Chip-Rally vor Nvidia-Zahlen: UBS traut dem Zyklus auch ohne den Platzhirsch

UBS erwartet 1,2 Billionen Dollar KI-Investitionen bis 2027. Deutsche Chipwerte legen zu, während Nvidia vor seinen Quartalszahlen steht.

Eduard Altmann ·
Nvidia Aktie

Kurz zusammengefasst

  • UBS prognostiziert 1,2 Billionen Dollar KI-Investitionen
  • Deutsche Chipwerte legen kräftig zu
  • Nvidia-Quartalszahlen am Mittwoch erwartet
  • China: Selektive Rotation statt einheitlicher Rallye

Liebe Börsianerinnen und Börsianer,

während in Wolfsburg noch die Betriebsversammlungen laufen und Berlin sich zur Wachstumsklausur zurückzieht, verschiebt sich das eigentlich große Geld heute Richtung Halbleiter. Aixtron, Süss Microtec, Infineon und Jenoptik legen zwischen 1,5 und 3 Prozent zu – Treiber ist eine UBS-Prognose, die den globalen KI-Investitionen auch 2027 keine Verschnaufpause zugesteht. Wer nur auf Deutz und die nächste Rüstungsschlagzeile schaut, verpasst, wo sich die Kurse gerade tatsächlich bewegen.

Der KI-Kapitalzyklus läuft weiter – mit oder ohne Nvidia

UBS rechnet damit, dass die weltweiten KI-Investitionen 2027 auf rund 1,2 Billionen US-Dollar steigen – ein Plus von etwa 33 Prozent gegenüber 2026. Der Philadelphia Semiconductor Index hat allein in diesem Jahr schon rund 60 Prozent zugelegt, und die deutschen Zulieferer haben diesen Zyklus längst im Kurs verarbeitet: Aixtron hat sich binnen zwölf Monaten mehr als verdreifacht, Süss Microtec liegt gut 150 Prozent höher, Jenoptik gut 120 Prozent. Diese Zahlen sind der eigentliche Punkt – nicht die Tagesbewegung von heute, sondern der Beleg, dass der KI-Kapitalzyklus hier als Hebel wirkt, lange bevor der wichtigste Einzelwert der Branche überhaupt berichtet hat.

Und genau dieser Bericht steht bevor: Nvidia legt am Mittwoch nach US-Börsenschluss Quartalszahlen vor, die Reaktion zeigt sich hierzulande erst am Donnerstagmorgen. Der Markt erwartet einen Umsatz von rund 92 Milliarden Dollar – gut doppelt so viel wie die 46,7 Milliarden im Vorjahresquartal – und preist über Optionen eine Kursbewegung von 5,4 Prozent ein, was einem Marktwert von 280 Milliarden Dollar entspricht. Die Aktie war zuletzt sieben Handelstage in Folge unter Druck, auch weil Nvidia für 2027 Preiserhöhungen von bis zu 15 Prozent bei KI-Server-Chips angekündigt hat – steigende Speicherkosten treiben die Kalkulation. Genau hier löst sich die Story von der einzelnen Kennzahl: Wie der Markt auf die Zahlen reagiert, entscheidet über Nvidias Kurs in den nächsten Tagen. Der UBS-Ausblick auf 2027 spricht dagegen für die gesamte Zulieferkette – auch wenn Nvidia selbst ins Stottern gerät.

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Während Aixtron, Süss Microtec und Jenoptik den KI-Kapitalzyklus bereits im Kurs abbilden, fragen sich viele Anleger, welche Big-Data-Werte den nächsten Schub tragen könnten. Ein aktueller Report bündelt zehn Aktien, die als Rückgrat der globalen KI-Infrastruktur gelten. Jetzt Report anfordern

China: Keine Rallye, sondern Rotation

An den chinesischen Börsen fiel die Bewegung am Dienstag uneinheitlich aus: Der Shanghai Composite legte um 0,19 Prozent auf 3.889,44 Punkte zu, während der Shenzhen Component 0,35 Prozent verlor und der Wachstumsindex ChiNext sogar ein Prozent nachgab. Bemerkenswert ist dabei nicht der Indexstand, sondern das Volumen: Bei einem Handelsumsatz von umgerechnet knapp 235 Milliarden Euro legten mehr als 4.200 Einzelwerte zu – trotz schwächerer Indizes. Das ist kein Widerspruch, sondern ein Muster: Geld fließt, aber selektiv. Eoptolink Technology gab 2,7 Prozent nach, Luxshare Precision gewann 2,1 Prozent. Für deutsche Anleger mit China-ETFs oder US-notierten China-ADRs heißt das: Von einer einheitlichen Rallye kann derzeit keine Rede sein. Es dominiert Sektor- und Titelrotation, während in Peking parallel die Sitzung des Ständigen Ausschusses des Nationalen Volkskongresses läuft, vom 25. bis 28. August.

Ein Beispiel für diese Rotation liefert PDD Holdings, die Konzernmutter von Temu. Der Umsatz im zweiten Quartal stieg um 8 Prozent auf 112,4 Milliarden Yuan (rund 14,3 Milliarden Euro) – das blieb unter der Analystenschätzung von 115,2 Milliarden Yuan. Der bereinigte Nettogewinn sank zwar um 13 Prozent auf 28,5 Milliarden Yuan (rund 3,63 Milliarden Euro), lag damit aber über dem Konsens von 28 Milliarden Yuan. Die Aktie reagierte trotz des schwächeren Wachstums positiv. Die Botschaft: Der Markt bewertet bei chinesischen Plattformwerten, die zuletzt unter Preisdruck standen, Ertragsdisziplin gerade höher als reines Umsatzwachstum.

Berlin plant eine Übergewinnsteuer – die Energiebranche warnt vor Investitionsausfällen

Einen Gegenpol zur Chip-Euphorie liefert die deutsche Energiewirtschaft. Der Wirtschaftsverband en2x warnt eindringlich vor einer vom Bundesfinanzminister vorgeschlagenen Übergewinnsteuer für die Branche. Die betroffenen Unternehmen sichern nach Verbandsangaben rund ein Drittel der deutschen Energieversorgung und stehen hinter etwa 600.000 Arbeitsplätzen. Der Verband sieht durch die Steuer die Investitionsbereitschaft in Raffinerien gefährdet – und damit letztlich die Versorgungssicherheit. Wer Energietitel im Depot hat, sollte diese politische Front im Blick behalten: Ein tatsächlicher Gesetzentwurf würde Bewertungen und Ausbaupläne der Branche unmittelbar berühren, gerade in der Woche, in der die Bundesregierung ohnehin über Wirtschaftswachstum und Wettbewerbsfähigkeit berät.

Am Rande, aber nicht ohne Relevanz: Das Bundeskartellamt hat die 1,6-Milliarden-Euro-Übernahme des Rüstungszulieferers FFG durch Deutz freigegeben, die Aktie sprang daraufhin auf ein Dreimonatshoch. Angesichts der Fülle an Rüstungsdeals in diesem Jahr ist das eher Bestätigung eines bekannten Trends als eine neue Geschichte.

Unterm Strich

Die Woche entscheidet sich an zwei Terminen: Nvidias Zahlen am Mittwochabend US-Zeit und der Auftritt von Fed-Chair Kevin Warsh am Freitag in Jackson Hole, wo er das Inflationsziel verteidigen muss, ohne die Anleihemärkte weiter zu verschrecken – 30-jährige US-Treasuries notieren bereits bei 5,25 Prozent. Der Unterschied zu gestern: Ging es in der VW-Berichterstattung um die Frage, wie viel Kostendisziplin die deutsche Industrie verträgt, geht es im Chipsektor um das Gegenteil – wie viel Investitionsbereitschaft die Weltwirtschaft noch aufbringt. UBS beantwortet das mit 1,2 Billionen Dollar für 2027. Bis Donnerstag wissen wir, ob Nvidia diese These bestätigt oder ob die Zulieferkette ihren eigenen Weg geht, komplett unabhängig vom größten Namen der Branche.

Beste Grüße,

Ihr Eduard Altmann

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