BYD Aktie: Wang plant Toyota-Überholung in fünf Jahren
BYD strebt an, Toyota als weltgrößten Autobauer abzulösen. Der Fokus liegt auf Europa, wo die Produktion hochgefahren wird, während die Aktie nahe ihrem Jahrestief notiert.

Kurz zusammengefasst
- Ehrgeiziges Ziel: Toyota überflügeln
- Europäische Produktion wird priorisiert
- Exporte steigen um 65 Prozent
- Aktie nahe 52-Wochen-Tief
Gestern noch auf dem tiefsten Stand seit einem Jahr, heute mit frischen Ambitionen: BYD-Chef Wang Chuanfu hat auf der Hauptversammlung in Shenzhen das wohl kühnste Ziel der Automobilbranche ausgerufen. In fünf Jahren will der chinesische Elektropionier Toyota als volumenstärksten Autobauer der Welt ablösen.
Europa-Strategie mit Kurswechsel
Der Weg dorthin führt über Europa — allerdings anders als ursprünglich geplant. BYD pausiert sein milliardenschweres Investitionsprojekt in der Türkei. Vizepräsidentin Stella Li bestätigte, dass die geplante Fabrik im türkischen Manisa vorerst auf Eis liegt. Priorität hat jetzt das Werk im ungarischen Szeged, wo die Fahrzeugmontage im vierten Quartal 2026 starten soll.
Parallel sucht BYD einen zweiten Produktionsstandort in der EU. Anders als in Ungarn will das Unternehmen diesmal keine neue Fabrik bauen, sondern eine bestehende, unterausgelastete Anlage kaufen. Spanien gilt als Favorit. Das Ziel: EU-Zölle auf chinesische Elektrofahrzeuge umgehen, indem man lokal produziert.
Wachstum trotz Gegenwind
Das Exportgeschäft läuft. Von Januar bis Mai 2026 stiegen BYDs internationale Lieferungen um 65 Prozent. Brasilien, Großbritannien und Australien sind die wichtigsten Wachstumsmärkte. Im Heimatmarkt China drückt hingegen der Wettbewerb auf die Margen.
Hinzu kommt ein politisches Störfeuer: Das US-Verteidigungsministerium hat BYD auf seine Liste chinesischer Militärunternehmen gesetzt. Der Konzern wies die Einstufung in einer Pflichtmitteilung an die Hongkonger Börse zurück. BYD sei weder ein Militärunternehmen noch eine Einheit der zivil-militärischen Verflechtung. Das Listing schränke den Wertpapierhandel oder normale Geschäfte nicht ein, betonte das Management.
Kurs nahe Jahrestief
Die Aktie notiert bei 9,58 Euro — nur knapp über dem 52-Wochen-Tief von 9,25 Euro vom Vortag. Mit einem Jahresverlust von rund 12,5 Prozent und einem RSI von 35,7 nähert sich der Wert dem überverkauften Bereich. Am 11. Juni lief zudem der Ex-Dividenden-Tag, an dem BYD 0,41141 HKD je Aktie ausschüttete.
Für die zweite Jahreshälfte 2026 rücken zwei Produkte in den Fokus: die neue Limousine Seal 08, die in China bereits Vorbestellungen sammelt, und der Hybrid-Pickup Shark, der in Australien weiter ausgebaut werden soll. Ob Wang Chuanfus Fünfjahresplan aufgeht, hängt maßgeblich davon ab, wie schnell BYD seine europäische Produktion hochfährt — und ob Spanien tatsächlich zur zweiten Säule wird.
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