Commerzbank Aktie: Abbau von 3.000 weiteren Stellen

Ex-Chef Knof verliert Vergütung wegen nicht gemeldeten UniCredit-Kontakts. Commerzbank stemmt sich mit neuem Strategieplan gegen Übernahme.

Eduard Altmann ·
Commerzbank Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Variable Vergütung um 30 Prozent gekürzt
  • UniCredit hält knapp 30 Prozent der Anteile
  • Eigenkapitalrendite soll bis 2030 auf 21 Prozent
  • 3.000 weitere Stellenstreichungen geplant

Eine Gehaltskürzung für einen Ex-Chef wirkt zunächst wie interne Aufräumarbeit. Bei der Commerzbank ist sie mehr: Sie zeigt, wie tief der Konflikt mit UniCredit inzwischen in die Governance der Bank reicht. Der frühere Vorstandschef Manfred Knof verliert wegen eines nicht gemeldeten Treffens mit UniCredit-Chef Andrea Orcel einen Teil seiner variablen Vergütung.

Heimliches Treffen wird teuer

Aufsichtsratschef Jens Weidmann erklärte auf der Hauptversammlung in Wiesbaden, der Aufsichtsrat habe Knofs variable Vergütung für das Geschäftsjahr 2024 um 30 Prozent gekürzt. Der Grund: Das Kontrollgremium sieht eine Pflichtverletzung darin, dass Knof den Vorstand nicht über sein Treffen mit Orcel informierte.

Das Treffen soll im September 2024 bei Knof zu Hause stattgefunden haben. Es fiel in eine heikle Phase, kurz nachdem der Einstieg von UniCredit bei der Commerzbank bekannt geworden war und Orcel für eine Übernahme warb.

Knof hatte später erklärt, Orcel sei unangekündigt erschienen. Das Gespräch habe keinen Erkenntnisgewinn gebracht, weshalb er keine Notwendigkeit gesehen habe, die Bank darüber zu informieren.

Allerdings bleibt die Kürzung begrenzt. Die Commerzbank darf variable Vergütungen nur für Jahre anpassen, in denen ein Pflichtverstoß festgestellt wurde.

Machtprobe mit UniCredit

Brisant ist vor allem, wer offenbar nicht informiert war. Der Aufsichtsrat und Knofs Nachfolgerin Bettina Orlopp erfuhren laut früherer Darstellung erst im Jahr 2025 aus der Presse von dem Treffen.

Seitdem hat UniCredit den Druck erhöht. Die italienische Großbank hält inzwischen knapp 30 Prozent der Commerzbank-Anteile sowie weitere Finanzinstrumente und hat ein Übernahmeangebot für die übrigen Aktien vorgelegt.

Auf der Hauptversammlung stellte sich die Mehrheit klar hinter die aktuelle Führung. Die Entlastung des Vorstands lag zwischen 99,58 und 99,64 Prozent. Den Vergütungsbericht billigten 91,28 Prozent.

Inhaltlich bleibt Frankfurt auf Abwehrkurs. Vorstand und Aufsichtsrat sehen nach Prüfung der Angebotsunterlage weder eine angemessene Prämie noch einen nachvollziehbaren strategischen Plan für einen Zusammenschluss.

Sollten Anleger sofort verkaufen? Oder lohnt sich doch der Einstieg bei Commerzbank?

Auch der Marktpreis stützt diese Argumentation bislang. Am Freitag schloss die Commerzbank-Aktie bei 36,16 Euro und lag damit über dem rechnerischen Angebotswert von 34,56 Euro, den die Bank für Mitte Mai genannt hatte. Auf Monatssicht steht ein Plus von 6,54 Prozent, der RSI von 79,6 signalisiert eine stark gelaufene Aktie.

Momentum 2030 als Gegenentwurf

Die Commerzbank setzt dem UniCredit-Angebot ihren Plan „Momentum 2030“ entgegen. Der Vorstand will die Eigenkapitalrendite bis 2030 auf 21 Prozent steigern und das Nettoergebnis auf 5,9 Milliarden Euro ausbauen.

Ein zentraler Hebel soll Künstliche Intelligenz werden. Dafür plant die Bank kumulierte Investitionen von rund 600 Millionen Euro zwischen 2026 und 2030.

Das ist nicht nur ein Technologieprojekt, sondern auch ein Effizienzprogramm. Die Bank will Prozesse stärker automatisieren und Kapazitäten freisetzen.

Ab 2030 erwartet der Vorstand einen jährlichen Beitrag von rund 500 Millionen Euro aus KI-Initiativen. Außerdem sollen etwa 10 Prozent der Kapazitäten frei werden.

Parallel dazu verschärft die Bank ihr Sparprogramm. Konzernweit sollen weitere 3.000 Vollzeitstellen wegfallen, zusätzlich zu den 3.900 Stellen, deren Abbau bereits im Februar 2025 angekündigt wurde.

Der nächste konkrete Termin ist das Ende der erweiterten Annahmefrist, die voraussichtlich bis zum 3. Juli 2026 läuft. UniCredit rechnet wegen ausstehender regulatorischer Genehmigungen erst im Jahr 2027 mit einem Abschluss des Angebots.

Die bisherige Resonanz ist schwach. In der ersten Wasserstandsmeldung vom 19. Mai 2026 wurden lediglich 0,02 Prozent der Commerzbank-Aktien angedient. Damit bleibt der Übernahmekonflikt offen, aber die Commerzbank geht mit klarer Rückendeckung der Hauptversammlung in die nächste Runde.

Commerzbank-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Commerzbank-Analyse vom 25. Mai liefert die Antwort:

Die neusten Commerzbank-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Commerzbank-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 25. Mai erfahren Sie was jetzt zu tun ist.

Commerzbank: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...

Commerzbank Aktie

36,16 EUR

+ 0,05 EUR +0,14 %
KGV 15,01
Sektor Finanzdienstleistungen
Div.-Rendite 2,96 %
Marktkapitalisierung 39,33 Mrd. EUR
ISIN: DE000CBK1001 WKN: CBK100

Community Forum zu Commerzbank

Ähnliche Artikel

SK Hynix Aktie: 16 gehebelte ETFs starten am 27. Mai

SK Hynix Aktie: 16 gehebelte ETFs starten am 27. Mai

ETFs ·
D-Wave Quantum Aktie: 52% Kursplus vor NYSE-Termin

D-Wave Quantum Aktie: 52% Kursplus vor NYSE-Termin

News ·
Erste Bank: Sparkassen verkaufen zehn Millionen Aktien

Erste Bank: Sparkassen verkaufen zehn Millionen Aktien

News ·
Nokia Aktie: Sieben Analysten heben Kursziel an

Nokia Aktie: Sieben Analysten heben Kursziel an

News ·
Porsche AG Aktie: Marge fällt auf ein Prozent

Porsche AG Aktie: Marge fällt auf ein Prozent

News ·

Weitere Artikel zu Commerzbank

Alle Artikel anzeigen
Commerzbank Aktie: 1,10 Euro Dividende, 69 Prozent Plus

Commerzbank Aktie: 1,10 Euro Dividende, 69 Prozent Plus

News ·
Commerzbank Aktie: Merz blockiert Golden Power nicht

Commerzbank Aktie: Merz blockiert Golden Power nicht

Banken & Versicherungen ·
Commerzbank Aktie: 99,88 Prozent für Eigenständigkeit

Commerzbank Aktie: 99,88 Prozent für Eigenständigkeit

Banken & Versicherungen ·
Commerzbank Aktie: Wiesbaden unter Druck

Commerzbank Aktie: Wiesbaden unter Druck

Banken & Versicherungen ·
Commerzbank Aktie: Orlopp setzt auf Momentum 2030

Commerzbank Aktie: Orlopp setzt auf Momentum 2030

Banken & Versicherungen ·