Commerzbank Aktie: Berlin sucht Kompromiss mit UniCredit
Die Bundesregierung bereitet Verhandlungen mit UniCredit vor, was den Aktienkurs der Commerzbank belastet.

Kurz zusammengefasst
- Kursrutsch um 3,25 Prozent
- Berlin sucht Kompromiss mit UniCredit
- S&P senkt Bonitätsausblick
- Analysten sehen Kursspanne von 37 bis 43 Euro
Die Bundesregierung schwenkt um. Statt UniCredit weiter blockieren zu wollen, bereitet Berlin nun konkrete Verhandlungspositionen vor. Die Commerzbank-Aktie reagierte am Freitag prompt – mit einem Kursrutsch von 3,25 Prozent auf 36,66 Euro. Damit war sie der schwächste Wert im Dax.
Berlin sucht den Kompromiss
UniCredit hält mittlerweile knapp die Hälfte der Commerzbank-Aktien. Eine Übernahme lässt sich damit kaum noch verhindern. Diese Erkenntnis scheint nun auch in der Bundesregierung angekommen zu sein.
Einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge arbeitet die Regierung an Forderungen. Über diese will man mit UniCredit bei künftigen Gesprächen verhandeln. Eine mit dem Vorgang vertraute Person bestätigte dies gegenüber dem Handelsblatt. Einen konkreten Gesprächstermin gibt es aber noch nicht.
Bemerkenswert ist die von Berlin erwartete Reihenfolge. Zunächst soll UniCredit-Chef Andrea Orcel mit Commerzbank-Vorstandschefin Bettina Orlopp sprechen. Erst danach kommt offenbar die Politik ins Spiel. Ein Insider brachte das so auf den Punkt: „Der Weg nach Berlin führt über Frankfurt.“
Warum der Markt nervös reagiert
Der Kurswechsel kam an der Börse nicht gut an. Anleger werten die neue Linie offenbar als Signal, dass Berlin den Widerstand gegen die Übernahme faktisch aufgibt. Die Aktie notiert nun rund 6,4 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 39,18 Euro, das erst am 14. Juli markiert wurde.
Der Kursrückgang reiht sich in eine Serie von Belastungsfaktoren ein. Bereits in der Vorwoche hatte die Ratingagentur S&P ihren Ausblick für die Commerzbank-Bonität von positiv auf stabil gesenkt. Das Rating selbst blieb bestätigt.
Als Begründung nannte S&P das wahrscheinliche Szenario einer Mehrheitsbeteiligung durch UniCredit. Bei einer vollständigen Integration verlöre die Commerzbank ihre eigenständigen Risikopuffer. Genau das preist die Ratingagentur nun ein.
Analysten uneinig über den Kurs
Die Einschätzungen der Wall-Street-Häuser gehen auseinander. JPMorgan-Analyst Kian Abouhossein bestätigte am 16. Juli sein Kursziel von 37 Euro und die Einstufung „Neutral“. Die Analysten sehen aktuell keinen Anlass, ihre Sicht auf das Institut zu überarbeiten.
Die kanadische Bank RBC ist deutlich optimistischer. Sie beließ ihre Einstufung „Outperform“ mit einem Kursziel von 43 Euro. Analystin Anke Reingen erwartet, dass die Commerzbank ihre Jahresziele und den Ausblick auf 2030 bestätigt – inklusive einer Aktualisierung zur Kapitalausschüttung und der aufgestockten UniCredit-Beteiligung.
Die Spanne zwischen 37 und 43 Euro zeigt: Einigkeit über den fairen Wert der Aktie sieht anders aus. Für die kommenden Wochen bleibt entscheidend, ob Orlopp und Orcel tatsächlich direkte Gespräche aufnehmen. Erst dann dürfte sich zeigen, mit welchen konkreten Forderungen Berlin in mögliche Verhandlungen zieht.
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