aus der Insolvenzverwaltung verleibt sich BT Group den strauchelnden Konkurrenten TalkTalk ein. Der Telekommunikationskonzern übernahm gestern neben TalkTalk Telecommunications auch die Großhandelssparte PlatformX Communications schuldenfrei. Im britischen Handel legten die Papiere daraufhin zu und schlossen gestern bei 2,38 Euro, was einem Tagesgewinn von 1,8 Prozent entspricht.
Der Schritt soll den laufenden Betrieb für insgesamt 2,5 Millionen Anschlüsse sichern. Davon entfallen 1,5 Millionen auf private Haushalte und eine Million auf Großhandelskunden. Die britische Digitalministerin Lisa Nandy schaltete sich unmittelbar nach Bekanntgabe ein und erließ eine formelle Intervention nach dem Enterprise Act.
Die Regierung begründete den Schritt mit möglichen Gefahren für öffentliche Dienste, kritische Infrastrukturen und schutzbedürftige Verbraucher, falls das Netz zusammenbrechen sollte.
Finanzielle Belastungen im laufenden Turnus
BT beziffert die gesamte Belastung der Liquidität im Geschäftsjahr bis März 2027 auf rund 400 Millionen Pfund. Darin enthalten sind Kaufpreis, Integrationskosten sowie ein prognostizierter operativer Verlust von rund 60 Millionen Pfund für das restliche Geschäftsjahr. Zudem kalkuliert das Management mit rund 100 Millionen Pfund an entgangenen Einnahmen der Netzinfrastrukturtochter Openreach, die TalkTalk bis zuletzt geschuldet hatte.
TalkTalk selbst erwirtschaftete in den vergangenen zwölf Monaten rund 1,2 Milliarden Pfund Umsatz, schrieb jedoch rote Zahlen. Ein Schuldenberg von rund 1,5 Milliarden Pfund verbleibt im Rahmen des Insolvenzverfahrens bei den bisherigen Gläubigern.
Konzernchefin Allison Kirkby bezeichnete die Transaktion als die einzig tragfähige Option, um Kunden vor einem Netzausfall zu bewahren. Den mittelfristigen Finanzausblick ließ das Management davon unberührt.
BT bekräftigte das Ziel, vor Berücksichtigung der Transaktionseffekte einen normalisierten freien Barmittelzufluss von rund 2,0 Milliarden Pfund im Geschäftsjahr 2027 zu erzielen. Bis zum Ende des Jahrzehnts soll dieser Wert auf rund 3,0 Milliarden Pfund klettern.
Scharfe Kritik der Konkurrenz
Trotz des Rettungscharakters stößt der Zukauf im Markt auf erhebliche Vorbehalte. Konkurrent Virgin Media kritisierte die Übernahme als wettbewerbsschädlich und warnte vor einer unzulässigen Machtkonzentration. BT baut seine führende Marktstellung im britischen Festnetz-Breitbandmarkt durch die zusätzlichen Anschlüsse weiter aus.
Für die Kartellaufsicht beginnt nun ein eng getaktetes Verfahren. Die Wettbewerbsbehörde Competition and Markets Authority muss der Regierung bis zum 19. Oktober einen ersten Bericht über die Marktfolgen vorlegen. Erst danach entscheidet das Ministerium über das weitere Vorgehen.
Bis zum Abschluss dieser regulatorischen Überprüfung müssen BT und TalkTalk ihre Geschäfte strikt getrennt voneinander führen und weiter im Wettbewerb stehen. Die Leitung der Stabilisierungsphase und die Vorbereitung der späteren Integration überträgt der Konzern an Clive Selley. Für die Kunden von TalkTalk greifen kurzfristig keine Vertrags- oder Preisänderungen.
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