Commerzbank Aktie: EZB genehmigt UniCredit-Übernahme

Die EZB dürfte die UniCredit-Übernahme der Commerzbank genehmigen, warnt aber vor einem schwierigen Integrationsprozess. Eine Entscheidung wird im Herbst erwartet.

Dr. Robert Sasse ·
Moderne Bankarchitektur bei Dämmerung, die institutionelle Stabilität und Finanzkonsolidierung symbolisiert. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • EZB-Zustimmung zur Übernahme wahrscheinlich
  • Aufsicht warnt vor langwieriger Integration
  • UniCredit hält 47,59 Prozent am Kapital
  • Commerzbank-Aktie nahe Rekordhoch

Die EZB rechnet nach Informationen des Handelsblatts damit, die Übernahme der Commerzbank durch UniCredit zu genehmigen. Zugleich warnt die Aufsicht laut demselben Bericht vor einem „herausfordernden und langwierigen“ Integrationsprozess. Damit rückt eine Entscheidung näher, die den seit Monaten schwelenden Übernahmepoker in eine neue Phase heben würde.

Die Bafin hatte den Antrag von UniCredit auf eine Mehrheitsbeteiligung Ende Juli als vollständig eingestuft und an die EZB weitergeleitet. Die Notenbank hat gesetzlich 60 Arbeitstage Zeit für ihre Prüfung, verlängerbar um bis zu 20 weitere Arbeitstage.

Eine Kontrollübernahme durch die Italiener gilt damit frühestens im Herbst, spätestens Anfang Dezember als möglich. Neben der EZB müssen noch EU-Kartellbehörden, die deutsche Außenwirtschaftsprüfung, die US-Notenbank Federal Reserve und die polnische Finanzaufsicht grünes Licht geben.

Machtverhältnisse nach dem Übernahmeangebot

Nach Ablauf der Annahmefrist des Übernahmeangebots Ende Juli hatte sich UniCredit-Chef Andrea Orcel bereits optimistisch gezeigt, wonach der politische Widerstand in Deutschland schwinde. Tatsächlich hatte die Bundesregierung ihre Haltung geändert und arbeitet inzwischen an Verhandlungskonzepten, nachdem zuvor eine Blockade erwogen worden war – ein Schwenk, der die Übernahmegespräche erst in Bewegung brachte.

Von den unabhängigen Commerzbank-Aktionären dienten nur 2,7 Prozent der institutionellen und privaten Anleger ihre Aktien an, insgesamt kamen 17,6 Prozent des Kapitals zum Angebot. UniCredit hält nach Ende der Annahmefrist 47,59 Prozent des Kapitals und 49,65 Prozent der Stimmrechte, zusätzlich weitere 11,48 Prozent über Derivate ohne Stimmrechte.

Die geringe Zustimmung aus dem freien Streubesitz zeigt, dass viele Anleger offenbar auf einen höheren Preis oder eine spätere Entwicklung setzen, statt jetzt zu verkaufen. Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp hatte Ende Juli für einen konstruktiven Dialog mit UniCredit geworben.

Kurs nahe Rekordhoch, Ratingagentur bleibt vorsichtig

Die Commerzbank-Aktie schloss am Mittwoch bei 39,36 Euro und liegt damit nur 1,2 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 39,85 Euro, das erst am 6. August erreicht wurde.

Auf Jahressicht steht ein Plus von 9,0 Prozent zu Buche, der Titel notiert zudem rund 4,5 Prozent über seinem 50-Tage-Durchschnitt. Der Kursverlauf spiegelt damit sowohl die operative Stärke der Bank als auch die Erwartung einer baldigen regulatorischen Klärung wider.

Die Ratingagentur S&P Global hatte den Ausblick für die Commerzbank bereits im Zusammenhang mit der UniCredit-Übernahme gekappt – ein Hinweis darauf, dass Ratinganalysten den Integrationsprozess kritischer sehen als der Aktienmarkt.

Für Anleger bleibt die Gemengelage komplex: Auf der einen Seite stehen Rekordgewinne und angehobene Kursziele mehrerer Analysehäuser, auf der anderen Seite die Unsicherheit über Tempo und Ausgestaltung einer möglichen Integration in den italienischen Konzern. Die kommenden Wochen bis zur EZB-Entscheidung dürften zeigen, wie belastbar der optimistische Kurstrend tatsächlich ist.

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