Chevron Aktie: Brent-Öl könnte auf 160 Dollar steigen
Chevron und ExxonMobil prognostizieren eine deutliche Verknappung des Ölangebots mit möglichen Preisen bis zu 160 Dollar je Fass.

Kurz zusammengefasst
- Ölreserven auf kritischem Niveau
- Brent-Rohöl könnte auf 160 Dollar steigen
- Chevron Aktie verliert 2,2 Prozent in einer Woche
- Lieferengpässe durch Nahost-Konflikt
Öl wird knapp. Und teuer. Sehr teuer. Die CEOs von Chevron und ExxonMobil schlagen Alarm – und ihre Warnung ist ungewöhnlich deutlich. Die globalen Ölreserven schrumpfen rasant, die Lieferketten stocken. Brent-Rohöl könnte auf 150 bis 160 Dollar je Fass steigen.
Chevron-Chef Mike Wirth zeichnete auf Industriekonferenzen ein düsteres Bild. Die „Puffer und Stoßdämpfer“ des Ölmarktes seien nahezu aufgebraucht. Die Fähigkeit des Marktes, Ungleichgewichte auszugleichen, schwinde dramatisch. Der physische Ölpreis werde ab Juni weiter steigen. Kein Wunder, dass Anleger nervös reagieren. Die Chevron Aktie notiert aktuell bei 156,84 Euro – ein Minus von 2,2 Prozent binnen Wochenfrist. Der RSI liegt mit 28,6 Punkten im überverkauften Bereich. Seit dem Jahreshoch bei 183,90 Euro Ende März verlor das Papier knapp 15 Prozent. Dabei steht die Aktie unterm Strich gut da: plus 17,9 Prozent seit Jahresbeginn, plus 30,2 Prozent auf Zwölfmonatssicht.
Nahrungsmangel am Ölmarkt
Die Lage ist prekär. ExxonMobil-Vizepräsident Neil Chapman sprach auf der Bernstein-Strategiekonferenz von „beispiellos niedrigen“ globalen Ölreserven. Die Welt verbraucht täglich 8,7 Millionen Barrel aus den strategischen Lagern – ein Rekordwert. Die US-amerikanischen Rohölbestände liegen rund zwei Prozent unter dem Fünfjahresschnitt.
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Die Ursache: der Konflikt im Nahen Osten. Die Straße von Hormus, die normalerweise 20 Prozent des weltweiten Öls transportiert, ist massiv gestört. Wirth zufolge fallen täglich bis zu 13 Millionen Barrel Rohöl aus. Selbst bei optimistischen Friedensverhandlungen rechnen die Konzerne nicht vor dem ersten oder zweiten Quartal 2027 mit einer vollständigen Wiederherstellung. Bis zu 80 Prozent der früheren Durchflüsse zu kommen – das würde schätzungsweise vier Monate dauern.
Futures bilden Realität nicht ab
Analysten modellieren Szenarien, in denen Brent-Rohöl auf 150 bis 160 Dollar steigt – falls die Reserven in den kommenden Wochen kritische Tiefststände erreichen. Die Prognose steht im krassen Kontrast zur jüngsten Kursentwicklung. Der Ölpreis war zuletzt gefallen, getrieben von Hoffnungen auf einen Friedensdeal. Die Futures-Märkte bilden die physische Realität nicht vollständig ab, betonen beide Konzerne. Ein solcher Preissprung hätte fatale Folgen: Nachfrageverfall und eine globale Rezession wären programmiert.
Die Kernfrage: Reicht die Warnung der Ölkonzerne, um den überverkauften Ölsektor wiederzubeleben? Die Chevron Aktie notiert deutlich unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 164,29 Euro. Die nächsten Wochen werden zeigen, ob die physische Knappheit stärker wiegt als die Friedenshoffnung – oder ob die Märkte die Risiken längst richtig eingepreist haben.
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