BYD Aktie: Auslandsgeschäft überholt Heimatmarkt
BYD steigert die Ausfuhren deutlich und plant weiteres Wachstum im Ausland, während Preisdruck in China die Aktie belastet.
Kurz zusammengefasst
- Exportziel für 2026 deutlich angehoben
- Auslandsgeschäft übertrifft erstmals China-Umsatz
- Schiffslogistik begrenzt weiteres Wachstum
- Aktie bleibt trotz Fortschritten unter Druck
BYD schraubt seine internationalen Wachstumspläne kräftig nach oben. Der chinesische Elektroautobauer erhöhte am Montag im Rahmen eines Investorengesprächs sein Exportziel für 2026 auf 1,9 bis 2 Millionen Fahrzeuge – zuvor waren 1,5 Millionen anvisiert.
Für 2027 strebt das Unternehmen mehr als 2,5 Millionen Auslandsverkäufe an. Die Aktie honoriert die Nachricht bislang nicht: An der Börse notiert das Papier bei 9,24 Euro und büßt am heutigen Dienstag 1,4 Prozent ein.
Auslandsgeschäft überholt erstmals den Heimatmarkt
Die Zahlen hinter der neuen Prognose sind beeindruckend. Im ersten Halbjahr exportierte BYD 792.300 Fahrzeuge mit Neuenergie-Antrieb, ein Plus von 68 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Auslandsumsatz kletterte auf 181,268 Milliarden Yuan und übertraf mit einem Anteil von 52,57 Prozent erstmals den Inlandsumsatz von 163,2 Milliarden Yuan.
Pro exportiertem Fahrzeug verdient BYD im Ausland mehr als 20.000 Yuan – deutlich mehr als im hart umkämpften chinesischen Heimatmarkt, wo ein Preiskrieg die Margen drückt. Im August erreichte BYD mit 189.466 exportierten Fahrzeugen einen neuen Rekordwert.
Der Heimatmarktanteil lag im Juli bei 18 Prozent, das Unternehmen peilt mittelfristig 25 Prozent an. Der Kontrast zur Auslandsdynamik ist deutlich: Chinas gesamte Pkw-Exporte legten im August laut der China Passenger Car Association um 77,5 Prozent auf 894.000 Einheiten zu, während die Inlandsverkäufe um 23,7 Prozent auf 1,55 Millionen Fahrzeuge einbrachen – der elfte Rückgang in Folge. BYD und Geely gelten als die treibenden Kräfte hinter dem Exportboom.
Kapazitätsengpass bei Schiffen statt in den Fabriken
Als limitierenden Faktor für das Wachstum nennt BYD nicht die Produktionskapazität, sondern die Verschiffungslogistik. Das Unternehmen dementierte zugleich einen kursierenden Bericht, wonach für seine Super-Schnelllade-Modelle ein Auftragsstau von 250.000 Einheiten bestehe.
Firmenchef Wang Chuanfu erklärte laut chinesischen Medienberichten, die Produktionskapazität der Blade-Batterie der zweiten Generation steige monatlich um 20.000 bis 30.000 Fahrzeuge, ab dem vierten Quartal solle die Schnelllade-Technologie verstärkt im Ausland vermarktet werden. Bislang hat BYD rund 10.000 Schnellladestationen errichtet, bis Jahresende sollen es 20.000 werden, langfristig bis 2028 insgesamt 90.000.
Zur Absicherung des Exportwachstums setzt BYD auf lokale Fertigung. Das Werk in Ungarn soll im November oder Dezember die Produktion aufnehmen und damit EU-Zölle von 27 Prozent auf batterieelektrische Fahrzeuge aus China umgehen – nach Berechnungen von Citigroup lassen sich durch lokale Fertigung mehr als 40.000 Yuan pro Fahrzeug einsparen.
Zusätzlich läuft bereits die Produktion in Indonesien, in Brasilien entsteht eine Kapazität von 300.000 Fahrzeugen. Über die Tochtergesellschaft FinDreams Battery baut BYD zudem eine Kooperation mit Zero Carbon Engine in der Mongolei aus, die Energiespeicher sowie elektrifizierte Bergbau- und Logistik-Lkw umfasst.
Anleger bleiben trotz starker Zahlen zurückhaltend
Trotz der operativen Fortschritte bleibt die Kursreaktion verhalten. Das Papier notiert derzeit rund 26 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 12,49 Euro, das Anfang Oktober markiert wurde.
Die Diskrepanz zwischen starken operativen Kennzahlen und schwacher Kursentwicklung deutet darauf hin, dass Anleger den anhaltenden Preisdruck im chinesischen Heimatmarkt stärker gewichten als die Exporterfolge.
Analysten von Deutsche Bank Research und Citigroup zeigen sich in ihren Einschätzungen zum Investorengespräch dennoch optimistisch, dass die internationale Expansion die schrumpfenden Inlandsmargen zunehmend kompensieren kann.
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