Commerzbank Aktie: Berlin prüft Übernahmeregeln
Berlin prüft zusätzliche Angebotspflichten und mehr Transparenz bei Derivatepositionen; die laufende Übernahme wäre davon nicht rückwirkend betroffen.
Kurz zusammengefasst
- Zusätzliche Angebotsschwelle bei 50 Prozent im Gespräch
- Strengere Offenlegung von Derivatepositionen geprüft
- UniCredit hat bereits faktische Kontrolle
- RBC-Abstufung belastete Commerzbank-Aktie am Freitag
Die Bundesregierung erwägt, das deutsche Übernahmerecht zu verschärfen. Auslöser ist der Fall Commerzbank: UniCredit hat sich über Derivate und ein Angebot praktisch ohne Prämie die faktische Kontrolle gesichert. Die Aktie gab am Freitag zeitweise fast 2 Prozent nach.
Zweite Pflichtangebotsschwelle im Gespräch
Nach aktuellem Recht muss ein Bieter nur einmal ein Pflichtangebot vorlegen, nämlich beim Überschreiten von 30 Prozent. Diskutiert wird nun eine zusätzliche Schwelle bei 50 Prozent. Der Weg von 30 Prozent zur Mehrheit würde für einen Käufer teurer. Finnland arbeitet bereits mit solchen Doppelschwellen.
Hinzu kommen strengere Offenlegungspflichten, wenn Käufer über Derivate Positionen aufbauen. Ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums erklärte, man prüfe derzeit, ob eine Änderung des Übernahmegesetzes nötig sei. Die Prüfung sei noch nicht abgeschlossen.
Die Debatte hat Vorbilder. Nach dem Versuch von Porsche, Volkswagen zu übernehmen, reformierte Deutschland 2011 sein Regelwerk und dehnte die Meldepflichten auf Derivate mit Barausgleich aus. Das machte den synthetischen Beteiligungsaufbau transparenter, verbot ihn aber nicht und ließ die 30-Prozent-Schwelle unangetastet.
Orlopp macht das Gesetz mitverantwortlich
Der Bund hält nach der Finanzkrise noch rund 13 Prozent an der Commerzbank. Berlin hatte das Vorgehen von UniCredit als feindlich, aggressiv und intransparent kritisiert. Der hohe Zuspruch zum Angebot überraschte viele Beobachter, auch Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp. Intern soll sie das Übernahmerecht dafür verantwortlich machen, dass Bietern beim Einsatz von Derivaten so viel Spielraum bleibt.
Die Commerzbank selbst geht davon aus, dass die meisten angedienten Aktien von Gegenparteien der UniCredit stammen. Deren wirtschaftliches Motiv sei nicht die Attraktivität des Angebots gewesen.
Zusätzlich belastete am Freitag die Abstufung durch RBC die Aktie.
Was jetzt zählt
Eine Gesetzesänderung würde die laufende Übernahme nicht rückwirkend ändern, da UniCredit die Kontrolle bereits hat. Entscheidend ist daher, ob das Ministerium seine noch laufende Prüfung abschließt und konkrete Änderungen vorlegt, etwa die zweite Schwelle bei 50 Prozent oder schärfere Derivate-Meldepflichten.
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