Chevron Aktie: 12,07 Milliarden Dollar Gewinn im Q2
Chevron meldet für Q2 2026 einen Gewinnsprung auf 12,07 Mrd. Dollar und erhöht die Produktion. Analysten heben Kursziele an, während das Weiße Haus die hohen Gewinne kritisiert.

Kurz zusammengefasst
- Gewinn je Aktie übertrifft Prognosen deutlich
- Produktionsrekord in den USA erreicht
- Kursziele von Barclays und Bernstein erhöht
- Weißes Haus fordert niedrigere Benzinpreise
Chevron hat mit seinen Zahlen für das zweite Quartal 2026 die Markterwartungen klar übertroffen – und steht dennoch im Kreuzfeuer des Weißen Hauses. Der Konzern verdiente 12,07 Milliarden Dollar und damit fast fünfmal so viel wie im Vorjahresquartal. Der Gewinn je Aktie lag bei 6,06 Dollar und schlug damit die Konsensschätzung von 5,56 Dollar deutlich. Der Umsatz kletterte auf 70,06 Milliarden Dollar, ein Plus von 56,3 Prozent.
Rekordproduktion und schnellere Synergien
Hinter den Zahlen steht eine operative Beschleunigung, die über den reinen Ölpreiseffekt hinausgeht. Die Förderung stieg auf 4,07 Millionen Barreläquivalente pro Tag, ein Zuwachs von 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr, angetrieben von einem US-Rekord von 2,077 Millionen Barreläquivalenten täglich. Chevron erreichte zudem sein Kostensenkungsziel von 3 Milliarden Dollar sechs Monate früher als geplant. Die Synergien aus der Hess-Übernahme summierten sich bereits auf 1,5 Milliarden Dollar – die Hälfte mehr, als ursprünglich anvisiert. Der operative Cashflow lag bei 22,6 Milliarden Dollar, während der Konzern im Quartal 8,4 Milliarden Dollar Schulden abbaute und 6,6 Milliarden Dollar an Dividenden und Aktienrückkäufen an Aktionäre zurückgab.
Auf der Wachstumsseite setzt Chevron zusätzliche Akzente: Ein Stromliefervertrag mit Microsoft über 2,67 Gigawatt soll künftig zur Versorgung von Rechenzentren beitragen. Parallel dazu prüft Konzernchef Mike Wirth eine neue Pipeline-Route, die Öl aus dem Irak über Syrien oder die Türkei zum Mittelmeer transportieren und damit die Straße von Hormus umgehen würde. Durch die Meerenge fließt nach Wirths Angaben rund ein Fünftel der weltweiten Ölmenge; eine Störung dort koste den Markt 12 bis 13 Millionen Barrel täglich. Das Projekt sei bislang nur ein geprüftes Rahmenwerk, betonte Wirth, keine beschlossene Sache.
Analysten reagieren mit höheren Kurszielen
Die starken Quartalszahlen veranlassten mehrere Häuser, ihre Einschätzungen nach oben zu korrigieren. Barclays hob sein Kursziel auf 216 Dollar von zuvor 213 Dollar an, Bernstein erhöhte seine Marke auf 209 Dollar von 204 Dollar. Auf dem US-Parkett reagierte die Chevron-Aktie am Montag zunächst leicht nachgebend und schloss bei 195,38 Dollar, nachdem sinkende Rohölpreise die Rekordgewinne der Branche etwas überschatteten.
Im deutschen Handel notiert das Papier aktuell bei 169,72 Euro, ein Plus von 1,16 Prozent am heutigen Tag. Über die vergangenen 30 Tage hat die Aktie um 15,50 Prozent zugelegt und damit einen Teil der zwischenzeitlichen Verluste wieder aufgeholt. Zum bisherigen 52-Wochen-Hoch von 187,32 Euro fehlen derzeit noch 9,40 Prozent.
Bei institutionellen Investoren zeichnet sich ein gemischtes Bild ab: Während mehrere große Fondsgesellschaften ihre Positionen im zweiten Quartal aufstockten, reduzierte Confluence Investment Management seinen Bestand leicht. Auch ein Firmendirektor trennte sich im Mai von einem größeren Aktienpaket zu einem Kurs von 193,20 Dollar.
Trump attackiert Ölkonzerne wegen „zu hoher“ Gewinne
Die Rekordzahlen riefen prompt Kritik aus dem Weißen Haus hervor. Präsident Trump warf Chevron und ExxonMobil vor, „zu viel Geld“ zu verdienen, und forderte beide Unternehmen auf, einen Teil der Gewinne an die Verbraucher zurückzugeben. Hintergrund ist ein Benzinpreis von durchschnittlich rund 4,10 Dollar pro Gallone in den USA – ein Anstieg von etwa 30 Prozent seit Beginn des Konflikts mit dem Iran, verglichen mit knapp 2,98 Dollar zuvor. Trump verlangte einen Zielpreis von 2,25 Dollar je Gallone. Laut einer Marquette-Umfrage missbilligen 81 Prozent der Amerikaner allerdings den Umgang der Regierung mit den hohen Benzinpreisen selbst.
Chevron und ExxonMobil kamen im Quartal gemeinsam auf einen Gewinn von 26,5 Milliarden Dollar. Marktbeobachter verweisen darauf, dass die Treibstoffpreise vor allem vom globalen Ölpreis abhängen und weniger von unternehmerischen Entscheidungen einzelner Konzerne. Chevron selbst warnte zusammen mit anderen großen Ölkonzernen, dass die Treibstoffvorräte weltweit knapp blieben und die Preise an den Zapfsäulen vorerst erhöht bleiben dürften.
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