Commerzbank Aktie: Analyst Altmann zweifelt an Kundenbindung als Ertragsschutz
Eduard Altmann hält die Ertragsverteidigung für entscheidend und sieht beim erwarteten KGV von 12,3 keinen deutlichen Bewertungsspielraum.

Kurz zusammengefasst
- Höhere Einlagenkosten belasten die Zinserträge
- Kundenbindung sichert keine günstigen Konditionen
- KGV 2026 von 12,3 erwartet
- Commerzbank wickelt rund 30 Prozent des Außenhandelsfinanzierungsgeschäfts ab
Wie belastbar ist die Ertragskraft der Commerzbank, wenn ihre starke Stellung in der deutschen Außenhandelsfinanzierung auf härteren Wettbewerb um Einlagen trifft? Die für den 5. November angekündigten Zahlen sollen Aufschluss über das operative Geschäft geben, während das UniCredit-Vorhaben weiterhin unter Genehmigungsvorbehalten steht. Darüber spricht die Redaktion mit Eduard Altmann.

Commerzbank (DE000CBK1001) — Schlusskurse 07.05.2026 bis 03.11.2026, Angaben in EUR. Stand: 03.11.2026.
Stock World Redaktion: Wenn Firmenkunden höhere Zinsen für ihre Einlagen verlangen, könnte der Commerzbank ausgerechnet ihre wichtigste Kundengruppe das Zinsergebnis verhageln. Ist das derzeit das größte Einzelrisiko für Ihre Einschätzung?
Eduard Altmann: Ja, beim laufenden Geschäft gewichte ich diesen Druck am stärksten. Höhere Kreditzinsen helfen nur insoweit, wie die Bank den zusätzlichen Ertrag nach der Bezahlung ihrer Einleger behalten kann. Die EZB-Zinserhöhung liefert dafür noch keinen Erfolgsnachweis.
Barclays hat bei der Abstufung am 22. Oktober genau diesen Wettbewerb und ein schwächer als zuvor erwartetes Zinsergebnis für das dritte Quartal angesprochen. Das sind Erwartungen, noch keine gemeldeten Quartalszahlen. Die Sorge ist plausibel.
Meine Gewichtung geht einen Schritt weiter: Der Markt diskutiert den Zinsdruck. Weniger Beachtung findet nach meinem Eindruck, dass selbst eine fest verankerte Firmenkundenbeziehung davor nur begrenzt schützt. Kundenbindung garantiert keine günstigen Einlagen. Ein Unternehmen kann seine Zahlungsabwicklung bei der Commerzbank lassen und trotzdem bessere Konditionen für sein Guthaben verlangen. Dafür muss es seine Bankverbindung gar nicht aufgeben.
Stock World Redaktion: „Kundenbindung garantiert keine günstigen Einlagen“, sagen Sie. Wer für einen Bankwechsel seine Abläufe umbauen müsste, bleibt doch eher und akzeptiert schlechtere Konditionen. Unterschätzen Sie den wirtschaftlichen Schutz dieser Bindung?
Eduard Altmann: Sie ziehen das Bleiben des Kunden und den Preis seines Geldes zusammen. Ein Kunde kann seiner Bank treu bleiben und trotzdem hart verhandeln. Diese Treue ist wertvoll; einen billigen Preis würde ich daraus nicht ableiten.
Stock World Redaktion: Welche Ertragsqualität verlangt die heutige Bewertung bereits, wenn Sie den Schutz durch die Firmenkundenbeziehungen so begrenzen?
Eduard Altmann: Das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis für 2026 liegt bei 12,3. Für mich steckt darin bereits die Erwartung, dass die Commerzbank ihre Erträge ordentlich verteidigt. Einen ausgeprägten Bewertungspuffer erkenne ich auf dieser Grundlage nicht.
Die Rückkäufe und eine mögliche Übernahmeprämie durch UniCredit erklären, weshalb der Markt mehr bezahlt als eine grobe Bewertung der einzelnen Geschäftsbereiche nahelegt. Dieses Segmentmodell ist für eine Bank allerdings methodisch schwach; daraus würde ich keine präzise Überbewertung ableiten.
Entscheidend ist die Qualität des verbleibenden Gewinns. Rückkäufe verteilen ihn auf weniger Aktien. Sie verhindern nicht, dass teurere Einlagen oder höhere Kreditverluste ihn belasten. Beim Bewertungsniveau liege ich deshalb nahe am Analysten-Konsens. Meine größere Skepsis betrifft die Absicherung dieser Bewertung durch das laufende Geschäft.
Stock World Redaktion: Die zusätzliche Kapitalanforderung sinkt für 2027 auf 2,1 Prozent, und seit September wurden mehr als 21 Millionen eigene Aktien zurückgekauft. Gewichten Sie einen möglichen Ertragsdruck stärker als diese bereits belegten Fortschritte?
Eduard Altmann: Ja, für die weitere Bewertung schon. Die Entlastung beim Kapital erkenne ich ausdrücklich an. Sie erweitert den Spielraum für Ausschüttungen und die Finanzierung des Geschäfts; die fortgesetzten Rückkäufe belegen, dass das Management seine Kapitalpolitik umsetzt.
Nur würde ich denselben Euro nicht gedanklich zweimal ausgeben: einmal als Ausschüttung und anschließend noch als Schutz gegen schwächere Erträge. Die Aufsicht senkt eine Anforderung. Damit bestätigt sie keinen künftigen Gewinn.
Auch die EZB-Freigabe für UniCredit, die Beteiligungsschwelle von 30 Prozent zu überschreiten, beseitigt diese offene Rechnung nicht. Weitere Genehmigungen stehen aus. Übernahmevorteile behandle ich bis zum Vollzug entsprechend vorsichtig, gerade aus Sicht der Aktionäre, die beteiligt bleiben.
Stock World Redaktion: Was müsste die Commerzbank operativ zeigen, damit Ihre Skepsis gegenüber der Kundenbindung als Ertragsschutz zu weit gegangen wäre?
Eduard Altmann: Meine laufende Messgröße ist das Zinsergebnis. Ich prüfe daran, ob die Bank die höheren Kosten ihrer Einlagen tatsächlich auffangen kann. Der Bericht am 5. November ist dafür der nächste Prüfstein; ein einzelnes ordentliches Quartal würde mir als Nachweis allerdings nicht reichen.
Würde das Zinsergebnis trotz des härteren Wettbewerbs nachhaltig tragen, ohne dass höhere Kreditverluste den Vorteil aufzehren, hätte ich die wirtschaftliche Stärke der Kundenbeziehungen unterschätzt. Das wäre ein substanzieller Einwand gegen meine Sicht.
Dafür gibt es durchaus eine Grundlage: Nach eigenen Angaben wickelt die Commerzbank rund 30 Prozent der deutschen Außenhandelsfinanzierung ab. Diese spezialisierte Stellung verdient Respekt. Sie muss sich nun auch darin bewähren, was nach der Bezahlung der Kunden und der Kreditrisiken übrig bleibt.
Stock World Redaktion: Bei einem erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnis von 12,3 sehen Sie keinen ausgeprägten Bewertungspuffer. Trägt die Ertragsqualität damit schon ein überzeugendes Gesamturteil zur Commerzbank, oder verlangen Rückkäufe und Übernahmeprämie zu viel Vertrauen?
Eduard Altmann: Für ein überzeugend positives Gesamturteil verlangt die Bewertung derzeit zu viel Vertrauen in die Verteidigung der Erträge. Die Commerzbank besitzt ein wertvolles Firmenkundengeschäft und geht mit ihrem Kapital erkennbar diszipliniert um. Stärker gewichte ich aber die noch offene Frage, wie viel sie für die Einlagen dieser Kunden bezahlen muss. Rückkäufe und Übernahmeprämie reichen mir als Antwort darauf nicht.
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