Chinas Exporte trotzen der Krise

Chinas Ausfuhren wachsen im August um 25 Prozent, während KI-Nachfrage, Yen-Aufwertung und Nahost-Risiken Asiens Märkte prägen.

Felix Baarz ·
KI-generiertes Symbolbild
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Chinas Handelsüberschuss erreicht 119,09 Milliarden Dollar
  • KI-Bedarf stärkt Hightech-Ausfuhren
  • Südkorea hebt Leitzins auf 3,00 Prozent
  • Australisches Verbrauchervertrauen fällt deutlich

Während in Peking die Binnennachfrage schwächelt, feiern Chinas Exporteure einen Boom. Die Ausfuhren legten im August um 25 Prozent zu – befeuert von einem unstillbaren Hunger nach KI-Technologie. Gleichzeitig sorgen ein rasant erstarkender Yen und neue Spannungen im Nahen Osten für Nervosität an Asiens Börsen.

China Exporte: Der Rettungsanker für die Konjunktur

Die chinesischen Exporte kletterten im August um 25,0 Prozent gegenüber dem Vorjahr und beschleunigten damit gegenüber den 23,9 Prozent im Juli. Die Importe legten sogar um 28,2 Prozent zu, mehr als von Analysten erwartet. Der Handelsüberschuss weitete sich auf 119,09 Milliarden US-Dollar aus – nach 112,5 Milliarden im Vormonat. In den ersten acht Monaten des Jahres summierte sich der Überschuss bereits auf 805,51 Milliarden Dollar. Damit steuert China im zweiten Jahr in Folge auf einen Wert von über einer Billion Dollar zu.

Treiber dieses Booms sind vor allem Hightech-Produkte. ANZ-Stratege Zhaopeng Xing verweist auf die starke Nachfrage nach KI-Produkten, Elektrofahrzeugen, Solarzellen und Lithium-Ionen-Batterien, die selbst Wetterausfälle kompensieren konnte. Hinzu kommt ein pragmatischer Faktor: Unternehmen beeilen sich weiterhin, Waren in die USA zu verschiffen, um Unsicherheiten bei künftigen Zöllen zuvorzukommen. Der Handelsüberschuss mit den USA allein wuchs auf 29,18 Milliarden Dollar.

Das Problem dabei: Chinas Wirtschaft hängt zunehmend am Tropf des Auslands. „China verlässt sich weiterhin auf seine Exporteure, um die Wirtschaft zu stützen“, bringt es Zhiwei Zhang von Pinpoint Asset Management auf den Punkt. Industrieproduktion, Einzelhandelsumsätze und Anlageinvestitionen schwächelten zuletzt, der Immobilienmarkt steckt seit Jahren in der Krise. Peking reagierte bereits mit einem 800-Milliarden-Yuan-Finanzierungsinstrument für Infrastrukturinvestitionen – doch die robusten Exportzahlen nehmen der Regierung vorerst den Druck, noch größere Konjunkturpakete aufzulegen. Analyst Hao Zhou von Guotai Haitong Securities sieht deshalb auch keine unmittelbare Zinssenkung am Horizont: Die Kombination aus starker Auslandsnachfrage und gezielten fiskalischen Maßnahmen mache eine geldpolitische Lockerung vorerst weniger dringlich.

Halbleiter-Boom treibt Südkorea und Japan an

Was für China gilt, zeigt sich in ähnlicher Form auch bei den Nachbarn. Südkoreas nominales Bruttoinlandsprodukt wuchs im zweiten Quartal um 9,2 Prozent gegenüber dem Vorquartal – das schnellste Tempo seit 47 Jahren. Angetrieben wurde dieser Sprung von starken Halbleiterexporten und Investitionen im KI-Bereich. Das reale BIP legte um 3,7 Prozent im Jahresvergleich zu, das Pro-Kopf-Bruttonationaleinkommen stieg nominal sogar um 26,4 Prozent.

Die Bank of Korea zog daraus bereits Konsequenzen und hob am 27. August ihren Leitzins um 25 Basispunkte auf 3,00 Prozent an – mit Verweis auf das robuste Wachstum und den anhaltenden Halbleiter-Superzyklus. Für das Gesamtjahr rechnet die Notenbank nun mit einem Wachstum von 3,3 Prozent.

Auch Japans Wirtschaft überraschte positiv: Das BIP wuchs im April-Juni-Quartal annualisiert um 1,4 Prozent, deutlich mehr als die zunächst gemeldeten 1,1 Prozent. Grund dafür waren nach oben revidierte Investitionsausgaben der Unternehmen sowie eine robuste Auslandsnachfrage, die um 0,5 Prozent zulegte. Die Kehrseite: Der private Konsum, der mehr als die Hälfte der japanischen Wirtschaftsleistung ausmacht, stagnierte. Immerhin stiegen die inflationsbereinigten Reallöhne im Juli um 2,4 Prozent – der stärkste Anstieg seit Mai 2021 und der siebte Monat in Folge mit Zuwächsen.

Yen-Rally und Zinsfantasie belasten Marktstimmung

Die guten Konjunkturdaten befeuern Spekulationen über eine weitere Straffung der japanischen Geldpolitik – mit spürbaren Folgen für den Devisenmarkt. Der Yen kletterte am Dienstag auf bis zu 153,51 Dollar und markierte damit den höchsten Stand seit Februar. Damit hat sich die japanische Währung binnen weniger Tage um fast 4 Prozent von rund 160 Yen pro Dollar erholt. Marktbeobachter sprechen von einer regelrechten Trendwende: Händler lösten in großem Stil Short-Positionen auf, nachdem der Yen wichtige Unterstützungsniveaus durchbrochen hatte.

„Mit einem Lohnwachstum, das von Monat zu Monat an Fahrt gewinnt, wird das Argument für eine schnellere Straffung durch die Bank of Japan immer überzeugender“, kommentierten Analysten von Capital Economics. Am Geldmarkt wird inzwischen eine Wahrscheinlichkeit von 98 Prozent für eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte auf 1,25 Prozent im September eingepreist.

Die Nervosität an den Märkten hat aber noch eine zweite Ursache: geopolitische Spannungen. Nach den jüngsten Angriffen zwischen den USA und Iran am Wochenende drohte Teheran mit Vergeltungsschlägen gegen Energieinfrastruktur in der gesamten Golfregion, einschließlich US-amerikanischer Öl- und Gasinteressen. Die Brent-Rohölpreise kletterten daraufhin auf ein Sechs-Wochen-Hoch von über 97 Dollar je Barrel, während die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen auf 4,788 Prozent stieg.

Australiens Verbraucher im Stimmungstief

Während Nordasiens Exportmaschinerie brummt, zeigt sich in Australien das genaue Gegenteil. Der Westpac-Melbourne-Institute-Index für das Verbrauchervertrauen brach im September um 5,2 Prozent auf 84,4 Punkte ein – nachdem er im August noch um 6,0 Prozent gestiegen war. Steigende Spritpreise, die nach dem Auslaufen einer temporären Steuersenkung wieder über 2 Australische Dollar je Liter kletterten, sowie die Furcht vor weiteren Zinserhöhungen drückten auf die Stimmung.

Besonders Hypothekenschuldner reagierten verunsichert: Bei ihnen sackte das Vertrauen um 13 Prozent ab, während es bei Mietern nur leicht zurückging. Der Grund liegt auf der Hand – eine überraschend hohe Kerninflation im Juli hat Spekulationen über eine vierte Zinserhöhung der Reserve Bank of Australia in diesem Jahr neu entfacht. Die nächste Zinsentscheidung steht am 28. und 29. September an.

Ausblick

Asiens Wirtschaft driftet damit weiter auseinander: Exportstarke Nationen wie China, Südkorea und Japan profitieren vom KI- und Halbleiterboom, während schwache Binnennachfrage und geopolitische Risiken die Stimmung belasten. Ob die für später im September geplante Annäherung zwischen Washington und Peking bei gegenseitigen Zollsenkungen den Handelsboom verstetigt, oder ob die Iran-Krise die Rohstoffmärkte weiter aufwühlt, dürfte in den kommenden Wochen über die Richtung der asiatischen Märkte entscheiden.

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