Commerzbank Aktie: Bund erwägt Verkauf an UniCredit

Die Bundesregierung zeigt sich offen für einen Verkauf ihrer Commerzbank-Anteile an UniCredit, sofern sich beide Banken auf eine gemeinsame Strategie einigen. Erste Gespräche zwischen den Vorstandschefinnen laufen bereits.

Eduard Altmann ·
Commerzbank Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Bund erwägt Anteilsverkauf an UniCredit
  • Orlopp und Orcel trafen sich zu Gesprächen
  • UniCredit kontrolliert fast 50 Prozent Stimmrechte
  • Commerzbank meldet Rekordzahlen und starke Prognose

Die Bundesregierung öffnet sich für einen Ausstieg aus der Commerzbank. Hochrangige Regierungsvertreter zeigten sich laut Bloomberg heute offen dafür, den verbliebenen Bundesanteil von 12,7 Prozent an UniCredit zu verkaufen – allerdings nur, wenn sich beide Banken zuvor auf eine gemeinsame Strategie einigen. Damit rückt eine politische Weichenstellung in greifbare Nähe, die den seit Monaten schwelenden Übernahmepoker um die Commerzbank in eine neue Phase heben könnte.

Die Aussage folgt auf eine bemerkenswerte Annäherung auf Vorstandsebene. Am vergangenen Freitag vor einer Woche trafen sich Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp und UniCredit-Chef Andrea Orcel erstmals zu formellen Gesprächen.

Themen waren bilanzielle, rechtliche und risikobezogene Fragen sowie mögliche Wege einer regulatorischen Konsolidierung, wie Bloomberg bestätigte. Dass sich die beiden Konzernlenker persönlich austauschen, gilt als Signal, dass beide Seiten nach Monaten der öffentlichen Konfrontation zumindest Gesprächskanäle offenhalten wollen.

Vom Widerstand zum Dialog

Noch vor wenigen Wochen hatte Orlopp den von UniCredit vorgelegten Plan „Commerzbank Unlocked“ scharf kritisiert – das Angebot basiere auf unvollständigen Informationen und berge erhebliche Umsetzungsrisiken. Das Management hielt an der eigenen Strategie namens Momentum 2030 als Primärplan fest.

Zugleich machte der Vorstand deutlich, dass ein konstruktiver Dialog mit UniCredit grundsätzlich Wertschaffung für alle Stakeholder ermöglichen könne. Diese Gratwanderung zwischen Abwehr und Gesprächsbereitschaft prägt die Kommunikation der Bank seit Wochen.

Die Machtverhältnisse sprechen unterdessen klar für den italienischen Großaktionär. Nach eigenen Angaben verfügt UniCredit über Zugriff auf fast 50 Prozent der Stimmrechte. Bemerkenswert dabei: Nur 2,7 Prozent der institutionellen und privaten Anleger haben ihre Aktien tatsächlich angedient.

Ein erheblicher Teil der gemeldeten 17,6 Prozent stammt von Finanzinstituten, die mit UniCredit verbunden sind – ein Umstand, der die tatsächliche Zustimmung der breiten Aktionärsbasis relativiert.

Geschäftszahlen liefern Verhandlungsmasse

Die vor rund zwei Wochen vorgelegten Rekordzahlen stärken die Verhandlungsposition der Commerzbank spürbar, seither legte die Aktie um 2,9 Prozent zu. Das operative Geschäft läuft so gut wie selten zuvor, was der Bank Argumente für eine eigenständige Zukunft liefert – aber eben auch UniCredit den Wert des Übernahmeziels vor Augen führt.

Die zuletzt angehobene Jahresprognose mit einem Nettogewinn von mindestens 3,4 Milliarden Euro und einer harten Kernkapitalquote von über 14 Prozent zum Jahresende unterstreicht die finanzielle Stärke, mit der die Bank in mögliche Verhandlungen geht.

Am Aktienmarkt spiegelt sich die Gemengelage in robusten Kursen. Das Papier notiert aktuell bei 39,67 Euro und damit nur gut ein Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 40,11 Euro, das erst am Donnerstag markiert wurde. Zum 50-Tage-Durchschnitt von 37,85 Euro besteht weiterhin ein deutlicher Aufschlag von 4,8 Prozent – ein Zeichen dafür, dass Anleger die Übernahmefantasie und die operative Stärke der Bank derzeit gleichermaßen honorieren.

Für die Commerzbank-Aktionäre bleibt die entscheidende Frage, ob sich Bund, Bank und UniCredit tatsächlich auf eine gemeinsame Linie verständigen. Gelingt dies, wäre der Weg für einen Verkauf des staatlichen Anteils frei – und damit für eine weitreichende Neuordnung der deutschen Bankenlandschaft.

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