Commerzbank Aktie: Klingbeil setzt Bedingungen
Nach dem Treffen mit UniCredit formuliert Klingbeil Vorgaben für die Commerzbank: Frankfurt und das Mittelstandsgeschäft sollen erhalten bleiben.

Kurz zusammengefasst
- Commerzbank-Aktie klettert auf 42,86 Euro
- Klingbeil fordert Frankfurter Eigenständigkeit
- Mittelstandsgeschäft soll fortgeführt werden
- Weitere Gespräche bleiben zeitlich offen
Vizekanzler Lars Klingbeil hat nach einem ersten Treffen mit UniCredit-Chef Andrea Orcel klare Erwartungen an eine mögliche Commerzbank-Übernahme formuliert. Die Bank solle eine börsennotierte Aktiengesellschaft mit Sitz in Frankfurt bleiben und ihr Mittelstandsgeschäft im In- und Ausland fortsetzen. Die Aktie reagierte am Dienstag im XETRA-Handel freundlich und legte zeitweise auf 42,86 Euro zu.
Der SPD-Chef betonte zudem, die Bundesregierung stehe an der Seite der mehr als 40.000 Beschäftigten der Commerzbank. Orcel selbst sprach von einem konstruktiven ersten Gespräch, dem zeitnah weitere folgen sollen. Beide Seiten müssten nun einen Weg finden, der den Interessen aller Stakeholder und Anteilseigner gerecht werde, erklärte der UniCredit-Chef.
Bund als Zünglein an der Waage
Die Ausgangslage bleibt komplex. UniCredit ist seit rund zwei Jahren bei der Commerzbank engagiert und hat sich mittlerweile Zugriff auf fast 50 Prozent der Anteile gesichert. Der Bund, der die Commerzbank während der Finanzkrise mit Steuermilliarden gestützt hatte, hält noch gut 12 Prozent und ist damit zweitgrößter Aktionär — eine Position, die ihm bei jeder Entscheidung erhebliches Gewicht verleiht.
Orcel sieht in einer Übernahme Potenzial für milliardenschwere Einsparungen, verbunden mit dem Abbau Tausender Stellen. Er will außerdem das Auslandsnetz der Commerzbank verkleinern. In Frankfurt wachsen deshalb die Sorgen vor einem harten Personalabbau. Hinzu kommt die Befürchtung, die Commerzbank könnte langfristig mit der HVB verschmolzen werden — mit München als möglichem neuen Hauptsitz.
Genau an diesem Punkt setzt Klingbeils Vorstoß an. Mit der Forderung nach einem eigenständigen Frankfurter Standort und einem starken Mittelstandsgeschäft markiert die Bundesregierung ihre roten Linien, noch bevor konkrete Übernahmepläne auf dem Tisch liegen. Für Orcel bedeutet das: Jede weitere Gesprächsrunde mit Berlin dürfte sich an diesen Bedingungen messen lassen müssen.
Wie schnell sich die angekündigten weiteren Gespräche zwischen Orcel und der Bundesregierung konkretisieren, ist offen. Die Aktie dürfte bis dahin jede neue Wortmeldung aus Berlin oder Mailand genau registrieren.
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