Charter Communications Aktie: Cox-Übernahme Mitte August erwartet
Charter Communications überrascht mit starkem Gewinn, leidet aber unter Breitbandkundenverlusten und senkt die Jahresprognose.

Kurz zusammengefasst
- Gewinn je Aktie über Analystenschätzungen
- Nettoverlust von 172.000 Breitbandkunden
- Jahresprognose für EBITDA gesenkt
- Mobilfunk-Sparte mit 406.000 Neukunden
Der US-Telekommunikationsriese Charter Communications hat gestern seine Ergebnisse für das zweite Quartal 2026 vorgelegt. Während das Unternehmen beim Gewinn pro Aktie die Markterwartungen übertreffen konnte, enttäuschte die Entwicklung der Breitband-Abonnentenzahlen. Der anhaltende Wettbewerbsdruck durch Glasfaseranbieter und Mobilfunkbetreiber zwang das Management zudem zu einer Korrektur der Gewinnprognose für das Gesamtjahr.
Breitbandgeschäft unter Druck
Im Zentrum der gestrigen Meldungen stand der deutliche Rückgang bei den Internetkunden. Charter verlor im Berichtsquartal netto 172.000 Breitbandanschlüsse. Damit fielen die Abgänge spürbarer aus als im Vorjahreszeitraum, als das Unternehmen ein Minus von 116.000 Kunden verzeichnete. Analysten hatten im Vorfeld im Schnitt lediglich mit einem Verlust von rund 141.000 Kunden gerechnet. Laut Medienberichten sieht sich Charter einer intensiven Konkurrenz durch Fixed-Wireless-Angebote und den Glasfaserausbau anderer Telekommunikationsanbieter gegenüber.
Infolgedessen korrigierte das Unternehmen seine Erwartungen für das bereinigte EBITDA im Gesamtjahr 2026. Erwartete Charter zuvor noch ein leichtes Wachstum, geht das Management nun von einem Rückgang um etwa 1 Prozent auf Standalone-Basis aus. Der Umsatz sank im zweiten Quartal um 1,7 Prozent auf 13,5 Milliarden US-Dollar. Dennoch konnte Charter beim Gewinn pro Aktie (EPS) positiv überraschen: Mit 10,66 US-Dollar lag das Ergebnis über dem Analystenkonsens von rund 10,14 US-Dollar. Dieser Zuwachs wurde unter anderem durch Aktienrückkäufe unterstützt; im zweiten Quartal erwarb Charter 4,0 Millionen eigene Anteile für insgesamt 838 Millionen US-Dollar.
Lichtblicke im Mobilfunk und Videosegment
Trotz der Schwäche im Kerngeschäft mit Breitbandanschlüssen lieferte die Mobilfunksparte positive Impulse. Das Segment Spectrum Mobile konnte 406.000 neue Leitungen gewinnen, womit die Gesamtzahl auf 12,5 Millionen stieg. Dies entspricht einem Wachstum von rund 16 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. CEO Chris Winfrey bezeichnete Charter als den am schnellsten wachsenden Mobilfunkanbieter im eigenen Versorgungsgebiet. Zudem konnte das Unternehmen den Kundenschwund im Videobereich deutlich verlangsamen. Mit einem Verlust von 21.000 Video-Abonnenten fiel das Minus wesentlich geringer aus als die 80.000 Abgänge im Vorjahresquartal.
Die Börse reagierte gestern empfindlich auf die gesenkte Gewinnprognose und den Kundenabrieb im Internetbereich. Die Aktie von Charter Communications verlor gestern 3,54 Prozent an Wert und schloss bei 107,24 Euro. Seit Jahresbeginn summiert sich das Minus für die Anteilseigner damit auf 39,75 Prozent. Analysten von Häusern wie JPMorgan und Barclays reagierten auf die Zahlen mit einer Senkung ihrer Kursziele, auch wenn das Unternehmen operativ in einigen Bereichen die Schätzungen schlagen konnte.
Strategischer Fokus auf Cox-Übernahme und Schuldenabbau
Ein wesentlicher Faktor für die künftige Ausrichtung bleibt die geplante Übernahme von Cox Communications. Das Management bestätigte gestern, dass der Abschluss der 34,5 Milliarden US-Dollar schweren Transaktion für Mitte bis Ende August erwartet wird. Das kombinierte Unternehmen soll pro forma auf einen Jahresumsatz von rund 67 Milliarden US-Dollar und ein EBITDA von 28 Milliarden US-Dollar kommen. Charter erhofft sich durch die Integration Synergien in einer Größenordnung von 800 Millionen bis 1 Milliarde US-Dollar.
Parallel zur Expansion arbeitet das Unternehmen an seiner Kapitalstruktur. Charter kündigte gestern ein Umtauschangebot für Anleihen im Volumen von bis zu 3,5 Milliarden US-Dollar an. Ziel ist es, die Verschuldung, die zuletzt bei 93,8 Milliarden US-Dollar lag, langfristig zu optimieren. Das Unternehmen strebt innerhalb der nächsten drei Jahre ein Verhältnis von Nettoverschuldung zum EBITDA von 3,5 an. Um finanzielle Spielräume für die Cox-Integration zu schaffen, werden die Aktienrückkäufe im dritten Quartal vorerst pausiert und sollen voraussichtlich im vierten Quartal wieder aufgenommen werden. Die Investitionsausgaben (Capex) sollen nach einem Höchststand von geplanten 11,4 Milliarden US-Dollar im laufenden Jahr bis 2028 auf unter 8 Milliarden US-Dollar sinken.
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