Commerzbank Aktie: 800 Millionen Euro im Rekordquartal
Commerzbank signalisiert Gesprächsbereitschaft mit UniCredit. Aufsichtsratschef Weidmann lädt zum Treffen, politische Hürden sinken.

Kurz zusammengefasst
- Weidmann lädt UniCredit zu Verhandlungen
- Bundesregierung signalisiert keine Blockade
- Rekordquartal stärkt Commerzbank-Position
- Fusion könnte europäische Großbank schaffen
Commerzbank rückt von seiner bisherigen Abwehrhaltung ab. Erstmals zeigt sich das Institut offen für Verhandlungen mit dem italienischen Großaktionär UniCredit über eine mögliche Übernahme. Die Mailänder Bank hält inzwischen fast 48 Prozent des Kapitals und rund 50 Prozent der Stimmrechte an der Commerzbank – nach eigenen Bemühungen, die bereits 2024 begannen.
Aufsichtsratschef lädt UniCredit zum Gespräch
Commerzbank-Aufsichtsratschef Jens Weidmann hat UniCredit offiziell zu einem Treffen eingeladen. Damit reagiert er auf die veränderte Aktionärsstruktur, die dem italienischen Institut faktisch eine Sperrminorität mit Stimmrechtsmehrheit verschafft hat. Politischer Widerstand aus Berlin ist offenbar nicht mehr zu erwarten: Bundeskanzler Friedrich Merz signalisiert, dass die Bundesregierung eine Übernahme nicht blockieren werde. Damit fällt eine der zentralen Hürden weg, die den Übernahmeversuch von UniCredit seit Monaten begleitet hatte.
Fusion könnte europäische Großbank schaffen
Kommt es zum Zusammenschluss, entstünde eine der größten grenzüberschreitenden Bankengruppen der Europäischen Union. Unterstützung erhält das Vorhaben auch aus der deutschen Finanzbranche: LBBW-Chef Neske bezeichnet eine Übernahme durch UniCredit als notwendigen Schritt für die europäische Wettbewerbsfähigkeit des Bankensektors. Zugleich mahnt er strukturelle Reformen am Standort Deutschland an, etwa bei Arbeitszeiten, und sieht bei der LBBW selbst keine dramatische Verschärfung der Risikolage.
Die Commerzbank-Offerte reiht sich in eine breitere Konsolidierungswelle im europäischen Bankensektor ein. Parallel dazu treibt Intesa Sanpaolo in Italien eine Übernahme von Monte dei Paschi voran, während die italienische Finanzbranche für 2025 eine Eigenkapitalrendite von 13,8 Prozent auswies. Der Vorstoß von UniCredit bei der Commerzbank gilt in diesem Umfeld als Blaupause für weitere grenzüberschreitende Zusammenschlüsse in der Eurozone.
Rekordquartal stützt Verhandlungsposition
Commerzbank verhandelt aus einer vergleichsweise starken Position heraus. Im ersten Quartal 2026 verbuchte das Institut ein Nettoeinkommen von über 800 Millionen Euro – das stärkste Quartal seit zehn Jahren – bei einem Rekordumsatz von mehr als drei Milliarden Euro. Diese Zahlen dürften Weidmann bei den anstehenden Gesprächen mit UniCredit Rückenwind geben, schließlich unterstreichen sie den eigenständigen Wert der Bank. Ein möglicher Vollzug einer Transaktion wird derzeit für das vierte Quartal 2026 angepeilt.
An der Börse spiegelt sich die Übernahmefantasie in einer soliden Kursentwicklung wider. Die Aktie notiert aktuell bei 37,47 Euro und liegt damit rund 4,4 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 39,18 Euro, das erst im Juli markiert wurde. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 3,80 Prozent zu Buche. Anleger dürften die kommenden Wochen genau beobachten: Sollte sich Commerzbank tatsächlich auf konkrete Gespräche mit UniCredit einlassen, wäre dies der bislang deutlichste Schritt in Richtung einer der größten Bankenfusionen, die der europäische Finanzsektor seit Jahren gesehen hat.
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