BYD Aktie: 100.000. E-Auto in Brasilien

BYD feiert 100.000 E-Autos aus Brasilien und drängt in Australien an Toyota vorbei. Neue Steuer in China belastet indes die Heimatmärkte.

Dieter Jaworski ·
BYD Aktie

Kurz zusammengefasst

  • 100.000stes E-Auto in Brasilien gebaut
  • Australien: BYD nur knapp hinter Toyota
  • China führt neue Batteriesteuer ein
  • Neue Modelle Qin Max und Seal 08

Juli das 100.000. Elektrofahrzeug vom Band gelaufen, ein BYD Seagull. Die Belegschaft am Standort überschritt zugleich die Marke von 5.500 Beschäftigten. Die 5.500. Mitarbeiterin, Ednei dos Santos Silva, wurde von BYD öffentlich als Symbol für die neu belebte Industrieregion vorgestellt. Für den chinesischen Autobauer ist der Produktionsstart in Brasilien einer von mehreren Bausteinen, mit denen das Unternehmen seine internationale Fertigung ausbaut, während zu Hause in China die politischen Rahmenbedingungen für Batteriezellen enger werden.

Meilenstein in Brasilien

Das Werk in Camaçari war früher eine Fabrik von Ford, deren Umbau im März 2024 begann. Die Produktion lief im Juli 2025 an – die 100.000er-Marke wurde damit nach nur rund einem Jahr Betrieb erreicht. BYD investierte laut den Angaben rund 5,5 Milliarden Real in den Standort, die erste Ausbaustufe ist auf eine Jahreskapazität von 150.000 Fahrzeugen ausgelegt, langfristig soll sie auf 600.000 Einheiten steigen. Bis Ende 2026 will BYD die Hälfte der Bauteile vor Ort fertigen lassen. Werksleiter Li Tie kündigte an, aus dem Standort eine moderne Industriebasis für neue Energien zu machen. BYD-Senior-Vizepräsident Alexander Baldy nannte als Ziel, bis 2030 zum meistverkauften Automobilhersteller Brasiliens zu werden. Executive Vice President Li Ke bestätigte zudem Exportaufträge über jeweils 50.000 Fahrzeuge nach Argentinien und Mexiko. Im ersten Halbjahr 2026 lieferte BYD in Brasilien 99.029 Fahrzeuge aus, allein im Juni waren es 21.254, darunter 6.457 Einheiten des Modells Seagull.

Kopf-an-Kopf-Rennen in Australien, Ärger in Indien

Auch in Australien setzt BYD Platzhirsch Toyota unter Druck. Im Juni 2026 lag BYD nur noch 243 Verkäufe hinter Toyota, während die lokalen Verkäufe der Japaner im laufenden Jahr um 21,4 Prozent einbrachen. Laut dem Australian Financial Review halten Analysten Toyotas Gegenmaßnahmen – mehr Lieferungen und neue Elektromodelle – für zu spät angesetzt. Im ersten Halbjahr 2026 wurden in Australien 175.151 in China gefertigte Neuwagen verkauft, ein Plus von 70,2 Prozent, während der Absatz japanischer Importe um 28,2 Prozent auf 144.430 Fahrzeuge sank. Damit hat China erstmals seit 28 Jahren Japan als größten Fahrzeugimporteur Australiens abgelöst. BYD-Vizepräsident He Zhiqi bezifferte das Innovationstempo des Konzerns auf rund 650 neue oder überarbeitete Modelle, die im ersten Halbjahr 2026 allein in China vorgestellt wurden.

Weniger erfreulich verlief eine Episode in Indien: Die dortige Steuerbehörde verhängte eine Strafzahlung von 630 Millionen Rupien gegen eine BYD-Einheit – obwohl der Konzern in Indien nach eigenen Angaben gar keine Tochtergesellschaft unterhält. BYD hatte in Indien 2024 lediglich 1.960 Fahrzeuge verkauft. Bereits 2023 hatte die Behörde eine Steuerforderung über 730 Millionen Rupien gestellt. Eine geplante Fabrik über 10 Milliarden US-Dollar wurde blockiert, zudem gilt eine Importobergrenze von 2.500 Einheiten pro Modell und Jahr. Im Juni 2026 brachte BYD dennoch sein DM-i-Hybridsystem auf den indischen Markt.

Neue Batteriesteuer in China, neue Modelle im Portfolio

Parallel zu den internationalen Erfolgen verschärfen sich die Rahmenbedingungen im Heimatmarkt. Laut Caixin Global und der South China Morning Post streicht China die Verbrauchsteuerbefreiung für Lithium-Ionen-Batterien in Elektrofahrzeugen: Ab dem 1. September 2026 gilt zunächst ein Satz von 2 Prozent, der ab September 2027 auf 4 Prozent steigt. Das verteuert ein Elektrofahrzeug um rund 1.000 Yuan. Natrium-Ionen- und Festkörperbatterien bleiben bis Ende 2028 von der Steuer ausgenommen – ein politischer Anreiz, den auch BYD als Batteriehersteller im Blick behalten dürfte.

Auf Produktseite bleibt BYD offensiv. Das Modell Qin Max wurde als neues Flaggschiff der Qin-Familie vorgestellt, verfügbar als reines Elektrofahrzeug und als Plug-in-Hybrid, mit Schnellladefunktion von 10 auf 97 Prozent in neun Minuten bei bis zu 1.500 Kilowatt Ladeleistung. Der Vorstoß kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Qin-Reihe unter Druck steht: Im Juni 2026 brachen die Verkäufe um 66,17 Prozent auf 14.900 Einheiten ein, im ersten Halbjahr summierten sich die Rückgänge auf 45,62 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zudem brachte BYD den Seal 08 auf den chinesischen Markt, preislich zwischen 196.900 und 239.900 Yuan positioniert, mit einer Reichweite von bis zu 905 Kilometern im reinen Elektrobetrieb. Die Luxusmarke Denza präsentierte außerdem die Limousine Z9 S mit bis zu 920 Kilometern Reichweite nach chinesischem CLTC-Standard, die als Konkurrenz zu Xiaomis SU7 und dem Audi e-tron GT positioniert wird.

Kursbild

An der Börse zeigte sich die Aktie zuletzt erholt: Der Kurs notiert bei 10,01 Euro, ein Plus von 1,09 Prozent im Tagesverlauf, und liegt binnen sieben Handelstagen um 7,65 Prozent höher. Vom 52-Wochen-Hoch bei 14,80 Euro, erreicht im Juli 2025, bleibt der Titel dennoch 32,38 Prozent entfernt. Die operativen Fortschritte in Brasilien und Australien treffen damit auf einen Kurs, der trotz der jüngsten Gegenbewegung noch deutlich unter seinen Höchstständen notiert.

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BYD Aktie

10,10 EUR

+ 0,15 EUR +1,54 %
KGV 25,71
Sektor Zyklischer Konsum
Div.-Rendite 0,39 %
Marktkapitalisierung 808,70 Mrd. EUR
ISIN: CNE100000296 WKN: A0M4W9

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