Commerzbank Aktie: Berlin offen für UniCredit-Verkauf

Die Bundesregierung zeigt sich offen für die Abgabe ihrer restlichen Commerzbank-Anteile an UniCredit, knüpft dies jedoch an Bedingungen. Die Übernahme rückt damit näher.

Dr. Robert Sasse ·
Moderne Glasfassade eines Bankgebäudes im goldenen Licht, symbolisch für den europäischen Finanzsektor. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Bund erwägt Verkauf seiner Commerzbank-Anteile
  • UniCredit erreicht fast 50 Prozent Stimmrechte
  • Commerzbank hebt Gewinnprognose auf 3,4 Milliarden an
  • Aktie notiert nahe 52-Wochen-Hoch

Die Bundesregierung bewegt sich in der Commerzbank-Frage. Ranghohe Vertreter in Berlin signalisierten am Dienstag Gesprächsbereitschaft über einen Verkauf des verbliebenen 12,7-Prozent-Anteils an UniCredit. Voraussetzung sei allerdings Einigkeit über Strategie und Zukunft der Bank – eine Formulierung, die viel Interpretationsspielraum lässt.

Der Schritt reiht sich in eine Woche ein, in der sich die Übernahmefront spürbar in Bewegung setzt. Bereits am Mittwoch vergangener Woche hatten UniCredit-Chef Andrea Orcel und Commerzbank-Vorstandsvorsitzende Bettina Orlopp erste formelle Gespräche über die Konsequenzen eines künftigen Kontrollwechsels geführt.

Die Europäische Zentralbank hatte zuvor in einem internen Dokument aus dem Juli signalisiert, keine grundsätzlichen Einwände gegen die Übernahme zu sehen – eine vorläufige Einschätzung, die einer abschließenden Prüfung im September oder Oktober nicht vorgreift. Von einer endgültigen Genehmigung kann also noch keine Rede sein.

Machtverhältnisse längst entschieden

UniCredit hatte nach Abschluss seines Übernahmeangebots im Juli 47,59 Prozent der Commerzbank-Anteile erreicht, was rund 49,65 Prozent der Stimmrechte entspricht, wenn man die eigenen Aktien der Commerzbank berücksichtigt.

Aufsichtsratschef Jens Weidmann hatte Ende Juli eingeräumt, dass die Kräfteverhältnisse eindeutig seien, und einen konstruktiven Dialog mit den Italienern angekündigt. Der Staatsanteil von 12,7 Prozent ist damit zur letzten offenen Variable geworden – politisch aufgeladen, aber wirtschaftlich kaum noch entscheidend für den Ausgang der Übernahme.

Genau diese Restgröße macht die Äußerungen aus Berlin bemerkenswert. Ein Verkauf des Bundesanteils würde UniCredit dem Ziel einer klaren Mehrheitskontrolle einen entscheidenden Schritt näherbringen, selbst wenn die Regierung ihre Zustimmung an Bedingungen knüpft, die Standort- und Beschäftigungsfragen berühren dürften.

Fundament stimmt, Kurs pausiert

Operativ liefert die Commerzbank derzeit Argumente für Zuversicht. Anfang August hatte das Institut seine Nettogewinnprognose für das laufende Geschäftsjahr auf mindestens 3,4 Milliarden Euro angehoben, zuvor war von mehr als 3,2 Milliarden Euro die Rede gewesen.

Zugleich kündigte die Bank ein weiteres Aktienrückkaufprogramm über 1,2 Milliarden Euro an – ein Signal, dass das Management trotz der Übernahmedynamik eigenständig Kapital an die Aktionäre zurückführen will.

An der Börse zeigt sich das Papier davon zuletzt unbeeindruckt bis leicht angeschlagen. Die Aktie notiert bei 38,58 Euro und hat in den vergangenen sieben Handelstagen 2,0 Prozent verloren, nachdem sie sich in den vorangegangenen 30 Tagen noch um 5,1 Prozent verteuert hatte.

Zum 52-Wochen-Hoch von 40,11 Euro, erreicht Anfang des Monats, fehlen inzwischen 3,8 Prozent. Der Titel bewegt sich damit weiterhin deutlich über seinem 200-Tage-Durchschnitt von 35,33 Euro, was den mittelfristigen Aufwärtstrend intakt hält.

Für Anleger bleibt die Gemengelage komplex: Ein starkes operatives Geschäft trifft auf eine politisch verzögerte, regulatorisch noch nicht final abgeschlossene Übernahme. Die Aussage aus Berlin liefert kein Datum, aber ein Signal – der Bund will offenbar nicht der letzte Stolperstein für UniCredits Vorhaben sein, sofern die eigenen Bedingungen gewahrt bleiben.

Anzeige

Commerzbank-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Commerzbank-Analyse vom 7. September liefert die Antwort:

Die neusten Commerzbank-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Commerzbank-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 7. September erfahren Sie was jetzt zu tun ist.

Commerzbank: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...

Commerzbank Aktie

42,77 EUR

+ 0,91 EUR +2,17 %
KGV 16,11
KUV 3,83
Sektor Finanzdienstleistungen
Div.-Rendite 2,64 %
Marktkapitalisierung 46,23 Mrd. EUR
Ø Kursziel 41,18 EUR
ISIN: DE000CBK1001 WKN: CBK100

Community Forum zu Commerzbank

Ähnliche Artikel

POET Technologies Aktie: Zacks senkt Gewinnerwartung für 2026

POET Technologies Aktie: Zacks senkt Gewinnerwartung für 2026

KI & Quantencomputing ·
Commerzbank Aktie: Klingbeil lädt Orcel ein

Commerzbank Aktie: Klingbeil lädt Orcel ein

Banken & Versicherungen ·
Quantum eMotion Aktie: Übernimmt SKV Technology

Quantum eMotion Aktie: Übernimmt SKV Technology

Cyber Security ·
iShares MSCI Global Semiconductors: Broadcom hebt KI-Prognose auf 115 Mrd USD

iShares MSCI Global Semiconductors: Broadcom hebt KI-Prognose auf 115 Mrd USD

ETFs ·
Kritische Rohstoffe: Baustart und Genehmigungen treiben fünf Aktien

Kritische Rohstoffe: Baustart und Genehmigungen treiben fünf Aktien

Earnings ·

Weitere Artikel zu Commerzbank

Alle Artikel anzeigen
Commerzbank Aktie: Klingbeil lädt Orcel ein

Commerzbank Aktie: Klingbeil lädt Orcel ein

Banken & Versicherungen ·
Commerzbank Aktie: Orlopp koppelt Verbleib an Strategie-Einigung

Commerzbank Aktie: Orlopp koppelt Verbleib an Strategie-Einigung

Banken & Versicherungen ·
Commerzbank Aktie: UniCredit erreicht 37,68 Prozent

Commerzbank Aktie: UniCredit erreicht 37,68 Prozent

Banken & Versicherungen ·
Commerzbank Aktie: Orlopp koppelt Zukunft an Aufsichtsrat

Commerzbank Aktie: Orlopp koppelt Zukunft an Aufsichtsrat

Banken & Versicherungen ·
Bank- und Versicherungs-Aktien: Übernahmestreit trifft auf KI-Schuldenberge

Bank- und Versicherungs-Aktien: Übernahmestreit trifft auf KI-Schuldenberge

KI & Quantencomputing ·