BYD Aktie: 4-Nanometer-Chip Xuanji A3 in Serienproduktion
BYD präsentiert eigenen 4-nm-Chip und übernimmt volle Haftung für autonomes Fahren, während Gewinneinbruch und Preiskampf die Aktie belasten.

Kurz zusammengefasst
- Eigenentwicklung des Xuanji-A3-Chips
- Unbegrenzte Haftung für autonomes Fahren
- God's Eye nun auch im Seagull
- Gewinneinbruch um 55 Prozent
BYD hat in dieser Woche gleich drei Themen auf den Tisch gelegt, die den Investmentfall neu sortieren. Ein selbst entwickelter 4-Nanometer-Chip, eine beispiellose Haftungszusage für autonomes Fahren — und eine Hauptversammlung am 9. Juni, auf der die Dividende für 2025 zur Abstimmung steht. Die Aktie reagiert bislang kaum: Mit 9,92 Euro notiert die H-Aktie nur knapp über ihrem 52-Wochen-Tief.
Chinas erster 4-nm-Chip aus eigenem Haus
Der neue Prozessor heißt Xuanji A3 und liefert 700 TOPS Rechenleistung. Drei Chips im Verbund erreichen 2.100 TOPS — genug für Level-3- und Level-4-Funktionen. Das Besondere: Der Chip ist bereits in Serienproduktion.
Citi-Analysten schätzen, dass das Gesamtsystem etwa ein Drittel des Nvidia-Thor-Preises kostet. BYD gibt diesen Vorteil direkt weiter. Das God’s-Eye-Fahrerassistenzsystem mit LiDAR kostet Käufer umgerechnet rund 1.770 Dollar — deutlich weniger als vergleichbare Konkurrenzlösungen.
Der Chip ist Teil einer breiteren Architektur. BYD kombiniert den Xuanji A3 mit eigenen Algorithmen, dem God’s-Eye-System und der Xuanji-Fahrzeugplattform. Das Unternehmen kontrolliert damit die gesamte Lieferkette für autonomes Fahren — nach eigenen Angaben als einziger Autobauer weltweit.
Volle Haftung — ohne Deckel
Noch ungewöhnlicher als der Chip ist die kommerzielle Zusage dahinter. BYD übernimmt ab sofort die volle finanzielle Haftung für Unfälle, die beim aktiven Einsatz des städtischen God’s-Eye-Systems passieren — ohne Haftungsobergrenze. Tesla hat für sein Full-Self-Driving-System nie eine vergleichbare Zusage gemacht.
Die Garantie gilt für God’s Eye A und B, läuft ein Jahr ab Fahrzeugübergabe und deckt Reparaturkosten, Sachschäden Dritter sowie Personenschäden ab. Bestandskunden erhalten sie per Over-the-Air-Update auf God’s Eye 5.0. Sie ist nicht an den Erstbesitzer gebunden.
Das Kalkül dahinter ist datenbasiert. Eine ähnliche Garantie für das automatische Einparken im Juli 2025 trieb die tatsächliche Nutzungsrate von 21 auf 93 Prozent. BYD wendet dieselbe Logik jetzt auf den Stadtverkehr an.
God’s Eye für alle — auch den Seagull
Parallel dazu rollt BYD das System auf alle Modelle in China aus. Der Seagull — ein günstiges Kompakthatchback — wurde im Mai als erstes Fahrzeug seiner Klasse mit LiDAR ausgestattet. LiDAR war bislang Premium-Modellen vorbehalten.
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Mehr als 3,15 Millionen BYD-Fahrzeuge sammeln bereits Fahrdaten. Täglich kommen rund 200 Millionen Kilometer hinzu. Algorithmus-Updates erscheinen alle drei Tage. Eine Version ohne HD-Karten soll im September 2026 folgen.
Dividende und AGM am 9. Juni
Am kommenden Montag trifft sich BYD zur Hauptversammlung in Shenzhen. Auf der Tagesordnung stehen neben Routinethemen die Abstimmung über die Schlussdividende für 2025: 0,358 Renminbi je Aktie. Der Ex-Dividende-Tag ist der 11. Juni, die Auszahlung folgt am 31. Juli 2026.
Die Aktionäre stimmen außerdem über einen Garantierahmen von bis zu 150 Milliarden Renminbi für Tochtergesellschaften und Beteiligungen ab — sowie über die Bestellung von Ernst & Young Hua Ming als Abschlussprüfer für 2026.
Starke Technologie, schwache Zahlen
Die Technologieoffensive trifft auf ein schwieriges Quartal. Der Nettogewinn brach im ersten Quartal um 55 Prozent auf 4,09 Milliarden Yuan ein. Der Umsatz fiel um 12 Prozent auf 150,2 Milliarden Yuan. Preiskampf in China und ein stärkerer Yuan drückten die Margen.
Im Mai stoppte BYD immerhin eine achtmonatige Absatzschwäche. Global verkaufte das Unternehmen 383.453 Fahrzeuge — ein Plus von 0,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das Auslandsgeschäft wächst robust. Die Inlandsverkäufe sanken dagegen um 24 Prozent — der dreizehnte Rückgang in Folge.
BYD rechnet für das Gesamtjahr mit 13 Prozent Absatzwachstum und peilt 1,3 bis 1,6 Millionen internationale Auslieferungen an. Viele chinesische Käufer warten offenbar auf neue Modelle mit der verbesserten Lade- und Batterietechnologie.
26 von 27 Analysten empfehlen die Aktie zum Kauf. Sie sehen Exportwachstum als stärksten Kurstreiber — und den Margendruck im Heimatmarkt als größtes Risiko. Die H-Aktie liegt aktuell rund zehn Prozent unter ihrem 200-Tage-Durchschnitt. Ob die Technologiestory die Gewinnlücke schließen kann, dürfte die Hauptversammlung am Montag zumindest teilweise beantworten.
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