Commerzbank Aktie: Belegschaft kritisiert Kotzbauer und Schaufler
UniCredit nähert sich der Kontrollmehrheit bei der Commerzbank. Die Belegschaft zeigt sich verärgert, während die Aktie nahe ihrem Hoch notiert.

Kurz zusammengefasst
- Mitarbeiter kritisieren Management öffentlich
- UniCredit erreicht fast 48 Prozent
- EZB-Genehmigung für Übernahme ausstehend
- Aktie bleibt nahe 52-Wochen-Hoch
Zwei Jahre Übernahmekampf hinterlassen Spuren. Bei der Commerzbank meldet sich jetzt die Belegschaft zu Wort – und zwar unverblümt.
Frust im Intranet
Vizechef Michael Kotzbauer und Privatkundenvorstand Thomas Schaufler loben im Intranet das eigene Geschäftsmodell. Sie würdigen die gute Arbeit der Mitarbeiter, trotz des Ringens mit der italienischen UniCredit. Die Großbank hat sich mittlerweile eine faktische Kontrollmehrheit gesichert.
Die aufmunternden Worte kommen nicht überall an. Ein Mitarbeiter schreibt im Intranet: Streicheleinheiten oder Durchhalteparolen seien nicht mehr nötig. Man solle der Wahrheit ins Gesicht schauen.
UniCredit rückt an die Kontrollmehrheit heran
Der Frust hat einen konkreten Auslöser: die veränderte Machtlage. UniCredit hatte bis Anfang Juli mit einem freiwilligen Übernahmeangebot weitere rund 17,6 Prozent der Commerzbank-Aktien eingesammelt. Zusammen mit dem zuvor gehaltenen Anteil von 26,77 Prozent steigt der Bestand rechnerisch auf 44,37 Prozent.
Über Kaufoptionen hat sich UniCredit zudem Zugriff auf weitere 3,22 Prozent gesichert. Damit könnte die italienische Bank auf 47,59 Prozent aufstocken – knapp unter der Mehrheitsschwelle.
Für eine formale Kontrollübernahme fehlt noch die Zustimmung der EZB. UniCredit rechnet mit der Genehmigung im vierten Quartal dieses Jahres.
Orlopp setzt auf Dialog statt Konfrontation
Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp reagiert auf die neue Lage mit einem Kurswechsel. In einem bankintern verbreiteten Interview wirbt sie für konstruktive Gespräche mit UniCredit. Sie akzeptiert damit die absehbare Führungsrolle der Italiener, die bereits Zugriff auf fast die Hälfte der Aktien haben.
Gleichzeitig zieht sie eine klare Grenze. Selbst mit einer Mehrheit auf der nächsten Hauptversammlung könne UniCredit nicht allein über wesentliche Strukturmaßnahmen entscheiden.
Aktie bleibt von der internen Debatte unberührt
An der Börse zeigt der Kurs keine Nervosität. Mit 37,73 Euro notiert die Aktie nur 3,70 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 39,18 Euro, erreicht am 14. Juli 2026. Der Markt preist die interne Verunsicherung der Belegschaft bislang nicht ein.
Für die Beschäftigten dürfte die Hängepartie zunächst weitergehen. Die entscheidenden Weichen stellt die EZB mit ihrer Genehmigung, die frühestens im vierten Quartal ansteht. Bis dahin bleibt offen, wie weit Orlopp und UniCredit-Chef Andrea Orcel in ihren Gesprächen tatsächlich kommen.
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