Carbios Aktie: Grenot startet am 1. Juni
Carbios-Chefwechsel: Benoît Grenot übernimmt und steht sofort vor offenen Finanzierungsfragen und verschobenen Projekten in China.

Kurz zusammengefasst
- Aktie erholt sich um 5,4 Prozent
- Neuer CEO tritt Amt an
- Werk in Haining verzögert sich
- Longlaville-Finanzierung bis Q3 angestrebt
Carbios hat kaum Zeit für einen ruhigen Führungswechsel. Benoît Grenot übernimmt den Chefposten und trifft sofort auf drei Baustellen: China, Longlaville und die Hauptversammlung. Die Aktie reagiert mit einer kräftigen Erholung, der Kurschart bleibt aber schwer angeschlagen.
Am Donnerstag gewann der Titel auf Euronext Growth Paris 5,41 Prozent auf 7,80 Euro.
Das ändert wenig am Bild der vergangenen Monate. Am Mittwoch lag der Schlusskurs bei 6,37 Euro, seit Jahresanfang steht ein Minus von 45,13 Prozent. Vom Zwölfmonatshoch trennt die Aktie noch 59,66 Prozent.
Der Rebound wirkt daher eher wie eine Reparaturbewegung als wie ein klarer Stimmungswechsel. Das Umfeld bleibt nervös.
Der RSI von 31,6 signalisiert Nähe zum überverkauften Bereich. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei 58,46 Prozent.
Neuer Chef, alte Baustellen
Der Verwaltungsrat ernannte Benoît Grenot mit Wirkung zum 1. Juni 2026 zum CEO. Vincent Kamel ging einen Tag zuvor in den Ruhestand. Unter Kamel schloss Carbios die Partnerschaft mit Wankai New Materials und trieb das Werk Longlaville voran.
Grenot übernimmt damit kein leeres Blatt. Er erbt Fortschritte, aber auch offene Finanzierungsfragen und industrielle Verzögerungen. Genau daran wird sein Start nun gemessen.
Die erste Belastungsprobe kam sofort. Carbios und Wankai verschieben die Inbetriebnahme des Werks in Haining auf das erste Halbjahr 2028. Die Partner nennen zusätzliche technische Arbeiten als Grund.
Der enzymatische Recyclingprozess muss an die Eigenschaften des Standorts angepasst werden. Das Projekt läuft also weiter, verliert aber Zeit.
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Auch die Kapitalmaßnahme rutscht nach hinten. Wankai soll sich weiter an einer zweckgebundenen Kapitalerhöhung über 5 Millionen Euro beteiligen. Der Schritt ist nun bis zum 31. Dezember 2026 vorgesehen.
Longlaville bleibt der Schlüssel
Die Kasse gibt Carbios etwas Luft. Zum Jahresende 2025 verfügte der Konzern über 59 Millionen Euro. Das soll die laufenden Kosten für mehr als zwölf Monate decken.
Ohne das Longlaville-Projekt rechnet Carbios für 2026 mit einem Mittelabfluss von rund 20 Millionen Euro. Damit ist Zeit gewonnen, aber das zentrale Investitionsprojekt bleibt offen.
Carbios hat für Longlaville bereits öffentliche Mittel von 42,5 Millionen Euro vertraglich gesichert. Wenn das gesamte Paket steht, soll es Baukosten von 230 Millionen Euro decken. Das Management peilt eine Einigung bis zum dritten Quartal 2026 an.
Parallel arbeitet Carbios an Vorverträgen für die künftige Produktion. Bis zu 70 Prozent der Kapazität könnten laut Unternehmen kurzfristig abgesichert werden. Rückenwind kommt von französischen und europäischen Regeln zum chemischen Recycling.
Hauptversammlung als erster Test
Die Hauptversammlung am 18. Juni 2026 in Paris wird Grenots erster formeller Auftritt vor den Aktionären. Beginn ist um 14 Uhr. Dort dürften vor allem Longlaville und die verschobene Wankai-Zahlung zählen.
Im September folgen die Halbjahreszahlen. Das Beta von -0,04 zeigt derweil, wie stark sich die Aktie von allgemeinen Marktbewegungen abkoppelt. Wichtiger sind konkrete Meilensteine wie Finanzierung, Partnerschaften und Baufortschritt.
Der Kursaufschwung verschafft Grenot nur Luft. Am 18. Juni zählt der Ton vor den Aktionären, bis zum dritten Quartal das Finanzierungspaket für Longlaville. Im September liefern die Halbjahreszahlen den nächsten Prüfpunkt.
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