Commerzbank Aktie: BaFin prüft Derivate-Trick bei 7,58%

Commerzbank wirft UniCredit vor, Aktionärsunterstützung künstlich aufzublähen. Die BaFin soll prüfen, ob Derivate die Annahmequoten verfälschen.

Redaktion Stock-World ·
Eine dunkle Figur im Anzug vor einem verschwommenen Börsenticker, mit einer Lupe über einem Finanzdokument. Untersuchung. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • BaFin soll Vorwürfe prüfen
  • Annahmequoten durch Derivate aufgebläht?
  • Commerzbank mit Rekord-Quartalsergebnis
  • Angebotsfrist läuft bis Juli 2026

Die Übernahmeschlacht zwischen Commerzbank und UniCredit eskaliert. Die Frankfurter haben die BaFin eingeschaltet — mit einem ungewöhnlich scharfen Vorwurf: UniCredit blase ihre Unterstützung durch Aktionäre künstlich auf.

Derivate statt echter Zustimmung

Auslöser ist eine Pflichtmitteilung der Mailänder vom 2. Juni. UniCredit meldete, dass Annahmeerklärungen für rund 7,58 Prozent des Commerzbank-Grundkapitals vorlägen. Die Commerzbank widerspricht der Darstellung.

Ihr Vorwurf ist konkret: Die angedienten Aktien stammten weitgehend von Derivategegenparteien der UniCredit — also von Banken, die mit ihr in Absicherungsgeschäften verbunden sind. Kein einziger institutioneller Investor habe das Angebot angenommen. Privatanleger kommen auf gerade einmal 0,05 Prozent. Als Beispiel nennt die Commerzbank die japanische Investmentbank Nomura.

Aus der Angebotsunterlage gehen Total-Return-Swap-Vereinbarungen mit Citi, Nomura und BNP Paribas hervor. Solche Instrumente erzeugen wirtschaftliches Exposure, ohne dass Aktien direkt gehalten werden. Ob die gemeldeten Andienungen also echte Aktionärsunterstützung widerspiegeln oder nur ein technischer Effekt aus Hedging-Positionen sind — genau das soll die BaFin nun klären.

UniCredit wies die Vorwürfe zurück. Man kommentiere keine Unterstellungen ohne faktische Grundlage.

Strategische Arithmetik

UniCredit hält aktuell direkt 26,8 Prozent an der Commerzbank. Rechnet man die angedienten Aktien hinzu, kommt das Institut auf 34,4 Prozent. Mit physisch erfüllbaren Instrumenten steigt der Wert auf 37,6 Prozent. Hinzu kommen Derivate auf weitere 16,4 Prozent — überwiegend nur in bar erfüllbar.

Das Überschreiten der 30-Prozent-Schwelle hat eine wichtige Konsequenz: UniCredit muss kein neues Pflichtangebot abgeben, wenn sie künftig weitere Aktien am freien Markt kauft. Das gibt dem Institut deutlich mehr Spielraum.

Die BaFin ist im Verfahren bereits früher aktiv geworden. Sie hat UniCredit angeordnet, unsachliche Werbung im Zusammenhang mit dem Übernahmeverfahren zu unterlassen.

Commerzbank liefert Zahlen

Die Commerzbank setzt der Übernahmedebatte operative Stärke entgegen. Im ersten Quartal 2026 steigerte sie ihr operatives Ergebnis um 11 Prozent auf 1.358 Millionen Euro — das beste Quartalsergebnis ihrer Geschichte. Der Nettogewinn kletterte auf 913 Millionen Euro. Analysten hatten mit 868 Millionen Euro gerechnet.

Für das Gesamtjahr 2026 peilt die Bank einen Nettogewinn von mindestens 3,4 Milliarden Euro an. Die Erträge sollen rund 13,2 Milliarden Euro erreichen. Vorstand und Aufsichtsrat empfehlen den Aktionären ausdrücklich, das UniCredit-Angebot abzulehnen.

An der Börse spiegelt sich die Lage wider. Die Commerzbank-Aktie notiert bei 36,93 Euro — und damit über dem Gegenwert des UniCredit-Angebots, das 0,485 UniCredit-Anteile je Commerzbank-Aktie vorsieht.

Frist läuft bis Juli

Das Angebot endet am 16. Juni 2026, eine Verlängerung bis zum 3. Juli ist möglich. Den Abschluss des Übernahmeverfahrens erwartet UniCredit erst 2027 — weil das Institut unabhängig vom Ergebnis verschiedene regulatorische Genehmigungen einholen muss.

Das Ergebnis der BaFin-Prüfung entscheidet darüber, mit welcher Machtposition UniCredit in die finale Phase vor dem Fristende geht. Fällt die Aufsicht zugunsten der Commerzbank aus, verliert UniCredit ein zentrales Kommunikationsmittel im Übernahmepoker.

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Commerzbank Aktie

37,07 EUR

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KGV 13,90
Sektor Finanzdienstleistungen
Div.-Rendite 3,07 %
Marktkapitalisierung 40,07 Mrd. EUR
Ø Kursziel 41,80 EUR
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