Commerzbank Aktie: Berlin offen für UniCredit-Verkauf
Die Bundesregierung zeigt sich offen für die Abgabe ihrer restlichen Commerzbank-Anteile an UniCredit, knüpft dies jedoch an Bedingungen. Die Übernahme rückt damit näher.

Kurz zusammengefasst
- Bund erwägt Verkauf seiner Commerzbank-Anteile
- UniCredit erreicht fast 50 Prozent Stimmrechte
- Commerzbank hebt Gewinnprognose auf 3,4 Milliarden an
- Aktie notiert nahe 52-Wochen-Hoch
Die Bundesregierung bewegt sich in der Commerzbank-Frage. Ranghohe Vertreter in Berlin signalisierten am Dienstag Gesprächsbereitschaft über einen Verkauf des verbliebenen 12,7-Prozent-Anteils an UniCredit. Voraussetzung sei allerdings Einigkeit über Strategie und Zukunft der Bank – eine Formulierung, die viel Interpretationsspielraum lässt.
Der Schritt reiht sich in eine Woche ein, in der sich die Übernahmefront spürbar in Bewegung setzt. Bereits am Mittwoch vergangener Woche hatten UniCredit-Chef Andrea Orcel und Commerzbank-Vorstandsvorsitzende Bettina Orlopp erste formelle Gespräche über die Konsequenzen eines künftigen Kontrollwechsels geführt.
Die Europäische Zentralbank hatte zuvor in einem internen Dokument aus dem Juli signalisiert, keine grundsätzlichen Einwände gegen die Übernahme zu sehen – eine vorläufige Einschätzung, die einer abschließenden Prüfung im September oder Oktober nicht vorgreift. Von einer endgültigen Genehmigung kann also noch keine Rede sein.
Machtverhältnisse längst entschieden
UniCredit hatte nach Abschluss seines Übernahmeangebots im Juli 47,59 Prozent der Commerzbank-Anteile erreicht, was rund 49,65 Prozent der Stimmrechte entspricht, wenn man die eigenen Aktien der Commerzbank berücksichtigt.
Aufsichtsratschef Jens Weidmann hatte Ende Juli eingeräumt, dass die Kräfteverhältnisse eindeutig seien, und einen konstruktiven Dialog mit den Italienern angekündigt. Der Staatsanteil von 12,7 Prozent ist damit zur letzten offenen Variable geworden – politisch aufgeladen, aber wirtschaftlich kaum noch entscheidend für den Ausgang der Übernahme.
Genau diese Restgröße macht die Äußerungen aus Berlin bemerkenswert. Ein Verkauf des Bundesanteils würde UniCredit dem Ziel einer klaren Mehrheitskontrolle einen entscheidenden Schritt näherbringen, selbst wenn die Regierung ihre Zustimmung an Bedingungen knüpft, die Standort- und Beschäftigungsfragen berühren dürften.
Fundament stimmt, Kurs pausiert
Operativ liefert die Commerzbank derzeit Argumente für Zuversicht. Anfang August hatte das Institut seine Nettogewinnprognose für das laufende Geschäftsjahr auf mindestens 3,4 Milliarden Euro angehoben, zuvor war von mehr als 3,2 Milliarden Euro die Rede gewesen.
Zugleich kündigte die Bank ein weiteres Aktienrückkaufprogramm über 1,2 Milliarden Euro an – ein Signal, dass das Management trotz der Übernahmedynamik eigenständig Kapital an die Aktionäre zurückführen will.
An der Börse zeigt sich das Papier davon zuletzt unbeeindruckt bis leicht angeschlagen. Die Aktie notiert bei 38,58 Euro und hat in den vergangenen sieben Handelstagen 2,0 Prozent verloren, nachdem sie sich in den vorangegangenen 30 Tagen noch um 5,1 Prozent verteuert hatte.
Zum 52-Wochen-Hoch von 40,11 Euro, erreicht Anfang des Monats, fehlen inzwischen 3,8 Prozent. Der Titel bewegt sich damit weiterhin deutlich über seinem 200-Tage-Durchschnitt von 35,33 Euro, was den mittelfristigen Aufwärtstrend intakt hält.
Für Anleger bleibt die Gemengelage komplex: Ein starkes operatives Geschäft trifft auf eine politisch verzögerte, regulatorisch noch nicht final abgeschlossene Übernahme. Die Aussage aus Berlin liefert kein Datum, aber ein Signal – der Bund will offenbar nicht der letzte Stolperstein für UniCredits Vorhaben sein, sofern die eigenen Bedingungen gewahrt bleiben.
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