Coca-Cola liefert, der DAX bröckelt – und 20 Arbeitsagenturen nennen den Grund

Coca-Cola übertrifft Erwartungen und hebt Prognose an, während der DAX nachgibt und der Ölpreis steigt. Die Deutsche Börse profitiert von der Unsicherheit.

Eduard Altmann ·
Coca-Cola liefert, der DAX bröckelt – und 20 Arbeitsagenturen nennen den Grund

Kurz zusammengefasst

  • Coca-Cola übertrifft Quartalserwartungen
  • DAX fällt, Ölpreis über 111 Dollar
  • Deutsche Börse mit Rekord-Erlösen
  • Bitcoin unter 77.000 Dollar gefallen

Liebe Leserinnen und Leser,

gestern schrieb ich, dass nun die Technologiebranche am Zug sei und beweisen müsse, dass ihre gewaltigen Zukunftsinvestitionen die hohen Bewertungen rechtfertigen. Noch bevor Microsoft, Alphabet und Meta morgen Abend ihre Bücher öffnen, liefert dieser Dienstag bereits eine klare Antwort – nur kommt sie aus einer anderen Ecke. Nicht die Zukunftsinvestoren glänzen, sondern die Gegenwartsverdienenden.

Der DAX notiert am Dienstagnachmittag bei rund 24.003 Zählern, gut 240 Punkte unter dem Montagsschluss. Brent-Rohöl hat die Marke von 111 US-Dollar überschritten. Und das IAB-Arbeitsmarktbarometer zeigt mit 99,4 Punkten den schwächsten Beschäftigungsausblick seit der Corona-Pandemie. Drei Koordinaten, die ein Bild ergeben: Die Kosten steigen, die Konjunktur kühlt ab, und wer in diesem Umfeld bestehen will, braucht die Fähigkeit, Preise durchzusetzen.

Coca-Cola zeigt, wie Preismacht funktioniert

Während in Frankfurt die roten Vorzeichen dominieren, legte Coca-Cola am Dienstag Quartalszahlen vor, die den Unterschied zwischen Preisnehmern und Preissetzern auf eine Formel bringen: Das bereinigte Ergebnis je Aktie erreichte 0,86 US-Dollar – der Konsens lag bei 0,81 US-Dollar. Der Umsatz stieg auf 12,47 Milliarden US-Dollar, getragen von 10 Prozent organischem Wachstum und einem weltweiten Volumenplus von 3 Prozent. Atlanta hob die Jahresprognose für das EPS-Wachstum auf 8 bis 9 Prozent an. Die Aktie quittierte das mit einem Plus von rund 3 Prozent.

Auch PepsiCo hatte zuletzt mit einem Umsatzwachstum von 8,5 Prozent und einem operativen Gewinnsprung von über 24 Prozent überzeugt. Flossbach Von Storch stockte die Position im vierten Quartal auf über 6,1 Millionen Aktien auf – ein institutionelles Vertrauensvotum in die Preissetzungskraft des Sektors.

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Heute Abend nach US-Börsenschluss folgt Visa mit den Zahlen zum zweiten Fiskalquartal. Der Zahlungsabwickler, dessen Aktie seit Jahresbeginn rund 11,5 Prozent auf knapp 310 US-Dollar nachgab, steht vor einer interessanten Prüfung. Der Konsens erwartet 10,7 Milliarden US-Dollar Umsatz und ein EPS zwischen 3,05 und 3,10 US-Dollar. Die Citigroup hält ein Kursziel von 400 US-Dollar für angemessen, Truist Securities sieht 361 US-Dollar. Beide Häuser setzen darauf, dass ein Geschäftsmodell, das an jedem Zahlungsvorgang verdient, von steigenden Preisen profitiert statt unter ihnen zu leiden.

Deutsche Börse: Wenn Unsicherheit zur Einnahmequelle wird

Im DAX gibt es an diesem Dienstag einen Gewinner, der seine Existenzberechtigung gerade aus der Krise zieht. Die Deutsche Börse legte um 0,4 Prozent zu – bescheiden auf den ersten Blick, aber untermauert von Rekordwerten im operativen Geschäft. Die Nettoerlöse wuchsen im ersten Quartal ohne Treasury-Ergebnis um 12 Prozent auf 1,43 Milliarden Euro. Das EBITDA erreichte inklusive Treasury-Ergebnis die Marke von einer Milliarde Euro – ein Plus von 10 Prozent. Finanzvorstand Jens Schulte sieht den Konzern „voll auf Kurs“ für das Jahresziel von 3,1 Milliarden Euro EBITDA. Warburg Research bestätigte die Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 293 Euro.

Ganz anders die Lage bei den übrigen deutschen Werten. Qiagen brach um 6,3 Prozent ein, nachdem das Unternehmen seine Jahresziele senkte. Bayer verlor 3,1 Prozent vor einer wichtigen Glyphosat-Anhörung in den USA. Salzgitter stürzte im MDAX um 9 Prozent ab – Pläne zum Verkauf eigener Aktien zur Erhöhung des Streubesitzes verunsicherten den Markt. Für einen Lichtblick sorgte Init Innovation: Ein Großauftrag über 377 Millionen Euro aus dem australischen New South Wales für die Modernisierung des Sydney Opal-Netzwerks trieb die Aktie um 12,5 Prozent nach oben.

Der Ölpreis frisst sich in den Arbeitsmarkt

Die Blockade der Straße von Hormus hat laut der Internationalen Energieagentur zum größten Angebotsausfall in der Geschichte des Ölmarkts geführt. Im März sank das globale Angebot um über 10 Millionen Barrel pro Tag. Brent-Rohöl notierte am Dienstag zeitweise bei 111,46 US-Dollar.

Was das für Deutschland bedeutet, lässt sich inzwischen beziffern. 20 von 146 Arbeitsagenturen nennen den Iran-Konflikt explizit als Grund für steigende Arbeitslosigkeit. Das Ifo-Beschäftigungsbarometer fiel auf 91,3 Punkte; Institutsleiter Klaus Wohlrabe spricht von „spürbar zunehmendem Druck am Arbeitsmarkt“. Der BIP-Nowcast des Wirtschaftsministeriums taxiert das erste Quartal 2026 auf 0,0 Prozent Wachstum, das zweite auf minus 0,2 Prozent. Die Stagnation, die viele Ökonomen für das Gesamtjahr prognostizierten, ist bereits eingetreten – nur dass sie sich nun zur Schrumpfung auszuwachsen droht.

Tokio gibt den Takt vor – und Bitcoin verliert den Rhythmus

Die geldpolitische Woche begann am Dienstag in Asien. Die Bank of Japan beließ ihren Leitzins bei 0,75 Prozent, hob aber die Inflationsprognose für das Fiskaljahr 2026 von 1,9 auf 2,8 Prozent an und halbierte die Wachstumserwartung auf 0,5 Prozent. Weniger Wachstum, mehr Inflation – diese Kombination fürchten Anleger auch diesseits und jenseits des Atlantiks.

Am Kryptomarkt schlug die Stimmung am Dienstag um. Bitcoin fiel unter 77.000 US-Dollar. Am Montag hatten Nettoabflüsse von 263,2 Millionen US-Dollar aus US-Spot-Bitcoin-ETFs eine neuntägige Zuflussserie beendet.

48 Stunden, die den Frühling entscheiden

Morgen Abend verdichtet sich die Informationslage auf eine Weise, die selbst für diese Berichtssaison außergewöhnlich ist. Die Fed verkündet ihre Zinsentscheidung, und nach Börsenschluss legen Microsoft, Alphabet, Meta und Amazon ihre Quartalszahlen vor. Der Markt wird prüfen, ob die gewaltigen KI-Investitionen in echtes Umsatzwachstum münden. Erste Zweifel nährten sich am Dienstag: Berichte über verfehlte Umsatz- und Nutzerziele bei OpenAI drückten die Aktien von Oracle um knapp 5 Prozent und CoreWeave deutlich ins Minus. Am Donnerstag folgt die EZB.

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Die Trennlinie dieser Woche verläuft nicht zwischen Branchen, sondern zwischen Geschäftsmodellen. Coca-Cola und die Deutsche Börse zeigen auf völlig unterschiedliche Weise dasselbe Prinzip: Wer seine Preise oder Gebühren durchsetzen kann – sei es am Supermarktregal oder am Handelsplatz –, dem kann auch ein Ölpreis von 111 Dollar wenig anhaben. Wer das nicht kann, spürt den Druck bereits am Arbeitsmarkt. Die nächsten 48 Stunden werden zeigen, auf welcher Seite die Technologiebranche steht.

Herzlichst,

Ihr Eduard Altmann

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