Commerzbank Aktie: 1,81 Milliarden Halbjahresgewinn stützt Verhandlungen

Commerzbank meldet Rekordhalbjahr und hebt Prognose an. Aufsichtsratschef Weidmann spricht sich gegen schnellen Staat-Rückzug aus, während UniCredit expandiert.

Andreas Sommer ·
Commerzbank Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Weidmann gegen schnellen Staatsausstieg
  • Rekordgewinn von 1,81 Milliarden Euro
  • Jahresprognose auf 3,4 Milliarden angehoben
  • Aktienrückkauf über 1,2 Milliarden Euro

Aufsichtsratschef Jens Weidmann hat sich am Sonntag gegen einen schnellen Rückzug des Bundes aus der Commerzbank ausgesprochen. Der Staat solle „perspektivisch“ aussteigen, sagte er der Süddeutschen Zeitung, doch in der aktuellen Phase mache es Sinn, dass er weiter Aktionär bleibe, um die Interessen des Standorts Deutschland aktiv zu vertreten. Der Bund hält rund 12 Prozent und ist damit zweitgrößter Aktionär hinter UniCredit.

Weidmanns Äußerung fällt in eine Phase, in der sich die Übernahmefront verschiebt. UniCredit hat sich Zugriff auf fast 50 Prozent der Anteile gesichert, Medienberichten zufolge hat auch der Commerzbank-Vorstand seinen Widerstand faktisch aufgegeben. Vorstandschefin Bettina Orlopp setzt inzwischen auf direkte Gespräche mit UniCredit-Chef Andrea Orcel.

Der wiederum lässt wenig Zweifel daran, dass er seinen im Frühjahr vorgestellten Umbauplan mit Kosteneinsparungen von 1,2 bis 1,3 Milliarden Euro und dem Abbau tausender Stellen weitgehend durchziehen will. Genau davor warnte Weidmann: Um dieses Sparziel binnen zwölf Monaten zu erreichen, müsse auch in Deutschland massiv reduziert werden.

Rekordgewinn stützt die Verhandlungsposition

Die Commerzbank tritt Orcel dabei nicht aus einer Position der Schwäche gegenüber. Im zweiten Quartal steigerte die Bank ihren Gewinn um 94 Prozent auf 898 Millionen Euro, im gesamten ersten Halbjahr kletterte das Nettoergebnis um rund 40 Prozent auf den Rekordwert von 1,81 Milliarden Euro.

Der Vorstand hob daraufhin die Jahresprognose an: Für 2026 rechnet die Bank nun mit einem Nettogewinn von mindestens 3,4 Milliarden Euro, zuvor war von „mehr als 3,2 Milliarden Euro“ die Rede.

Flankiert wurden die Zahlen von einem weiteren Aktienrückkaufprogramm über 1,2 Milliarden Euro. Die EZB hat bereits zugestimmt, die Freigabe der Finanzagentur des Bundes steht noch aus. Marktbeobachter werten das Volumen auch als Signal in Richtung der laufenden UniCredit-Gespräche – ein Zeichen, dass die Commerzbank ihre eigene Bewertung selbstbewusst verteidigt.

Die EZB selbst hat intern offenbar keine grundsätzlichen Bedenken gegen eine Übernahme, warnte laut Medienberichten aber vor einem „herausfordernden und langwierigen Integrationsprozess“.

Analysten sehen weiteres Potenzial

Anfang August hatten mehrere Häuser ihre Kursziele deutlich angehoben. Die DZ Bank erhöhte den fairen Wert auf 46 Euro und bestätigte die Kaufempfehlung – Analyst Philipp Häßler berücksichtigt eine Übernahme durch UniCredit inzwischen als Basisszenario, ein deutlicher Wandel gegenüber seiner skeptischeren Haltung zu Jahresbeginn. RBC Capital Markets hob sein Kursziel auf 43 Euro an und stufte die Aktie auf „Outperform“ hoch.

Die Aktie selbst bewegt sich seit dem Wochenende im Aufwind: Seit dem Anteilsverkauf des Bundes an UniCredit am vergangenen Sonntag legte sie um 3,8 Prozent zu. Am Mittwoch notiert das Papier bei 40,53 Euro, ein Plus von 1,4 Prozent gegenüber dem Vortagesschluss von 39,98 Euro und nur 1,1 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 41,00 Euro.

Über den vergangenen Monat summiert sich der Anstieg auf 8,0 Prozent – ein Kursverlauf, der die wachsende Erwartung einer erfolgreichen Übernahme widerspiegelt, während gleichzeitig operative Stärke und politischer Rückhalt die Verhandlungsposition der Bank stützen.

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