Chevron Aktie: 400.000 Barrel aus Venezuela geplant
Chevron verhandelt über mehr Förderung in Venezuela und meldet im zweiten Quartal 12,1 Milliarden US-Dollar Gewinn bei starkem Umsatz.

Kurz zusammengefasst
- Neue Förderverträge in Venezuela rücken näher
- Produktion soll auf 400.000 Barrel steigen
- Quartalsgewinn erreicht 12,1 Milliarden US-Dollar
- Aktie liegt 41 Prozent im Jahresplus
Der US-Energiekonzern Chevron forciert seine internationalen Wachstumspläne und steht unmittelbar vor einer massiven Ausweitung seiner Aktivitäten in Südamerika.
Während US-Energieminister Chris Wright am heutigen Mittwoch zu diplomatischen Gesprächen nach Venezuela reist, verdichten sich die Anzeichen für den Abschluss neuer Verträge im Orinoco-Gürtel. Diese Entwicklung ist Teil einer neuen US-Energiestrategie, die auf eine langfristige Sicherung globaler Ölreserven abzielt.
Großaufträge in der Carabobo-Region
Im Zentrum der Verhandlungen stehen zwei bedeutende Ölfelder in der Carabobo-Region. Medienberichten zufolge finalisiert Chevron derzeit die fiskalischen Bedingungen mit der Regierung in Caracas, um die Produktion über das Gemeinschaftsunternehmen PetroIndependencia auf bis zu 400.000 Barrel pro Tag auszuweiten. Begleitet werden die Gespräche von US-Regierungsvertretern, die den Zugriff auf die venezolanischen Reserven als strategisches Ziel ausgegeben haben.
Hintergrund dieser Bemühungen ist ein umfassendes Abkommen der Trump-Administration mit dem Konsortium North American Blue Energy Partners (NABEP). Dieser Vertrag gewährt den USA über eine Laufzeit von 100 Jahren Zugriff auf 17 Ölfelder mit geschätzten Reserven von 65 Milliarden Barrel.
Chevron fungiert hierbei als operativer Partner, um die teilweise veraltete Infrastruktur zu modernisieren und die Fördermengen zu stabilisieren. Experten weisen darauf hin, dass die Erschließung dieser Vorkommen eine wichtige Absicherung gegen die volatilen Märkte im Nahen Osten darstellt.
Krisentreffen wegen hoher Benzinpreise
Parallel zu den Expansionsplänen gerät das Management im Heimatmarkt unter politischen Druck. US-Präsident Trump hat die CEOs führender Mineralölunternehmen für den heutigen Mittwoch ins Weiße Haus geladen. Neben Chevron nehmen auch Vertreter von Marathon und Phillips 66 an dem Krisengipfel teil. Anlass sind die stark gestiegenen Kraftstoffpreise, die zuletzt die Marke von 4 US-Dollar pro Gallone überschritten haben.
Die US-Regierung fordert von den Konzernen eine Erhöhung der Raffineriekapazitäten und eine schnellere Auffüllung der strategischen Ölreserven. Da die heimischen Bestände auf den niedrigsten Stand seit den 1980er-Jahren gefallen sind, wird die Rückkehr zu venezolanischem Schweröl als notwendiger Schritt zur Preisstabilisierung angesehen.
Die angespannte Lage an der Straße von Hormus, die nach jüngsten US-Luftangriffen auf Ziele im Iran erneut eskaliert ist, verschärft die Dringlichkeit dieser Maßnahmen zusätzlich.
Starke Quartalszahlen stützen den Kurs
Finanziell agiert Chevron aus einer Position der Stärke heraus. Das Unternehmen konnte im zweiten Quartal einen Gewinn von 12,1 Milliarden US-Dollar ausweisen. Mit einem bereinigten Ergebnis je Aktie von 6,06 US-Dollar übertraf der Konzern die Erwartungen der Analysten deutlich.
Der Umsatz kletterte in diesem Zeitraum auf über 67 Milliarden US-Dollar. Diese Liquidität ermöglicht es dem Konzern, sowohl die Milliardeninvestitionen in Südamerika zu stemmen als auch die Verschuldung weiter abzubauen.
Die Anleger reagierten positiv auf die Kombination aus starken Geschäftszahlen und geopolitischen Expansionschancen. Die Aktie beendete den Handel am gestrigen Dienstag bei 182,08 Euro. Damit setzt das Papier seine Rally fort, die bereits vor rund zwei Wochen durch Berichte über einen Ölfund vor Angola befeuert wurde. Aktuell notiert der Wert nur noch -2,8 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch und verzeichnet seit Jahresbeginn eine Performance von 41 Prozent.
Für das laufende Geschäftsjahr bleibt die Dividendenpolitik ein zentraler Anker für Investoren. Chevron schüttet vierteljährlich 1,78 US-Dollar je Aktie aus, was einer Rendite von etwa 3,4 Prozent entspricht.
Analysten werten die jüngsten Abschlüsse als Bestätigung für die langfristige Strategie des Konzerns, sich durch kosteneffiziente Produktion in stabilen Partnerschaften vom volatilen Weltmarktpreis unabhängiger zu machen.
Während kurzfristig die Ergebnisse des Gipfels im Weißen Haus den Takt vorgeben dürften, bleibt der Ausbau in Venezuela der entscheidende Wachstumstreiber für die kommenden Jahre.
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