Commerzbank Aktie: Bund plant Sperrminorität für 5,5 Milliarden
Berlin prüft Aufstockung der Commerzbank-Beteiligung auf 25 Prozent, um UniCredits Übernahmepläne zu blockieren. Aktie bleibt robust.

Kurz zusammengefasst
- Bund erwägt Sperrminorität
- UniCredit nahe an Mehrheit
- Aktie nahe Jahreshoch
- Quartalszahlen am Donnerstag
Im Ringen um die Kontrolle der Commerzbank bahnt sich eine neue Wendung an. Während UniCredit über ihr Übernahmeangebot theoretisch Zugriff auf bis zu 47,59 Prozent der Commerzbank-Aktien hat, prüft die Bundesregierung offenbar einen Gegenzug: eine Aufstockung ihrer Beteiligung auf eine Sperrminorität von 25 Prozent plus einer Aktie über die staatliche KfW-Bank. Berichten zufolge könnte dieser Schritt bei einer Marktkapitalisierung von rund 42,5 Milliarden Euro etwa 5,5 Milliarden Euro kosten. Der Bund hält derzeit rund 12 Prozent an der Frankfurter Bank.
UniCredit auf dem Weg zur faktischen Kontrolle
Die italienische UniCredit hatte im Rahmen ihres Übernahmeangebots insgesamt 17,6 Prozent der Aktien angedient bekommen. Zusammen mit bereits zuvor gehaltenen 26,77 Prozent und Kaufoptionen über weitere 3,22 Prozent ergibt sich rechnerisch ein Zugriff von 47,59 Prozent – nah an der Mehrheitsschwelle, auch wenn die 50-Prozent-Marke damit verfehlt bliebe. Die Genehmigung der Europäischen Zentralbank für den Kontrollerwerb steht weiterhin aus, Beobachter rechnen mit einer Entscheidung im vierten Quartal 2026. Mittelfristig soll UniCredit sogar eine Fusion mit ihrer deutschen Tochter HypoVereinsbank innerhalb der kommenden drei Jahre anstreben, sollte die Übernahme wie geplant vollzogen werden.
Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp hat sich zuletzt betont dialogbereit gezeigt und den Einbezug aller Stakeholder in den Prozess angekündigt. Zugleich verfolgt das Institut nach eigener Darstellung einen Abwehrkurs: Mit mehr Gewinn, einer höheren Dividende und dem Abbau von Stellen will die Bank eine feindliche Übernahme unattraktiver machen. Kritiker bemängeln allerdings, dass die Aktionäre dabei zu wenig Prämie erhielten – ein Vorwurf, der die Debatte um den fairen Wert des Instituts weiter befeuert.
Politischer Streit um staatliche Blockade
Die mögliche Aufstockung der Bundesbeteiligung sorgt für scharfe politische Töne. Die AfD-Fraktion fordert nicht nur die Sperrminorität, sondern zusätzlich eine Einstufung der Commerzbank als kritische Infrastruktur samt einer „Goldenen Aktie“, die dem Staat ein Vetorecht sichern würde. Bundeskanzler Friedrich Merz hatte sich Mitte Juli allerdings zurückhaltend positioniert und erklärt, man werde „diese Fusion oder Übernahme“ nicht verhindern. Diese Aussage steht in einem gewissen Spannungsverhältnis zu den Plänen für eine Sperrminorität, die genau das faktisch ermöglichen würde – Anleger dürften die kommenden Wochen daher genau auf Signale aus Berlin beobachten.
Auch die europäische Bankenlandschaft insgesamt bleibt in Bewegung: Parallel zur Commerzbank-Debatte kämpft in Italien die Intesa Sanpaolo um die Übernahme der Banca Monte dei Paschi, während der Rivale Banco BPM einen eigenen Fusionsvorschlag vorgelegt hat – ein Zeichen dafür, dass Konsolidierung derzeit ein europaweites Thema im Bankensektor ist.
Kurs behauptet sich nahe dem Jahreshoch
An der Börse zeigt sich die Commerzbank-Aktie trotz der ungeklärten Übernahmefrage robust. Am Freitag schloss das Papier bei 37,73 Euro, ein Plus von 1,34 Prozent auf Tagessicht. Damit notiert die Aktie nur noch 3,70 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 39,18 Euro, das sie im Juli erreicht hatte. Auf Jahressicht steht ein Zuwachs von knapp 18 Prozent zu Buche, was die Erwartungshaltung der Anleger an eine Lösung des Übernahmestreits widerspiegelt.
Für die kommende Woche richtet sich der Blick zusätzlich auf die Zahlenvorlage: Die Commerzbank meldet am Donnerstag ihre Quartalsergebnisse, gemeinsam mit weiteren Schwergewichten wie Siemens und der Deutschen Telekom. Angesichts der laufenden Übernahmegespräche dürfte die Bank dabei nicht nur an operativen Kennzahlen gemessen werden, sondern auch daran, wie überzeugend ihr Abwehrplan gegenüber UniCredit und die politische Flankierung aus Berlin bei Investoren ankommen.
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