BYD Aktie: Spanien und Frankreich für zweites Europa-Werk
BYD erwägt zweiten Produktionsstandort in Europa, während Exportwachstum die schwache China-Nachfrage ausgleicht.
Kurz zusammengefasst
- Exportwachstum von 70,7 Prozent
- Zweites Europa-Werk geplant
- Inlandsverkäufe erholen sich leicht
- Bewertung unter Branchenschnitt
BYD steckt in einem Balanceakt zwischen Exportboom und schwacher Heimatnachfrage. Zum Wochenschluss stand die Aktie bei 9,90 Euro, ein Plus von 3,68 Prozent auf Wochensicht. Trotz der jüngsten Erholung bleibt der Titel 33,11 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 14,80 Euro aus dem vergangenen Juli.
Die Erholungsbewegung wirkt fragil. Auf Jahressicht steht bei BYD ein Minus von 27,58 Prozent zu Buche, seit Jahresbeginn liegt die Aktie 7,52 Prozent im Minus. Zwar notiert der Kurs 2,88 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt von 9,62 Euro. Der 200-Tage-Durchschnitt von 10,64 Euro bleibt jedoch 6,94 Prozent entfernt — der mittelfristige Abwärtstrend ist damit noch nicht gebrochen.
Export gleicht schwache China-Nachfrage aus
Die operativen Zahlen zeigen ein gespaltenes Bild. In der ersten Jahreshälfte 2026 verkaufte BYD weltweit 1,81 Millionen Elektro- und Hybridfahrzeuge, 15,7 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Der Grund: Chinas Preiskrieg und gekürzte Subventionen ließen die Inlandsverkäufe um fast 40 Prozent einbrechen.
Im Ausland lief es dagegen deutlich besser. Die Exportverkäufe kletterten um 70,7 Prozent auf 792.256 Fahrzeuge. Für 2026 rechnet BYD nun mit 5,0 bis 5,5 Millionen verkauften Fahrzeugen insgesamt und hat das Exportziel auf 1,5 Millionen Einheiten angehoben — nach 1,05 Millionen im Jahr 2025.
Der Juni brachte zusätzlich ein positives Signal aus dem Heimatmarkt. Die inländischen Großhandelsverkäufe stiegen um 5,46 Prozent auf 403.472 Einheiten, der zweite Monat mit Wachstum in Folge. Parallel erreichten die Auslandsverkäufe mit 175.349 Fahrzeugen einen neuen Rekord, ein Sprung von 94,73 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Damit stammten im Juni bereits über 43 Prozent des Gesamtabsatzes aus dem Export.
Zweites Europa-Werk rückt näher
Für Investoren zählt derzeit vor allem eine strategische Weichenstellung: BYD steht kurz vor der Entscheidung über einen zweiten Produktionsstandort in Europa. Spanien und Frankreich gelten als Favoriten für den Kauf eines bestehenden Autowerks. Alfredo Altavilla, Sonderberater des Konzerns für Europa, sagte auf der Reuters-Automotive-Europe-Konferenz, die Entscheidung müsse „sehr bald“ fallen.
Ein solches Werk wäre der zweite Standort für Personenwagen in Europa. Das erste Werk in Szeged, Ungarn, installiert derzeit noch Anlagen — die Massenproduktion dort wird jetzt erst für das vierte Quartal 2026 erwartet. Ein geplantes Werk in der Türkei mit einer Investitionssumme von einer Milliarde US-Dollar liegt derweil ohne konkreten Zeitplan auf Eis.
Der Zeitdruck hat einen klaren Hintergrund: Europas Absatzzahlen laufen heiß. BYD steigerte sein Volumen auf dem Kontinent 2025 um 270 Prozent auf knapp 188.000 Fahrzeuge. In den ersten fünf Monaten 2026 verdoppelten sich die Verkäufe erneut auf über 100.000 Einheiten.
Bewertung bleibt umstritten
Analysten sind sich uneinig, wie teuer die Aktie tatsächlich ist. Eine aktuelle Bewertungsanalyse verweist darauf, dass BYD-Aktionäre trotz der Wachstumsstory in den vergangenen zwölf Monaten 36 Prozent verloren haben. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt bei 22,6 — niedriger als der Branchenschnitt vergleichbarer Elektroauto-Hersteller von 26,0, aber deutlich über dem Durchschnitt der breiteren Autoindustrie von 14,9.
Der Markt preist damit weiterhin eine Prämie gegenüber klassischen Autobauern ein, selbst nach dem Kursrückgang der vergangenen Monate.
In den kommenden Wochen dürften zwei Faktoren den Kurs bestimmen. Zum einen die Entscheidung über den europäischen Produktionsstandort, die laut Altavilla unmittelbar bevorsteht. Zum anderen die Frage, ob sich die exportgetriebene Erholung im zweiten Halbjahr fortsetzt, während der Preisdruck in China anhält.
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